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Aus: Ausgabe vom 07.06.2022, Seite 16 / Sport
Tennis

Nummer vierzehn

Am Sonntag endeten die diesjährigen French Open wie meistens mit einem Sieg von Rafael Nadal
Von Gabriel Kuhn
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»Rafael Nadal, Gott auf Erden. Seit er spielt, ist Roland Garros faktisch sein Besitz«, El País am Montag

Am Sonntag gingen die French Open in Paris zu Ende. Das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres hörte so auf, wie es seit 2005 so gut wie immer aufgehört hat: mit einem Sieg im Herrenfinale des mittlerweile 36jährigen Mallorquiners Rafael Nadal. Es war Nummer 14. Nur viermal konnte Nadal, seit er daran teilnimmt, das Turnier nicht gewinnen. Zuletzt im Vorjahr, als der Weltranglistenerste Novak Djokovic ihn im Halbfinale besiegte und dann den Titel holte. In diesem Jahr scheiterte Djokovic beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt im Viertelfinale. Sein Gegner: Rafael Nadal.

Im Halbfinale traf Nadal auf Alexander Zverev, der sich im Laufe des Turniers gesteigert hatte. In der zweiten Runde stand der Hamburger gegen den Argentinier Sebastian Baez noch am Rande einer Niederlage, bevor er trotz 0:2-Satzrückstands und Matchballs gegen sich noch gewann. Gegen Nadal verlor Zverev den ersten Satz denkbar knapp im Tiebreak, bevor er direkt vor einem weiteren Tiebreak im zweiten Satz mit dem Fuß umgeknickt war und mit einer, wie sich dann herausstellte, schweren Bänderverletzung bei 6:7, 6:6 aufgeben musste. Mit einem Turniersieg hätte Zverev als erster Deutscher seit mehr als 30 Jahren die Führung in der ATP-Weltrangliste übernehmen können. Die bisher einzige deutsche Nummer eins im ATP-Ranking, Boris Becker (bei den French Open selbst dreimaliger Halbfinalist), verfolgte das Spiel möglicherweise in seinem derzeitigen Domizil, dem Gefängnis Huntercombe in Oxfordshire.

Der Finalgegner von Nadal war der an acht gesetzte 23jährige Norweger Casper Ruud, der seit einigen Jahren in Nadals Tennisakademie auf Mallorca trainiert. Ruud, seit Montag Weltranglistensechster, hat nicht unbedingt den attraktivsten Spielstil auf der Tour. Der Bad Boy der Tennisszene, der Australier Nick Kyrgios, meinte einmal, er würde lieber Malerfarbe beim Trocknen zusehen als Ruud beim Tennisspielen.

Ruuds solide Grundschläge reichten in Paris in diesem Jahr jedoch aus, um unter anderen die dänische Nachwuchshoffnung Holger Rune und den erstaunlich stark aufspielenden Veteranen Marin Cilic aus Kroatien auszuschalten. Ruud behielt in den wichtigen Momenten die Ruhe. Etwa als der heißspornige Rune seine Mutter aus dem Stadion schmeißen ließ oder als im Spiel gegen Cilic eine Klimaschutzaktivistin aufs Spielfeld lief und sich ans Netz kettete. Auf ihrem T-Shirt stand: »Uns bleiben noch 1.028 Tage.« Anscheinend eine Anspielung auf einen vor kurzem veröffentlichten Klimabericht der Vereinten Nationen.

Das Finale gegen Nadal bot vergleichsweise wenig Aufregung. Ruud ging chancenlos mit 3:6, 3:6, 0:6 unter. Im zweiten Satz führte er mit Break kurz 3:1. Von den folgenden elf Games gewann er nicht ein einziges.

Einen Favoritensieg gab auch bei den Damen. Die 21jährige Polin Iga Swiatek, die bereits vor zwei Jahren in Paris gewann, gab sich keine Blöße. War Swiatek 2020 noch ungesetzt, ist sie seit dem überraschenden Rücktritt von Ashleigh Barty im März dieses Jahres die Nummer eins der WTA-Weltrangliste und seit nunmehr 35 Spielen in Folge ungeschlagen. In Paris kam Swiatek nur im Achtelfinale leicht ins Straucheln, als sie gegen die Chinesin Zheng Qinwen den ersten Satz im Tiebreak verlor. Danach ließ sie jedoch keine Zweifel mehr aufkommen und gewann die folgenden Sätze mit 6:0 und 6:2. Ähnlich deutlich, 6:1 und 6:3, endete das Finale gegen die erst 18jährige US-Amerikanerin Cori »Coco« Gauff.

Die verlor gemeinsam mit ihrer Landsfrau Jessica Pegula auch das Doppelfinale gegen die französische Paarung Caroline Garcia und Kristina Mladenovic. Garcia und Mladenovic hatten das Damendoppel in Paris bereits 2016 miteinander gewonnen, danach jedoch einige Jahre nicht zusammen gespielt. Nur eine Wildcard der Veranstalter ermöglichte ihnen diesmal die Teilnahme.

Im Herrendoppel kam es, anders als bei den Australian Open, nicht zu einem Sensationssieg. In Melbourne spielten die Lokalmatadore Nick Kyrgios und Thanasi Kokkinakis groß auf, obwohl keiner von ihnen als Doppelspezialist gilt. Da Kyrgios nicht gerne auf Sand spielt (»Sand macht mein Auto schmutzig«), traten die beiden in Paris gar nicht erst an. Es gewannen Jean-Julien Rojer aus Curaçao und Marcelo Arévalo aus El Salvador, die ersten zentralamerikanischen Grand-Slam-Gewinner. Mit seinen 40 Jahren bestätigte Rojer, dass im Doppel auch in höherem Alter noch alles möglich ist. Sogar 42 Jahre alt, graumeliert und mit deutlichem Bauchansatz ausgestattet ist der Publikumsliebling Rohan Bopanna aus Indien. Gemeinsam mit dem 38jährigen Niederländer Matwé Middelkoop musste er sich im Halbfinale Rojer und Arévalo nur ganz knapp geschlagen geben.

Im Mixed-Doppel, das praktisch nur noch bei den Grand-Slam- sowie den olympischen Tennisturnieren ausgetragen wird, siegten der Niederländer Wesley Koolhof und die Japanerin Ena Shibahara.

Nach der europäischen Sandplatzsaison kommt im Tennis traditionell der Rasen. Bei den 250ern in Stuttgart, ’s-Hertogenbosch und Nottingham wird bereits diese Woche auf Rasen aufgeschlagen. In der nächsten Woche folgen die 500er in Berlin, Halle/Westfalen, London (Queen’s Club) sowie das WTA 250 in Birmingham, danach noch Mallorca und Eastbourne, bevor dann am 27. Juni als Highlight der Rasenplatzsaison in Wimbledon die 135. Ausgabe der Championships des All England Lawn Tennis and Croquet Club beginnt, wobei man auch den 100. Geburtstag des Centre Court an seiner heutigen Stelle begehen wird (es war vor 100 Jahren, als man von der ­Worple Road in die Church Road zog).

Weltranglistenpunkte soll es dort in diesem Jahr allerdings keine geben. Grund dafür ist der Ausschluss russischer und belarussischer Spieler, den der Veranstalter (der AELTC) gegen den Willen der Profitennisorganisationen ATP (Herren) und WTA (Damen) durchsetzte. Nun werden diese ihrerseits durch Spieler unter Druck gesetzt, die wegen der fehlenden Aussichten auf Weltranglistenpunkte am Turnier gar nicht erst teilnehmen wollen. Die WTA zeigt sich angeblich verhandlungsbereit, den Spielerinnen zumindest die Hälfte der Weltranglistenpunkte zuzugestehen. Was die ATP davon hält, ist bisher nicht bekannt. Einfach ist in Zeiten wie diesen gar nichts mehr.

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