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Aus: Ausgabe vom 02.06.2022, Seite 2 / Ausland
Ukraine-Krieg

Neues Kriegsgerät für Kiew

Biden will Mehrfachraketenwerfer liefern und definiert US-Ziele
Von Reinhard Lauterbach
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Ein US-Soldat auf einem Himars-Mehrfachraketenwerfer bei einem Manöver im Bundesstaat Michigan (Juli 2019)

Die USA haben die Lieferung von Mehrfachraketenwerfern an die Ukraine angekündigt. US-Präsident Joseph Biden schrieb am Dienstag (Ortszeit) in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung New York Times, Ziel der USA sei es, die Ukraine für einen Sieg auf dem Gefechtsfeld und damit für eine bestmögliche Verhandlungsposition in künftigen Friedensgesprächen zu stärken. Allerdings präzisierte der US-Präsident, es gehe um Erfolge auf dem Schlachtfeld »in der Ukraine«. Eine Erweiterung des Krieges auf russisches Territorium strebe er ebensowenig an wie einen direkten Krieg mit Russland. Auch ein eventueller Sturz des russischen Präsidenten Wladimir Putin sei nicht sein Ziel, »so empörend ich sein Verhalten auch finde«.

Um westliche Bedenken gegen Lieferungen schwerer Waffensysteme zu zerstreuen, erklärte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij, sein Land werde solche Systeme nicht zu Schlägen gegen russisches Territorium nutzen. Gegenüber dem US-Fernsehsender Newsmax sagte Selenskij, die Russische Föderation interessiere die Ukraine nicht. Erstmals äußerte er sich zu den Verlusten: Die ukrainische Armee habe bis zu 100 Gefallene und etwa 500 Verletzte pro Tag zu beklagen.

Moskau warnte nach der Ankündigung Bidens vor einer direkten militärischen Konfrontation zwischen Russland und den USA. »Wenn das Liefern von Waffen fortgesetzt wird, zunimmt, verstärkt das das Risiko einer solchen Entwicklung«, sagte der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow am Mittwoch der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

In Moskau sagte der Sprecher des Präsidialamtes, Dmitri Peskow, um Zusagen wie denen Selenskijs zu glauben, sei ein Mindestmaß an Vertrauen erforderlich. Dieses Vertrauen habe Russland in die Ukraine aber nicht. Zur Frage, ob die Ukraine zu territorialen Zugeständnissen bereit sei, äußerte sich Selenskij in dem Interview widersprüchlich.

Im Donbass setzten die russischen Truppen ihren Vormarsch in den Ruinen der Stadt Sewerodonezk fort und haben ihre Positionen im Zentrum der Stadt gefestigt. Nach Angaben des ukrai­nischen Regionalgouverneurs Sergij Gajdaj kontrollieren sie inzwischen rund 70 Prozent des Stadtgebiets. 90 Prozent der Gebäude in der Stadt seien zerstört.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart ( 2. Juni 2022 um 11:28 Uhr)
    Im Oktober 2014 brüstete sich der damalige US-Vizepräsident Joseph Biden in einem Vortrag an der Harvard Kennedy School in Cambridge/Massachusetts mit den Worten: »Wir haben Putin vor die einfache Wahl gestellt: Respektieren Sie die Souveränität der Ukraine oder Sie werden sich zunehmenden den Konsequenzen gegenübersehen« (www.youtube.com/watch?v=JLO7uKVarB8). Seither hat in Dnjepr viel Wasser getragen durch die ukrainische Hauptstadt geführt, vieles hat sich verändert – außer die Ziele der USA. Es geht weiterhin darum, Russland zu ruinieren, wenn es sich nicht den westlichen Kapitalinteressen öffnet. Da sich der russische Präsident Wladimir Putin widersetzt, ist das nächste Ziel ein Regime-Change in Moskau. Darauf wurde und wird seither hingearbeitet. Auf den durch Waffenlieferungen in die Länge gezogenen Zermürbungskrieg und die Sanktionen wird eine massive Kapitalflucht aus Russland folgen, ein regelrechtes Einfrieren russischer Vermögenswerte und ausländischer Direktinvestitionen, der Rubel wird gegenüber dem Dollar auf einen historischen Tiefstand fallen, und die russische Wirtschaft wird am Rande einer tiefen Rezession stehen. Die USA und ihre »Zwangsverbündeten« werden alles unternehmen, um Russland zu strangulieren und Putin zu beseitigen. Joe Biden und seine Unterstützer haben aber noch lange nicht das selbst gesteckten Ziel erreicht. Wir müssen dringend darauf achten, dass wir dabei nicht auf der Strcke bleiben.

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