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Aus: Ausgabe vom 14.05.2022, Seite 11 / Feuilleton
Tagebuch – In dieser großen Zeit

Panzerabwehrleberwürste und andere schwere Waffeln

Von Pierre Deason-Tomory
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Ein Fall für Friedrich Merz

Sonntag, 1. Mai

Ich saß um zehn im Kaffeehaus in der Schillerstraße und wartete auf die Pfeifen. Als ich sie hörte, ging ich hinaus und stand dem Spielmannszug Spalier. Sieben Kollegen trugen das Transparent voran, es folgten die Musikanten und hintendrein lässig ausschreitend vier Gesellinnen und Gesellen vom Schacht »Axt und Kelle«. Die werktätige Masse Weimars fehlte, hat keine Lust auf den Umzug; am 1. Mai ist immer groß Flohmarkt in der Stadt. Beim Vorbeimarsch winkten mir, dem Davongelaufenen, drei Transparentträger: eine Kollegin von Verdi, ein Kollege von den Stadtwerken und ein Genosse von der Linken. Da wurde es mir warm ums Herz. Ich bezahlte und lief rüber zum Marktplatz. Sie bauten noch Tische und Bänke auf, Kuchentabletts wurden herbeigetragen, der Spielmannszug löschte am Bierwagen seinen Durst. Ich wusste nicht, zu wem ich mich gesellen sollte, ob zu meinen alten Genossen von der SPD oder zu meinen alten Genossen von der Linken. Wie auf einer Party, auf der du lauter Exfreundinnen triffst. Vorhin sah ich im Telefon, wie der frischgeborene Kriegskanzler auf einer Kundgebung von den Arbeitern ausgepfiffen wurde. Wieder wurde es mir warm ums Herz.

Freitag, 6. Mai

Das Geschehen der vergangenen Woche kurz zusammengefasst: Gezerre um keinen Besuch von Bundeskanzler Scholz in der Ukraine, es wurde mit beleidigten Leberwürsten geworfen. Unser indolentes Staatsoberhaupt FWS darf nun doch kommen, sagte Selenskij. Die Visite des Fototouristen Friedrich Merz hat die Gastgeber schwer enttäuscht. Seine Visitation beim Zoll ergab: Er hat keine schweren Waffen im Gepäck, aber schwer einen an der Waffel.

Samstag, 7. Mai

Der nagelneue CSU-Generalsekretär Mayer (!) musste gestern nach wenigen Wochen zurücktreten, weil er einen Journalisten bedroht haben soll. Sein Nachfolger Huber (!) wird den Job auch nicht lange machen. Er soll bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben, wurde heute gemeldet, und dürfte also bald zum Ministerpräsidenten befördert werden. Wenn die Bayern so dumm sind wie die Wähler der Giffey, der (Volksentscheide) negierenden Bürgermeisterin von Berlin. Dass sie es sind, dafür gibt es Hinweise in einem Land, in dem alle Mayer oder Huber heißen.

Dienstag, 10. Mai

Im Bayerischen Landtag untersucht ein Untersuchungsausschuss die Maskenaffäre der CSU. Die Gerold-Tandler-Tochter Andrea hat offenbar mit Hilfe der Strauß-Tochter Monika Hohlmeier 50 Millionen eingesackt. Ein Fall für Nancy Faeser? Die Bundesinnenministerin hat am Wochenende angekündigt, hart gegen kriminelle Clans vorzugehen. Und die CSU ist so eine Familie, die einen Staat im Staate bildet, lügt, betrügt, Journalisten bedroht, einer obskuren Religion angehört und merkwürdiges Deutsch spricht. Leider kann man diesen Clan nirgendwohin abschieben, außer ins Europaparlament. Und das hilft auch nicht. Ebendort sitzt die Hohlmeierin gerade zum dritten Mal fünf Jahre ab – als Mitglied im Ausschuss gegen organisiertes Verbrechen, Korruption und Geldwäsche. Kannste dir nicht ausdenken.

Freitag, 13. Mai

Wir werden gegen Mittag Tims fabelhafte Mutter beisetzen. Im Anschluss werden wir tun, was Ellen an unserer Stelle tun würde: in die Bar gehen, in die sie gerne mit Getöse hereinkam, um sie erst spät, aber kerzengerade wieder zu verlassen. Es ist zu schade, dass sie heute nicht kommen kann.

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