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Aus: Ausgabe vom 11.06.2022, Seite 8 / Ausland
Ankaras Invasionspläne

Bereit zur Abwehr

Drohungen der Türkei: Damaskus und Moskau verstärken Militärpräsenz in Nordsyrien. SDK wollen im Verteidigungsfall Kooperation
Von Karin Leukefeld
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Russische und syrische Truppen bei einer gemeinsamen Patrouillenfahrt nahe Manbidsch am 15. Oktober 2019

Um einen möglichen Angriff der türkischen Armee auf den Norden Syriens abzuwehren, haben syrische und russische Streitkräfte ihre Stützpunkte entlang der syrisch-türkischen Grenze verstärkt. Präsident Baschar Al-Assad erklärte am Donnerstag in einem Interview mit dem Sender RT, sein Land werde sich einem erneuten Angriff Ankaras entgegenstellen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow, der am Mittwoch mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Ankara zusammengetroffen war, warnte die Türkei vor einem Einmarsch, der die Situation in Syrien weiter verschlechtern würde. Moskau habe gleichwohl Verständnis für die türkischen Sicherheitsinteressen, man suche nach einer Lösung. Gleichzeitig wurden die Patrouillen der russischen Militärpolizei entlang der Grenze verstärkt. Am Flughafen von Kamischli wurden Flugabwehrgeschütze installiert, berichtete die Agentur TASS.

Die mehrheitlich kurdisch-arabischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK) zeigten sich bereit, die Verteidigung im Falle einer Aggression der Türkei mit syrischen und russischen Einheiten zu koordinieren. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters vom vergangenen Sonntag erklärte SDK-Kommandeur Mazlum Abdi, weitere Truppenverbände in den Norden des Landes zu schicken, sei nicht nötig. Zur Abwehr der Türkei würde es reichen, wenn die syrische Armee Flugabwehrgeschütze einsetze.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan droht seit Wochen mit einer erneuten Invasion in Syrien. Ziel sei es, die »Terroristen« entlang der Grenze zu vernichten, womit Ankara die kurdischen Volksverteidigungskräfte YPG und YPJ meint. Diese rechnet es der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu, die in der Türkei und in den NATO-Staaten als »Terrororganisation« verfolgt wird. Zwischen 2016 und 2020 hat Ankara bereits vier Militärinvasionen in Nordsyrien durchgeführt und konnte nördlich von Aleppo, zwischen den Orten Asas und Al-Bab, eine sogenannte Schutzzone durchsetzen. Weiter östlich gibt es eine weitere türkische »Einflusssphäre« von etwa 70 Kilometern zwischen dem Ort Ain Al-Arab (kurdisch: Kobani) und Tel Abjad (Gire Spi). Ziel einer erneuten Aggression soll der Ausbau des militärischen Einflusses rund um die Stadt Manbidsch und bei Tel Rifat ausbauen. Gerade in Tel Rifat leben viele aus Afrin vertriebene Kurden, die im Zuge der türkischen Besetzung 2018 fliehen mussten.

Fraglich ist, ob es Ankara mit einer fünften Invasion gelingen würde, seinen Einflussbereich weiter nach Syrien hinein auszudehnen. Sowohl der Iran, ein wichtiger Handelspartner der Türkei, als auch die US-Regierung haben Erdogan vor einer Invasion gewarnt. US-Außenminister Antony Blinken hatte bereits am 1. Juni erklärt, Washington unterstütze »den Erhalt der aktuellen Waffenstillstandslinien«. 900 US-Soldaten halten im Nordosten Syriens die Ölfelder besetzt.

Die russischen Streitkräfte verstärkten derweil demonstrativ gemeinsame Beobachtungsflüge mit der syrischen Luftwaffe sowohl in Nordsyrien als auch entlang der von Israel besetzten Golanhöhen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Israel eine türkische Invasion nutzen würde, um selbst seine Angriffe auf Damaskus zu verstärken. Erst am Montag waren fünf Personen bei einem Angriff auf den Flughafen der syrischen Hauptstadt getötet worden. Infolge einer weiteren israelischen Attacke in der Nacht zu Freitag musste der Flugverkehr vorübergehend eingestellt werden.

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