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Aus: Ausgabe vom 01.06.2022, Seite 2 / Ausland
Krieg in der Ukraine

Leichenfund im Stahlwerk

152 tote Ukrainer in Mariupol entdeckt. Kiew entlässt Politpersonal
Von Reinhard Lauterbach
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Zerstörte Einrichtungen des Asowstahlwerks in Mariupol (22.5.2022)

Russland hat das Auffinden von 152 toten ukrainischen Soldaten in den Kellern unter dem Stahlwerk von Mariupol gemeldet. Der Sprecher des Moskauer Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, sagte am Dienstag, die Leichen hätten sich in einem Kühlcontainer befunden und würden demnächst an die Ukraine übergeben. Unter den Toten hätten die Kämpfer des Asow-Regiments Sprengsätze angebracht, um die Bergungsarbeiten zu behindern.

In Sewerodonezk im Norden des Donbass steht nach ukrainischen Angaben inzwischen etwa die Hälfte der Stadt unter russischer Kontrolle. Regionalgouverneur Sergij Gajdaj sagte der britischen BBC, er schließe auch einen Abzug der verbliebenen ukrainischen Truppen in die Nachbarstadt Lissitschansk nicht mehr aus. Dieser dürfte aber ebenfalls verlustreich für die Ukrainer werden, weil von den drei Brücken, die beide Städte verbinden, inzwischen nur noch eine steht und Satellitenbildern zufolge auch so stark beschädigt ist, dass sie nur noch zu Fuß passiert werden kann.

Auf ukrainischer Seite löst die angespannte militärische Lage inzwischen Nervosität und hektische Personalentscheidungen aus. So berief Präsident Wolodimir Selenskij den Botschafter in Nigeria ab, weil er »die Anforderungen der Situation nicht verstanden« und sich »unangemessen für ein im Krieg befindliches Land verhalten« habe. Dasselbe traf den Regionalchef des Geheimdienstes SBU in Charkiw wegen »ineffizienter Arbeit«. Der revanchierte sich und verbreitete in den sozialen Medien, dass die kürzlich als spektakulärer Erfolg präsentierte Aktion ukrainischer Soldaten, einen Grenzpfahl wieder aufzustellen, eine »Inszenierung zugunsten des Präsidenten« gewesen sei. Bei der Aktion, die gar nicht an der Grenze stattgefunden habe, seien vier ukrainische Soldaten ums Leben gekommen und drei verletzt worden.

In Kiew beschloss die Regierungspartei »Diener des Volkes«, die Menschenrechtsbeauftragte Ljudmila Denisowa abzuberufen. In dem Abwahlantrag für das Parlament wird auch ihr »Ineffizienz« vorgeworfen: Sie habe sich darauf konzentriert, russischen Soldaten sexualisierte Gewalt an Kleinkindern vorzuwerfen, die sie anschließend nicht habe beweisen können. Dies habe dem Ansehen der Ukraine geschadet. Außerdem habe sich Denisowa seit Kriegsbeginn die meiste Zeit im Ausland aufgehalten.

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