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Aus: Ausgabe vom 19.05.2022, Seite 16 / Sport
Tennis

Ladet die Laserkanonen

Da ist Musik drin: Am Sonntag beginnen die French Open
Von Gabriel Kuhn
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»Wolle mer’n reinlasse?« Impfskeptiker Novak Djokovic darf in Paris mitspielen (15.5.2022)

Diese Woche läuft in Paris die Qualifikation für die diesjährigen French Open, das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres. Der Hauptwettbewerb beginnt am Sonntag. Das Turnier setzt diesmal ein Zeichen für Inklusion. Alle dürfen mitmachen, sogar Ungeimpfte und Russen. Der Weltranglistenerste Novak Djokovic verpasste nach einer zum weltpolitischen Ereignis aufgebauschten Farce die Australian Open im Januar, weil er keinen Covidimpfnachweis vorweisen konnte. Sein direkter Verfolger Daniil Medwedew wird das Turnier in Wimbledon im Juli verpassen, weil dort Sportler aus Russland und Belarus nicht willkommen sind.

Während Djokovic als Titelverteidiger in das Pariser Turnier einsteigt, sind die Aussichten für Medwedew alles andere als rosig. Erst einmal, 2021, überstand er die erste Runde. Die Generalprobe ging auch dieses Mal daneben. Beim bescheidenen 250er-Turnier in Genf unterlag er zum Auftakt dem französischen Altstar Richard Gasquet in zwei Sätzen. »Ich mag Sand nicht«, hatte Medwedew der versammelten Presse anlässlich des Masters-Turniers in Monte Carlo im vorigen Jahr erklärt.

Für Djokovic hingegen hätte die Generalprobe nicht besser laufen können. Er holte sich beim Masters in Rom letzte Woche den Titel. Mit seinem 38. Masters-Sieg setzte er sich in der ewigen Rangliste von seinem Dauerkonkurrenten Rafael Nadal (36 Siege) weiter ab. Im Pariser Ranking ist Djokovic freilich chancenlos. 13mal gewann dort Nadal, Djokovic genau zweimal.

Es ist fraglich, ob Nadal seinen Paris-Titeln in diesem Jahr einen weiteren hinzufügen kann. Aufgrund hartnäckiger Verletzungsprobleme ist nicht einmal sein Antreten gesichert. Eine gebrochene Rippe scheint auskuriert, doch nun macht dem Spanier sein Knie zu schaffen. Das wurde bei seiner Achtelfinal-Niederlage gegen den Kanadier Denis Shapovalov mehr als deutlich.

Gar nicht in Rom spielte der momentane Shooting-Star des Herrentennis, Nadals 19jähriger Landsmann Carlos Alcaraz. Ihn plagte nach dem Masters-Sieg in Madrid vor zwei Wochen eine Knöchelverletzung. Trotzdem gilt er in Paris als Mitfavorit. In Madrid schlug Alcaraz sowohl Nadal als auch Djokovic. Nur sehr wenigen Spielern gelang das in den letzten 15 Jahren in ein- und demselben Turnier.

Außenseiterchancen werden bei den Herren dem Vorjahrsfinalisten und Gewinner des Masters-Turniers in Monte Carlo Stefanos Tsitsipas eingeräumt. Es wäre eine große Überraschung, sollte ein anderer als die Genannten in Paris gewinnen.

Ausgeglichener ist das Feld bei den Damen. Und das seit vielen Jahren. Doch gibt es diesmal eine klare Favoritin. Seit die 21jährige Polin Iga Swiatek im April nach dem überraschenden Rücktritt von Ashleigh Barty die Führung in der WTA-Weltrangliste übernahm, gewann sie die Sandplatzturniere beim 500er in Stuttgart und dem Masters in Rom. Swiateks Stern ging vor zwei Jahren bei den French Open auf, als sie – 19jährig und auf Platz 54 der Weltrangliste – das Turnier sensationell gewann. Der bisherigen Sandplatzsaison zufolge sollte die Tunesierin Ons Jabeur, Sechste im WTA-Ranking, ihre größte Herausforderin sein. Doch bei den Damen weiß man nie. Auch die Vorjahressiegerin, die Tschechin Barbora Krejcikova, hatte niemand auf dem Zettel. Wie Swiatek 2021 ging Krejcikova als ungesetzte Spielerin ins Turnier.

Die ehemalige Nummer eins der Welt Naomi Osaka wird in Paris erwartet, obwohl auch sie das Masters in Rom wegen einer Verletzung ausließ. Ihr macht die Achillessehne Probleme. Im Vorjahr hatte Osaka mit der Weigerung, bei den French Open an Pressekonferenzen teilzunehmen, eine Debatte über psychische Gesundheit im Sport losgetreten. Diese blieb nicht ohne Folgen. Das Reglement rund um die Pressekonferenzen wurde inzwischen gelockert. Weniger Spieler werden vor die Mikrofone gerufen, und ein Moderator kann Fragen abblocken, vor allem, wenn sie wiederholt gestellt werden.

Während die Einzelturniere die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen, erfreuen sich auch die Doppelturniere neuer Beliebtheit. Wesentlich dafür verantwortlich war der völlig unerwartete Sieg des Langzeitverletzten Thanasi Kokkinakis und des Tennis-Enfant-terribles Nick Kyrgios bei den Australian Open. Das australische Duo schlug reihenweise Doppelspezialisten, obwohl sie, wie Kokkinakis meinte, »zwei Einzel nebeneinander« spielten. In Paris wird man die beiden jedoch nicht sehen. Kyrgios bleibt lieber zu Hause in Australien. Auch er mag Sand nicht. Bei seinem bisher letzten Antreten in Paris 2017 erklärte er, dass er kaum auf Sand trainiere, weil das sein Auto schmutzig mache.

Vielleicht kann der US-Amerikaner John Isner dem Doppelturnier Flair verleihen. Seit langem einer der besten Aufschläger im Einzelfeld, ist der mittlerweile 37jährige zunehmend im Doppel erfolgreich. In diesem Jahr erreichte er bereits mit drei verschiedenen Partnern das Finale eines Masters, ein Novum in der Geschichte der Herrenorganisation ATP. Isner gewann mit seinem Landsmann Jack Sock in Indian Wells und mit dem Polen Hubert Hurkacz in Miami. Vorige Woche unterlag er in Rom auf Sand mit dem Argentinier Diego Schwartzman im Finale knapp dem kroatischen Doppel Nikola Mektic/Mate Pavic. Ob bzw. mit wem Isner in Paris im Doppel antritt, hat der Zwei-Meter-Mann aus North Carolina noch nicht offenbart.

Deutsch gestimmte Tennisfans schauen bei den Herren auf Alexander Zverev und bei den Damen auf Angelique Kerber. Sollte Zverev seine Nerven im Zaum halten, ist ihm ein langer Lauf zuzutrauen. Im Vorjahr scheiterte er erst im Halbfinale an Tsitsipas, denkbar knapp in fünf Sätzen. Die frühere Nummer eins im Damentennis Angelique Kerber ist zwar auf Rang 22 der Weltrangliste abgerutscht, doch immer noch für Ausreißer nach oben gut. Ihr letztes Spiel bei den French Open gewann Kerber allerdings 2018. Im Herren-Doppel könnten Kevin Krawietz und Andreas Mies aufzeigen. Die French-Open-Sieger von 2019 und 2020 sind seit wenigen Monaten wieder vereint. Angesichts der langen Verletzungspause von Mies wäre ein weiterer Titel jedoch eine Sensation.

Neues gibt es bei den French Open hinter den Kulissen. Mit Amélie Mauresmo, auch sie ehemalige Nummer eins im Damentennis, gibt es erstmals in der Geschichte eine Turnierdirektorin. Mit Musikeinlagen und Lasershows will sie die Abendspiele attraktiver machen. Nun ja. Man will dem Publikum etwas bieten. Auch Spannung im fünften Satz. Erstmals wird heuer auch bei den French Open der letzte Satz bei 6:6 in einem Match-Tiebreak bis 10 entschieden. Die Regel kommt von jetzt an bei allen Grand-Slam-Turnieren zur Anwendung. Die French Open waren das letzte Grand-Slam-Turnier, in dem zum Gewinn des fünften Satzes ein Unterschied von zwei Games notwendig war.

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