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Aus: Ausgabe vom 14.06.2022, Seite 1 / Ausland
Krieg in der Ukraine

Scholz soll Panzer mitbringen

Kiew legt Wunschliste vor Kanzlerbesuch offen: Waffen und Hilfspaket gefordert
Von Ina Sembdner
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Erhöhte Feuerkraft mittels NATO-Kriegsgerät: Französische »Caesar«-Haubitze im Dienst der Ukraine (8.6.2022)

Die Ukraine dringt weiter auf Waffenlieferungen in großem Umfang. Der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, erhöhte den Druck via dpa: »Ohne deutsche schwere Waffen wird es uns leider nicht gelingen, die gewaltige militärische Überlegenheit Russlands zu brechen und das Leben von Soldaten und Zivilisten zu retten.« Seit dem 3. Mai seien zwar sechs Millionen Schuss Munition angekommen, aber keine Waffen mehr, sagte Melnyk. »Daher hoffen wir, dass die Ampelregierung endlich auf das Gaspedal drückt, um sowohl den Umfang als auch das Tempo massiv zu erhöhen, damit die Ukraine die russische Großoffensive im Donbass abwehren kann.« Die Ukrainer erwarteten, dass Olaf Scholz bei seinem Besuch in Kiew ein neues Hilfspaket verkündet, das unbedingt »sofort lieferbare ›Leopard-1‹-Kampfpanzer sowie ›Marder‹-Schützenpanzer beinhalten soll«. Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat »Marder«- und »Leopard«-Panzer angeboten.

Michailo Podoljak, Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij konkretisierte die rhetorische Forderung via Twitter: Die ­Ukraine brauche 1.000 schwere Artilleriegeschütze (Haubitzen), 300 Mehrfachraketenwerfer, 500 Panzer, 2.000 gepanzerte Fahrzeuge und 1.000 Drohnen, um den Krieg gegen die russischen Angreifer zu gewinnen. Selenskij selbst forderte die Lieferung moderner Luftabwehrsysteme. »Wir werden so lange kämpfen, bis Russland verliert«, sagte Podoljak in einem am Montag bei der oppositionellen belarussischen Onlinezeitung Zerkalo erschienenen Interview. Das von Präsident Selenskij formulierte Minimalziel sei dabei weiter ein Rückzug der russischen Truppen auf die Linien vom 23. Februar. »Das Maximalziel: die territoriale Unversehrtheit in den international anerkannten Grenzen der Ukraine, eine Niederlage Russlands und dessen Transformation.«

Die in den nächsten Tagen erwartete Kiew-Reise von Scholz, Emmanuel Macron und Mario Draghi wurde auch am Montag von keiner der drei Regierungen offiziell bestätigt. Die italienische Zeitung La Stampa hatte berichtet, die drei Staats- und Regierungschefs würden am Donnerstag in der ukrainischen Hauptstadt erwartet.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (14. Juni 2022 um 11:49 Uhr)
    Dass Scholz nach Kiew reisen wird, gilt als so gut wie sicher. Das ist zumindest plausibel, denn auch der italienische Ministerpräsident Mario Draghi und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron wollen gemeinsam mit Scholz nach Kiew aufbrechen. Die drei Regierungschefs müssen etwas Schweres im Gepäck haben, es müssen nicht unbedingt Panzer sein, und etwas Gewichtiges verkünden wollen, denn alle drei brauchen dringend einen Erfolg! Warum sonst sollte Macron vor seiner Schicksalswahl am Sonntag die Reisestrapazen nach Kiew auf sich nehmen?
  • Leserbrief von Lothar Böling aus Düren (13. Juni 2022 um 21:04 Uhr)
    Selbstdarsteller Selenskij sollte besser Schutt räumen, damit dieser »Diener des Volkes« keinen Schaden mehr anrichten kann. Denn die Zerstörung des Landes ist bereits gewaltig. Wenn dieser Exkomiker noch Leben von Soldaten und Zivilisten retten will, so sollte er kapitulieren, damit das sinnlose Töten und die Zerstörung der Ukraine endlich ein Ende hat. Allein der Wiederaufbau wird Generationen dauern und mehr als 100 Milliarden Euro kosten. Damit aber nicht genug. Für einen Sieg über Russland benötige die Ukraine 1.000 Haubitzen, 300 Raketenwerfer, 500 Panzer, 2.000 gepanzerte Fahrzeuge und 1.000 Drohnen, heißt es da. Siehe tagesschau.de vom 13. Juni 2022: »Kiew: Brauchen Hunderte Panzer und Geschütze für einen Sieg« (https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-ukraine-montag-137.html#Geschuetze). Man sollte fast meinen, Weihnachten stehe vor der Tür und jeder könne sich was wünschen! Angesichts dieses irren Wunschzettels für Waffenlieferungen, ist der in Kiew regierende Größenwahn nun nicht mehr zu übersehen. Mit der NATO im Rücken, will Fernsehfeldherr Selenskij doch tatsächlich das größte Land der Erde, die Atommacht Russland, besiegen. Was für ein Schwachsinn! Das erinnert schwer an das großmäulige Hitlerdeutschland, welches die ganze Welt erobern wollte, ohne zu beachten, wie klein man ist. Und der Westen unterstützt diesen Größenwahn auch noch tatkräftig mit Milliarden an Steuergeldern. Von Vernunft weit und breit keine Spur. Vor einer EU-Mitgliedschaft der Ukraine kann man nur warnen.

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