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Aus: Ausgabe vom 14.05.2022, Seite 9 / Ausland
35. »Press Secretary«

Weißes Haus macht auf progressiv

US-Präsident Biden hat mit Karine Jean-Pierre eine neue Chefsprecherin
Von Knut Mellenthin
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Die 47jährige Karine Jean-Pierre (l.) und ihre Vorgängerin Jennifer Psaki am Donnerstag im Weißen Haus

Seit Freitag hat US-Präsident Joseph Biden eine neue Chefsprecherin. Die offizielle Amtsbezeichnung ist »White House Press Secretary« und ist verbunden mit dem weiteren Titel »Assistant to the President«. Die 47jährige Karine Jean-Pierre hat die Nachfolge von Jennifer Psaki angetreten, deren Erste Stellvertreterin sie seit Beginn von Bidens Präsidentschaft im Januar vorigen Jahres war. Sie ist die 35. Amtsinhaberin, seit die Stelle des »Press Secretary« 1929 geschaffen wurde.

In den Medien wird hervorgehoben, dass Jean-Pierre nicht nur die erste Afroamerikanerin auf dem Posten ist, sondern auch die erste »offen lesbisch lebende« Frau. Diese Premiere war auch schon breit erwähnt worden, als sie am 26. Mai 2021 erstmals an Stelle von Psaki eine Pressekonferenz geleitet hatte. Der Sachverhalt ist unter demokratischen Präsidenten seit der Amtszeit von Barack Obama (Januar 2009 bis Januar 2017) anerkannt normal und löst keine öffentlichen Diskussionen mehr aus. Eher beanstanden Berufslästerer vom rechten Flügel der Republikaner, dass die Frau, mit der Jean-Pierre zusammenlebt, Journalistin ist, als könnte sich daraus ein Interessenkonflikt ergeben. Der Vorwurf ist absurd, da es seit Jahren üblich ist, dass Sprecherinnen und Sprecher der meisten Regierungsstellen – mit der vermutlich einzigen Ausnahme des Pentagon – häufig zwischen staatlichen Ämtern und journalistischen Beschäftigungsverhältnissen hin und her wechseln.

Der familiäre Hintergrund der neuen »Press Secretary« ist für Trägerinnen und Träger dieses Titels außergewöhnlich, aber in den USA eben nicht unmöglich, wie die dortigen Medien mit bescheidenem Stolz betonen. Jean-Pierre, auf der zu Frankreich gehörenden Karibikinsel Martinique geboren und seit dem fünften Lebensjahr in New York aufgewachsen, ist eine Tochter haitianischer Eltern. Der Vater arbeitete als Taxifahrer, die Mutter als häusliche Krankenpflegerin.

Ungewöhnlich ist für ihr neues Amt auch Jean-Pierres offenes politisches Engagement auf dem linken Flügel der demokratischen Partei. Zwischen April 2016 und ungefähr Ende 2018 war sie nationale Sprecherin der mehrere hunderttausend Aktivisten zählenden Organisation »Move On«. Diese leistet, insgesamt nicht zur Unzufriedenheit der Parteiführung, eine kritische, wenn auch loyale Mobilisierungstätigkeit für die Demokraten, die besonders in Wahlkampagnen zum Tragen kommt.

Republikanische und rechtszionistische Kritiker wärmen vor dem Hintergrund ihrer aktuellen Beförderung wieder einmal auf, dass Jean-Pierre 2019 in einem Meinungsartikel für die Zeitschrift Newsweek die Pro-Israel-Lobby AIPAC als »schwer rassistisch und islamophob« bezeichnet hatte. In diesem Zusammenhang hatte sie die Präsidentschaftsbewerber der Demokraten aufgefordert, den Jahreskongress des AIPC – ein »Muss« für alle Karrieristen – zu boykottieren.

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