Gegründet 1947 Freitag, 27. Mai 2022, Nr. 121
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Aus: Ausgabe vom 14.05.2022, Seite 12 / Aktion
#Keinmarxistillegal

Meinung noch frei?

Wie die Polizei am 8./9. Mai für eine Kriegspartei wirkt
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Leider keine Weiterbildung: Polizisten kontrollieren jW-Inhalte am 8. Mai in Berlin

Das Interesse an der Tageszeitung junge Welt wächst. Das zeigen aktuelle Zahlen bei  Internetzugriffen, Print- wie Onlineabobestellungen, aber auch die deutlich steigenden Kioskverkäufe. Spannend ist, dass die junge Welt immer öfter von Menschen gekauft wird, die sich nicht unbedingt als Linke verstehen – aber an einer kritischen, journalistisch umfassenden Berichterstattung interessiert sind, die sie in den herkömmlichen bürgerlichen Medien immer weniger finden. Zur Zeit fungieren diese eher als verlängerte Pressestellen der deutschen oder ­ukrainischen Kriegspartei.

Politiker, Medien, Kulturschaffende und Wissenschaftler, die vor einer Verlängerung und Ausweitung des Krieges durch Waffenlieferungen warnen, werden dort angeprangert, ignoriert oder gar in ihrer Arbeit behindert, auch die junge Welt: So hat der Sender RBB einen antimilitaristischen Radiospot verboten. Selbst das Zeigen der jW-Ausgabe vom Montag im Rahmen der Gedenkfeiern zum Sieg über den deutschen Faschismus am 9. Mai wurde von  Polizisten untersagt – weil auf der Titelseite drei Sowjetfahnen zu sehen waren, von denen eine vor 77 Jahren von den Befreiern auf dem Reichstagsgebäude in Berlin gehisst wurde. jW-Mitarbeitende beobachteten in Berlin, dass selbst einfache rote Fahnen, ein roter Stern auf der Mütze, das Spielen eines russischen Volksliedes auf einer Balalaika, das Tragen eines T-Shirts, auf dem der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin zu sehen war oder das Transparent mit der Aufschrift »Dank Euch, Soldaten der Antihitlerkoalition. Nieder mit der Bundeswehr und ihren Auftraggebern« des Vereins Unentdecktes Land zu polizeilichen Maßnahmen führten.

Eine Ausstellung, die auf »Verbrechen des UdSSR-Regimes« aufmerksam machen wollte, blieb hingegen unbehelligt. Wer Kriege führt, schränkt eben an der Heimatfront freie Meinungsäußerung ein – sobald diese nicht die Auffassungen der Herrschenden spiegeln. Auch deshalb ist es geboten, dass die Zahl der jW-Abos und Kioskverkäufe weiter kräftig steigt! Bitte nutzen Sie den nebenstehenden Coupon.

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  • Leserbrief von Ulrich Guhl aus Strausberg (14. Mai 2022 um 02:38 Uhr)
    Ich freue mich sehr, dass die jW mit steigenden Zeitungsverkäufen und Zugriffen im Internet konfrontiert ist. Das ist ein gutes Zeichen. Man erkennt daran,dass sich der menschliche Geist am Ende doch gegen Verdummung, Lüge und Gehirnwäsche zur Wehr setzt. Es ist Teil unserer menschlichen Natur nach der Wahrheit zu streben und wenn die Unwahrheit zu penetrant und offensichtlich auf uns niederprasselt, wehren wir uns dagegen.Zur Zeit spüre ich, dass die mediale Propagandamaschine der Herrschenden einfach übertreibt und dass sich immer mehr Menschen angewidert abwenden. Hier aber setzt auch meine Kritik an die jW ein: Manchmal ist es nicht einfach, nicht in eine tiefe Depression zu verfallen, wenn man Eure Überschriften liest. Immer nur zu lesen, dass die Kriegsgefahr steigt, das Rüstungsgeschäft brummt, die Armut wächst, das Klima kippt und die Repressionen des Staates zunehmen, ist auf die Dauer ein wenig entmutigend. Macht doch den Menschen auch mal Mut! Ich weiß, dass das nicht einfach ist. Aber wenn wir derzeit erleben, dass der Staat Angst vor roten Fahnen hat und sich sogar vor Buchstaben fürchtet, dann bedeutet das doch auch, dass dieses System vor uns Menschen – diese verachteten und erniedrigten Wesen – Angst hat! Es bedeutet, dass wir stark sind, auch wenn man uns ständig das Gegenteil einreden will. Offenbar sind sich die Herrschenden mehr der Stärke des Volkes bewusst wie das Volk selbst. Einer der häufigsten Sätze, die man von Menschen hierzulande hört, ist der Satz »Man kann ja doch nichts tun«. Angesichts der Kriegstreiberei ist diese Haltung lebensgefährlich! Wir brauchen Mut! Auch ich! Man kann etwas verändern und es mangelt der Bevölkerung eindeutig daran, sich der eigenen Kraft bewusst zu sein. Ihr solltet nicht nur die Zustände im Land beschreiben, sondern auch gegen die Ohnmacht anschreiben!

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