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Aus: Ausgabe vom 25.05.2022, Seite 2 / Ausland
BRD-Handel

»Zeitenwende« in Afrika

Scholz in Südafrika: Ramaphosa kritisiert Sanktionen gegen Russland. Engere wirtschaftliche Zusammenarbeit vereinbart
Von Raphaël Schmeller
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Bundeskanzler Olaf Scholz mit Südafrikas Staatschef Cyril Ramaphosa am Dienstag in Pretoria

Südafrikas Staatschef Cyril Ramaphosa hat bei einem Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Dienstag die Strafmaßnahmen des Westens gegen Russlands kritisiert. »Selbst jene Länder, die Zuschauer oder gar nicht Teil des Konflikts sind, werden unter den Sanktionen leiden«, sagte Ramaphosa bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Hauptstadt Pretoria. Scholz bekräftigte hingegen den Sanktionskurs des Westens gegen Moskau.

Bezüglich der wirtschaftlichen Kooperation herrschte mehr Übereinstimmung. Der Bundeskanzler betonte, die BRD wolle diese verstärken. Dabei warb er unter anderem für eine Erhöhung der Fördermengen von Öl und Gas, um den hohen Energiepreisen entgegenzuwirken. »Wir diskutieren jetzt mit all diesen Ländern, die Öl und Gas fördern, und versuchen, sie zu überzeugen, ihre Kapazitäten zu erhöhen, so dass dies dem Weltmarkt helfen würde«, sagte Scholz. Vor allem bei erneuerbaren Energien wolle man zusammenarbeiten, so der Bundeskanzler, aber gleichzeitig südafrikanische Kohle importiere, um sich von russischer Kohle zu lösen.

Ramaphosa sprach von einer neuen »strategischen Stufe« in der Zusammenarbeit vor allem im Energiesektor und bei der Ausbildung. Mit mehr als 600 deutschen Firmen sei die BRD bereits zweitwichtigster Handelspartner des G20-Landes Südafrika. »Wir wollen eines der Schlüsselländer für Wasserstofftechnologie werden«, kündigte Ramaphosa außerdem an.

Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft hatte die Bundesregierung aufgefordert, eine »Zeitenwende« in der »Afrika-Politik« einzuleiten. Das beinhalte, »dass die Bundesregierung unsere wirtschaftlichen Interessen in Afrika klarer anspricht«, so Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins, gegenüber Reuters am Dienstag.

Scholz hatte am Sonntag dem Senegal bei einem Besuch zugesagt, bei der Produktion von LNG-Gas zu helfen. Auch bei seinem Besuch am Montag im Niger ging es unter anderem um das Gasfeld Greater Tortue Ahmeyin, das sich Dakar und Niamey teilen. Um die Zusammenarbeit weiter zu intensivieren, hat der Bundeskanzler außerdem Südafrika und Senegal als Partnerländer zum G7-Gipfel in Elmau Ende Juni eingeladen. Mit dem Besuch in Südafrika endete die dreitägige Afrikareise des Bundeskanzlers.

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