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Aus: Ausgabe vom 18.06.2022, Seite 6 (Beilage) / Wochenendbeilage

Coca-Cola

Unterzeile
Von Maxi Wunder

Eines der größten Geheimnisse der Rezeptkultur ist seit 134 Jahren das Coca-Cola-Rezept. In den ersten zwanzig Jahren enthielt der braune Erfrischungssaft tatsächlich eine Prise Kokain, und der reichste Mann der Welt, Teslachef Elon Musk, will laut Agenturmeldungen demnächst wieder eine Cola mit richtigem Kokain auf den Markt werfen. Das Wasser dafür stellt ihm sicher Grünheide und Umgebung zur Verfügung – falls seine Elektroautoproduktion was übrig lässt.

1993 erschien in den USA ein Buch von Mark Pendergrast über die Geschichte der Coca-Cola Company, »For God and Coca-Cola« – mit vielen Indiskretionen über die Entwicklung des billigen Apothekersodas, erfunden 1888 von dem Drogisten Dr. John Pemberton, zu einer der kapitalstärksten Firmen der Welt.

The Coca-Cola Company aus der Südstaatenmetropole Atlanta musste niemals ernstlich Konkurrenz fürchten, nicht mal von Pepsi, die bis zum Ende der Sowjetunion das Monopol im gesamten Ostblock innehatte (mit Ausnahme der DDR und ihrer Club Cola) und bei Blindverkostungen stets signifikant besser abschnitt als Coca-Cola. Auch die bundesdeutsche Afri-Cola mit mehr Koffein und weniger Süße konnte marktmäßig nicht mithalten, trotz der legendären Werbespots von Charles Wilp, etwa der Spot von 1968 mit den hübschen Nonnen und Hippiemädchen hinter einer tropfenden Eiswand im Afri-Cola-Rausch: »Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola / Alles ist in Afri-Cola.«

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs warb Coca-Cola in Deutschland noch mit den Worten »Nur ganz kurz – zwischen harter Arbeit einmal kurz Halt machen –, das beschwingt erneut den Rhythmus der Arbeit. Trink Coca-Cola!« Als deutsche Kriegsgefangene in die USA kamen und Coca-Cola-Werbung sahen, waren sie überrascht, weil sie die Brause für ein typisch deutsches Getränk hielten.

Für sein Buch interviewte Pendergrast den technischen Direktor Zarubica und erhielt problemlos das Originalrezept in Kopie. Der Colaboss: »Was wollen sie damit nun tun? Wir haben hundert Jahre und unvorstellbare Geldsummen aufgewendet, um den Wert dieser Marke aufzubauen. Ohne unser Marketingsystem müsste jeder, der unser Produkt zu duplizieren versucht, es teurer verkaufen. Warum sollte jemand z. B. ›Yum-Yum‹ kaufen, wenn er ›The Real Thing‹ überall auf der Welt billiger erstehen kann?«

Hier das »geheimnisvolle« Originalrezept des Dr. Pemberton aus Georgia, das sich am Ende liest wie die Ingredienzenliste eines orientalischen Damendufts:

1 Unze Zitrat-Koffein, 1 Unze Vanille-Extrakt, 2 ½ Unzen Essenzen, 4 Unzen Flüssigextrakt Coco, 3 Unzen Zitronensäure, 1 Quart Limonellensaft, 30 lbs Zucker, 2 ½ Gallonen Wasser, Karamell in ausreichender Menge. Koffeinsäure und Limonellensaft in 1 Quart kochendem Wasser mischen, Vanille und Essenzen zusetzen, sobald es abgekühlt ist. Essenzen: Orangenöl 80, Limonenöl 120, Muskatnussöl 40, Zimtöl 40, Korianderöl 20, Neroliöl 40, Alkohol 1 Quart. 24 Stunden ziehen lassen. (1 Unze = 28,35 g; 1 Quart = 1,136 Liter; 1 lb, d. i. Pound = 453,6 g; 1 Gallone = 3,78 Liter).

Den Flüssigextrakt aus Koka (»F. E. Coco«) bezog Pemberton übrigens von der Firma Merck in Darmstadt.

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