75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Donnerstag, 11. August 2022, Nr. 185
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 25.05.2022, Seite 8 / Ansichten

Dick aufgetragen

Quad-Gipfel in Tokio
Von Jörg Kronauer
sdfsfd.JPG
Washington setzt auf Bündnisse in Asien: US-Präsident Joseph Biden mit Indiens Premier Narendra Modi (Tokio, 24.5.22)

Steht nach der aktuellen NATO-Erweiterung in Europa nun der Asien-Pazifik-Region eine Quad-Erweiterung bevor? Spekulationen darüber begleiteten das Gipfeltreffen des gegen China gerichteten Viererpakts am Dienstag, zu dem sich die USA, Australien, Japan und Indien zusammengetan haben. Südkoreas neuer Präsident Yoon Suk Yeol hatte im Wahlkampf erklärt, er wolle die Kooperation mit dem Quad-Pakt systematisch ausbauen: Ein Schritt, der die Frontbildung gegen Beijing vorantreiben würde, im Kern nicht jener gegen Moskau unähnlich, die die NATO mit ihrer Expansionspolitik in Europa betrieben hat. Die Gefahr, die eine Quad-Ausdehnung unweigerlich mit sich brächte, liegt auf der Hand.

Nun haben US-Regierungsquellen in den vergangenen Tagen zwar bekräftigt, »aktuell« sei Südkoreas Beitritt zum Quad nicht geplant. »Aktuell« heißt aber: Das kann sich jederzeit ändern. Und auch sonst ist Washington bemüht, den Machtkampf gegen China in der Asien-Pazifik-Region nach Kräften zu forcieren. Auf dem Quad-Gipfel kündigten die Teilnehmer an, in den nächsten fünf Jahren 50 Milliarden US-Dollar für die Förderung der Infrastruktur am Indischen und am Pazifischen Ozean bereitzustellen – ein direkter Vorstoß gegen Chinas Neue Seidenstraße. Zuvor hatte US-Präsident Joseph Biden mitgeteilt, die USA und zwölf Staaten Asiens und der Pazifikregion arbeiteten an einem neuen Wirtschaftspakt, auch dies als Gegengewicht zur Volksrepublik. Bereits vor rund zehn Tagen waren die Staats- und Regierungschefs der ASEAN-Staaten erstmals seit Jahrzehnten zu einem Gipfel im Weißen Haus empfangen worden. Washington trägt in diesen Tagen dick auf.

Wozu? Nun, zum einen gewinnt Beijing immer weiter an Einfluss. Will Washington diesen stoppen, ist Eile angesagt. Zum anderen: Es ist gut 20 Jahre her, dass der damalige US-Präsident George W. Bush in Tokio ein »pazifisches Jahrhundert« der Vereinigten Staaten ausrief. Dann überfielen die USA den Irak, steckten auf Jahre im Mittleren Osten fest. Als Bushs Nachfolger Barack Obama endlich die Truppen heimholen und sich auf den Kampf gegen China konzentrieren wollte, eskalierte 2014 der Ukraine-Konflikt und band die Vereinigten Staaten wieder stärker in Europa. Genau dies geschieht zur Zeit erneut: Der Ukraine-Krieg kostet Washington zweistellige Milliardensummen, und auf absehbare Zeit sollen statt der bisherigen 60.000 mindestens 100.000 US-Soldaten in Europa stationiert werden. Damit wird das Potential, das die USA auf Asien fokussieren können, erneut geschwächt.

Daher die pompösen Ankündigungen auf dem Quad- und anderen Asien-Pazifik-Gipfeln. Das Getöse übersteigt allerdings den Gehalt: 50 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre sind nicht die Welt. Den neuen Wirtschaftspakt halten selbst US-freundliche Ökonomen für viel Lärm um wenig; vom US-ASEAN-Gipfel kehrte so mancher nicht wirklich zufrieden heim. Das macht die Sache nicht besser: Gerade absteigende Mächte, die ihren Einfluss schwinden sehen, sind gefährlich.

Sommerabo

Die Tageszeitung junge Welt ist 75 Jahre alt und feiert dies mit dem Sommeraktionsabo. Du kannst 75 Ausgaben für 75 Euro lesen und täglich gut recherchierte Analysen zu tagesaktuellen Themen erhalten. Schenke dir, deinen Freundinnen und Freunden, Genossinnen und Genossen oder Verwandten ein Aktionsabo und unterstütze konsequent linken Journalismus.

  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (25. Mai 2022 um 09:37 Uhr)
    Die USA bestreben sich derzeit ein dichtes Netz sicherheitspolitischer Allianzen im Indopazifik einzurichten. Dabei geht es eindeutig und erstrangig um China. Ein Quartett führender Demokratien, die sich jedenfalls selbst so bezeichnen, beabsichtigen im Indopazifik enger zusammenzuarbeiten. Die Quad-Allianz aus den USA, Japan, Australien und Indien hat auf ihrem Gipfel bekräftigt, einen Konflikt wie in der Ukraine in der Region unbedingt zu vermeiden. Der unausgesprochene Hintergrund ist Chinas wachsendes Machtstreben in der Region. Doch innerhalb der Quad-Gruppe ist die Sache durchaus verzwickt. Denn auch Indien verhält sich in dem Konflikt betont neutral. Neu-Delhi trägt die westlichen Sanktionen nicht mit und kaufte sogar massiv zusätzliches russisches Öl zu günstigen Preisen auf. Russland stieg im April zum viertgrößten Öllieferanten Indiens auf, Tendenz weiter steigend. Mehr Einigkeit herrscht da im Umgang mit China. Alle vier Staaten haben Probleme mit Chinas Machtstreben in der Region. Sowohl Indien als auch Japan haben territoriale Konflikte mit China: Indien im Himalaja, Japan im ostchinesischen Meer. Australien wiederum sorgt sich um Chinas zunehmenden Aktivitäten im Pazifik – vor allem angesichts eines Sicherheitsabkommens, das Beijing kürzlich mit den Salomonen-Inseln geschlossen hat. Biden startete auch ein neues Rahmenabkommen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Indopazifik-Raum namens IPEF, dem auch Japan, Australien, Indien und neun weitere Staaten angehören werden – nicht aber China. Beijing wirft Washington daher seit langem eine Eindämmungspolitik vor.

Ähnliche:

  • Wladimir Putin dringt auf vertragliche Zusicherungen, dass die N...
    08.01.2022

    Alle Wege zum Frieden führen über Moskau

    Ukraine-Konflikt: NATO berät zu geforderten Sicherheitsgarantien. USA booten Brüssel aus, führen Verhandlungen mit Russland
  • China wehrt sich angesichts der noch nicht lange zurückliegenden...
    08.07.2020

    Hauptfeind China

    Für die US-Regierung ist die Volksrepublik Gegner Nummer eins geworden. Jetzt sollen auch Bundesregierung und EU auf Sanktionskurs gebracht werden
  • Hegemoniale Außenpolitik: Beim Absingen der Nationalhy...
    23.03.2013

    Überlegenheit überall

    Hintergrund. Hegemonial- und Kriegsstrategien der USA. Teil I: Verschärfung nach dem Ende des Kalten Krieges gegen die Sowjetunion

Mehr aus: Ansichten