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Aus: Ausgabe vom 23.06.2022, Seite 11 / Feuilleton
Kino

Es klingelt

Der Horrorfilm »The Black Phone«
Von Marc Hairapetian
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Falsch verbunden? Anruf aus dem Reich der Toten

»Eines Tages muss ich für mich selbst einstehen«, spricht Finney Shaw (Mason Thames) in den Hörer des schwarzen Telefon, dessen Kabel durchgeschnitten sind – mehr zu sich selbst als zu der Mädchenstimme am anderen Ende der Leitung. Die kann sich an ihren eigenen Namen nicht mehr erinnern, kennt dafür aber seinen und erklärt: »Dieser Tag ist heute, Finney!« »The Black Phone – Sprich nie mit Fremden« ist einer der gruseligsten Filme der letzten Jahre. Es ist aber auch ein Film über die Solidarität unter Kindern. Gegen einen psychopathischen Serienmörder müssen alle zusammenhalten. Sogar die Toten.

Wir schreiben das Jahr 1978: Auf dem Pausenhof der örtlichen Highschool einer Kleinstadt nördlich von Denver kennt jeder die Namen der verschwundenen Teenager, aber niemand traut sich, den Namen des »Der Greifer« getauften Kidnapperphantoms auszusprechen. Eines Tages gerät auch der 13jährige Finney Shaw (Mason Thames) in die Fänge des Serienmörders (Ethan Hawke), der seinen schwarzen Van bis obenhin mit ebenso schwarzen Luftballons vollgeladen hat. Während die Polizei und Finneys offenbar übersinnlich begabte jüngere Schwester Gwen (Madeleine McGraw) nach dem Jungen suchen, findet sich der in einem schalldicht isolierten Keller mit einem schwarzen Telefon an der Wand wieder. Sein vorzugsweise Kabuki-Teufelsmaske tragender Entführer eröffnet ihm zwar gleich zu Beginn, dass es schon seit Jahrzehnten nicht mehr funktioniert, aber Finney hört das Telefon trotzdem klingeln. Wenn er allein im Raum ist, sprechen die Geister der im Keller ermordeten Kinder zu ihm. Sie wollen unbedingt verhindern, dass Finney das gleiche entsetzliche Schicksal erleidet wie sie.

Gewalt ist in »The Black Phone« allgegenwärtig. Gwen wird wegen ihrer hellseherischen Fähigkeiten, die schon ihre suizidale Mutter besaß, regelmäßig von ihrem alkoholkranken Vater (Jeremy Davies) mit einem Gürtel verprügelt. Auch die Brutalität auf dem Pausenhof der Schule wirkt erschreckend unmittelbar. Auch Gwen schlägt mit einem Stein so hart zu, dass das Blut in Strömen die Stirn herunterfließt, und bekommt daraufhin selbst einen Tritt gegen den Kopf ab. Am Ende der Schulhofschlägerei hocken alle benommen nebeneinander am Zaun. Ausgesprochen wird es nicht, aber sie spüren, dass sie füreinander einstehen müssen.

Für die Adaption einer Kurzgeschichte von Stephen-King-Sohn Joe Hill schaffen Regisseur, Produzent und Kodrehbuchautor Scott Derrickson und sein Kameramann Brett Jutkiewicz einen Super-8-artigen 70er-Jahre-Retrolook. Für Hawke wollte Derrickson eine Maske haben, durch die man Gesichtszüge und Augen sehen kann. Er engagierte Maskenbildnerlegende und Gelegenheitsschauspieler Tom Savini, um beim Design auszuhelfen. Die untere Hälfte der Greifermaske wurde so gestaltet, dass sie ausgewechselt werden kann, einmal ganz ohne Mundöffnung auskommt und nur noch ein diabolisches Grinsen zeigt.

»The Black Phone – Sprich nie mit Fremden«, Regie: Scott Derrickson, USA 2022, 104 Min., Kinostart: heute

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