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Aus: Ausgabe vom 17.05.2022, Seite 1 / Inland
Coronamaßnahmen

Chinas Industrieproduktion eingebrochen

Null-Covid-Strategie bremst zweitgrößte Volkswirtschaft. Beijing bleibt dennoch optimistisch
Von Susanne Knütter
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Aus einem viertägigen Lockdown wurden bisher sechs Wochen: Shanghai (16.4.2022)

Die Beschränkungen durch die Null-Covid-Strategie in China bremsen die zweitgrößte Volkswirtschaft stärker als erwartet. Die Industrieproduktion fiel im April überraschend um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt am Montag in Beijing berichtete. Auch die Einzelhandelsumsätze brachen deutlicher als vorhergesagt ein, und zwar um 11,1 Prozent. »Es sind die schlimmsten Daten seit März 2020«, sagte der Vorsitzende der EU-Handelskammer, Jörg Wuttke, mit Blick auf den Beginn der Pandemie.

War China knapp zwei Jahre lang recht gut durch die Pandemie gekommen, stellt die Ankunft der sich schnell verbreitenden Omikron-Variante die Null-Covid-Strategie auf eine Probe. Aus einem viertägigen Lockdown mit Ausgangssperren im 26 Millionen Menschen zählenden Wirtschafts- und Finanzzentrum Shanghai wurden bisher sechs Wochen. Millionen steckten auch in anderen Metropolen in ihren Wohnungen fest. In Beijing sind zahlreiche Nachbarschaften abgeriegelt. Die meisten Geschäfte und viele U-Bahnhöfe der Hauptstadt sind geschlossen. Millionen müssen im Homeoffice arbeiten. Wie Vertreter der EU-Handelskammer berichteten, ist der Transport im Land stark zurückgegangen. Güterverkehr zwischen Städten sei schwierig. Betriebe müssten ihre Produktion aussetzen oder reduzieren. Lieferketten seien unterbrochen. Nach Angaben von Experten bekommt auch Deutschland die Lieferengpässe über höhere Preise zu spüren.

Der Sprecher des Statistikamtes, Fu Linghui, ist dennoch optimistisch: »Der Covidausbruch im April hatte große Auswirkungen auf die Wirtschaft, aber die Folgen werden kurzfristig sein«, erklärte er am Montag vor der Presse in Beijing. Die guten langfristigen Grundlagen der chinesischen Wirtschaft seien unverändert. Wenn die Covidmaßnahmen Fortschritte machten und die Politik zur Stabilisierung der Wirtschaft ihre Wirkung zeige, sei zu erwarten, dass sich die Konjunktur wieder schrittweise erhole. Ob das Wachstumsziel der chinesischen Regierung von 5,5 Prozent aber noch erreicht werden kann, ist unsicher.

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