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Aus: Ausgabe vom 14.05.2022, Seite 6 / Ansichten

Heldenmacher des Tages: ARD-Tagesthemen

Von Klaus Fischer
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Von A wie Asow bis Z wie Zamperoni: Der Spagat der propagandistischen Kriegsfront ist kaum auszuhalten

Ilja Samojlenko ist ein Held. Mutig trotzt er Putin, verteidigt mit Kameraden das »Asow«-Stahlwerk in Mariupol gegen russische Aggressoren. Ein aussichtsloser Kampf. Die Anlage ist umstellt, ein Entsatz durch ukrainische Truppen nicht in Sicht. Aber das ist egal.

Samojlenko sagt: »Wir können uns den Russen nicht ergeben, denn das würde für uns den unmittelbaren Tod bedeuten.« Und sieht es sportlich: »Mein Leben bedeutet nichts. Die nationale Sicherheit ist das, worauf es ankommt.« So selbstlos. Zumindest versuchen uns das die ARD-»Tagesthemen« am Donnerstag nahezulegen.

Wenn es gegen die Russen geht, sind Sympathien für einen »Offizier« der »Asow«-Söldner kein Problem. Weshalb auch? Die Verwendung von Zivilisten als lebende Schutzschilde – eine Notmaßnahme. Nazisymbole – egal. Wer mag die ganze Zeit verhindert haben, dass »festsitzende« Zivilisten über »humanitäre Korridore« in Sicherheit gelangen können? Was machen »Asow«-Söldner mit gefangenen russischen Soldaten? Waren es nicht solche Helden, die 2014 in Odessa das Gewerkschaftshaus blockiert und angezündet hatten? 48 Menschen wurden verbrannt – Wikipedia nennt das dezent »Ausschreitungen«.

Alles vergeben. Denn nicht nur die Russenfresser von »Asow« fighten mit aller Kraft. Auch die deutschen Mainstreammedien stehen an der vordersten propagandistischen Kriegsfront gegen den Feind im Osten. Endlich darf es ohne Zögern gegen die Russen gehen. Und hiesige »Spitzenpolitiker« verkünden: Die Ukraine wird den Krieg gewinnen. Wir sanktionieren euch kaputt. Für immer.

Ja, es ist eine Farce. Aber wer merkt das noch? Bleibt allenfalls der Verweis auf die Geschichte: Wer seit Napoleon auf Russland gesetzt hat, lag letztlich immer richtig.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Holger L. (13. Mai 2022 um 23:36 Uhr)
    »Endlich darf es ohne Zögern gegen die Russen gehen.« Wo geht es gegen die Russen? Darf ich darauf mit einem Zitat vom UN-Generalsekretär antworten? »Zumindest ist doch wohl nicht abzustreiten, dass gegenwärtig keine ukrainischen Soldaten auf russischem Boden stehen, sondern nur russische auf ukrainischem.« – Das musste selbst Lawrow kleinlaut eingestehen.

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