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Aus: Ausgabe vom 07.06.2022, Seite 1 / Titel
Krieg in der Ukraine

Angriff auf Infrastruktur

Moskau: In zerstörten Fabriken lagerte Militärtechnik der ukrainischen Armee. London will Raketenwerfer liefern. Plan zur Sicherung von Getreideexport
Von Reinhard Lauterbach
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Lager für Militärfahrzeuge? Zerstörtes Eisenbahnausbesserungswerk in Kiew (5.6.2022)

Russische und Lugansker Truppen haben inzwischen offenbar den größten Teil von Sewerodonezk im Westen der Oblast erobert und vorherige Verluste wiedergutgemacht. Der ukrainische Regionalgouverneur Sergij Gajdaj räumte am Montag ein, dass sich die Lage der Kiewer Truppen »etwas verschlechtert« habe. Aber noch kontrollierten sie das Industriegebiet der Stadt. Russland warf den ukrainischen Truppen vor, dort Chemikalientanks mit Sprengsätzen präpariert zu haben, um sie detonieren lassen zu können, würden sie zum Abzug gezwungen. Parallel dazu stießen russische Einheiten auf dem Westufer des Flusses Sewerskij Donez von Süden auf die Nachbarstadt Lissitschansk vor. Ein Angriff über den Fluss aus Sewerodonezk wäre nach Darstellung von Reportern vor Ort wegen der Geländebedingungen – Lissitschansk liegt auf dem hohen Ufer des Flusses – und der zerstörten Brücken schwierig.

Im übrigen legt Russland den Schwerpunkt seines Militäreinsatzes anscheinend wieder auf die Zerstörung von Infrastruktur- und Industrieobjekten im ukrainischen Hinterland. So wurde am Sonntag am Stadtrand von Kiew ein Eisenbahnausbesserungswerk getroffen und weitgehend zerstört. Russland behauptete, dort seien aus osteuropäischen NATO-Staaten gelieferte Panzer repariert und aufbewahrt worden. Von ukrainischer Seite veröffentlichte Fotos aus der Anlage zeigten nur herumstehende Waggons. Am Montag wurde nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums eine Metallfabrik in der Stadt Losowa im Bezirk Charkiw zerstört. Auch hier soll ukrainische Militärtechnik gewartet worden sein. Außerdem will Russland bei Odessa am Sonnabend ein ukrainisches Transportflugzeug abgeschossen haben, das Militärgüter aus dem NATO-Gebiet transportiert habe.

Unterdessen kündigte Großbritannien weitere Waffenlieferungen an die Ukraine an. Verteidigungsminister Ben Wallace versprach die Lieferung von Mehrfachraketenwerfern mit einer Reichweite von bis zu 80 Kilometern. Das ist mehr als die Reichweite der von den USA angekündigten »Himars«-Systeme. Diese können mit der einstweilen gelieferten Munition bis zu 70 Kilometer weit schießen.

Der russische Präsident Wladimir Putin reagierte darauf betont gelassen. Was bisher an geplanten Lieferungen bekannt sei, verändere das Kräfteverhältnis nicht qualitativ, sagte er am Sonnabend in einem Fernsehinterview. Russland habe genügend Raketenwerfer, um diese Lieferungen auszugleichen. Sollte der Westen allerdings weitreichendere Raketen an die Ukraine abgeben, behalte sich Russland vor, Schläge gegen bisher nicht angegriffene Ziele zu führen. Im übrigen verhinderten Bulgarien, Nordmazedonien und Montenegro durch die Sperrung ihres Luftraums, dass ein für das Wochenende geplanter Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow in Belgrad zustande kam.

Nach Berichten russischer Medien haben sich Moskau, Kiew und Ankara unterdessen auf Grundzüge eines Plans zum Export ukrainischen Getreides auf dem Seeweg geeinigt. Wie die Zeitung Iswestija am Montag unter Berufung auf »mit der Sache vertraute« Gesprächspartner schrieb, sollen türkische Soldaten die ukrainischen Küstengewässer von Minen räumen und Schiffe mit Getreide aus den ukrainischen Territorialgewässern eskortieren. Von dort bis zum Bosporus sollen dann russische Schiffe die Frachter begleiten. Ein Regierungssprecher der »Volksrepublik« Donezk warf der Ukraine derweil vor, im Hafen von Mariupol beim Rückzug selbst Getreidesilos in Brand gesteckt zu haben.

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