75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 13. / 14. August 2022, Nr. 187
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 27.05.2022, Seite 1 / Kapital & Arbeit
Geld- und Sozialpolitik

Moskau auf Konsolidierungskurs

Russland: Zentralbank senkt Leitzins, Regierung erhöht Renten und Mindestlohn
Von Alexander Reich
imago0159893608h.jpg
»Spürbarer Rückgang der Inflationserwartungen«: Passanten vor der Zentralbank in Moskau (25.5.2022)

Der Rubel hat sich zuletzt deutlich erholt, liegt mittlerweile wieder auf Vorkriegsniveau. Und so verkündete die russische Zentralbank am Donnerstag eine weitere Senkung des Leitzinses um drei Prozentpunkte auf elf Prozent. »Der Inflationsdruck lässt aufgrund der Wechselkursdynamik des Rubels sowie des spürbaren Rückgangs der Inflationserwartungen von Haushalten und Unternehmen nach«, hieß es in einer Mitteilung. Es gebe Spielraum für weitere Lockerungen.

Ende Februar war der Leitzins um 10,5 Punkte auf 20 Prozent angehoben worden, um etwaigen Liquiditätsengpässen (durch massenhaftes Abheben von Ersparnissen), Abwertung und Inflation entgegenzuwirken. Zumindest die Stabilisierung der Währung gelang trotz stetig verschärfter Sanktionen des Westens. So konnte der Zins im März und April bereits wieder um je drei Punkte gesenkt werden.

Auch die Inflationsrate ist im Mai gesunken, allerdings von 17,8 Prozent im April auf immer noch 17,5 Prozent (Vergleiche zum Vorjahresmonat). So hoch lag sie seit 20 Jahren nicht. Zur Abmilderung der sozialen Härten dieser Entwertung kündigte Präsident Wladimir Putin am Mittwoch eine Erhöhung der Altersrenten um zehn Prozent zum 1. Juni an. Auch der Mindestlohn wird ab Juni um zehn Prozent angehoben, auf dann 15.279 Rubel (240 Euro). Finanzminister Anton Siluanow bezifferte die Belastungen des Staatshaushalts durch die Maßnahmen für dieses Jahr auf etwa 600 Milliarden Rubel (9,3 Milliarden Euro), für 2023 auf etwa eine Billion Rubel. Realeinkommensverluste können damit nur kompensiert werden, wenn die Inflationsraten deutlicher sinken.

Das Bruttoinlandsprodukt sieht die Zentralbank in diesem »schwierigen« Jahr um acht bis zehn Prozent schrumpfen. Für die Stützung des Bankensektors ist sie gerüstet. »Einige Banken werden eine Kapitalspritze benötigen«, sagte der stellvertretende Notenbankchef Dmitri Tulin am Mittwoch, »aber wir haben die Kapazität«. Insgesamt verfügten die russischen Geldhäuser über einen Kapitalpuffer von rund sieben Billionen Rubel (116 Milliarden Euro).

Sommerabo

Die Tageszeitung junge Welt ist 75 Jahre alt und feiert dies mit dem Sommeraktionsabo. Du kannst 75 Ausgaben für 75 Euro lesen und täglich gut recherchierte Analysen zu tagesaktuellen Themen erhalten. Schenke dir, deinen Freundinnen und Freunden, Genossinnen und Genossen oder Verwandten ein Aktionsabo und unterstütze konsequent linken Journalismus.

Mehr aus: Kapital & Arbeit