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Hintergrund: Gas aus Senegal

Krieg, Russland-Sanktionen und Erdgas: Das waren die drei Hauptthemen des Besuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz in Senegal und in Niger. Ging es in Niamey insbesondere um den Krieg gegen die Dschihadisten im Sahel, so lag in Dakar der Fokus auf dem – offenbar gescheiterten – Versuch, die dortige Regierung gegen Russland in Stellung zu bringen. Darüber hinaus ging es vor allem um Gas.

Vor der Küste Senegals und des nördlich angrenzenden Mauretanien liegt das Erdgasfeld Greater Tortue Ahmeyim (GTA), das sich beide Länder teilen. Laut Angaben des Betreibers BP liegen dort mindestens 425 Milliarden Kubikmeter Erdgas – was nicht viel ist, aber immerhin. Zum Vergleich: Die BRD verbrauchte 2021 etwa 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas und fördert immer noch gut fünf Milliarden Kubikmeter.

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Das Erdgasfeld GTA, das Senegal von 2014 bis 2017 erkunden ließ, um anschließend die Förderung vorbereiten zu lassen, hat dem Land schon viel Ärger eingebracht – so etwa auf der Glasgower Klimakonferenz, auf der sich vor allem die Staaten Europas, auch Deutschland, dafür einsetzten, Erdgasprojekten zwecks Klimaschutz Steine in den Weg zu legen. Die Zeiten sind vorbei: Kanzler Scholz verhandelte mit Präsident Macky Sall über etwaige Lieferungen senegalesischen LNGs in die Bundesrepublik. Dafür muss sich Deutschland, das verlangt Dakar, an der kostspieligen Erschließung der Erdgasvorkommen beteiligen. Wirklich viel Erdgas wird Senegal freilich nicht liefern, zumal die ersten Exportmengen schon längst vergeben sind – Berichten zufolge an Käufer in Asien. Berlin bleibt freilich nichts anderes, als sich auch mal mit kleinen Mengen zufriedenzugeben: Der ungemein ehrgeizige Plan, in Zukunft auf rund 50 Milliarden Kubikmeter russischen Erdgases im Jahr zu verzichten, zwingt dazu. (jk)

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.05.2022, Seite 3, Schwerpunkt

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