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Aus: Ausgabe vom 13.05.2022, Seite 16 / Sport
Beim Fananwalt

Ein Konstrukt aus Leipzig

Von René Lau
Der Fananwalt_Logo ONLINE.jpg

Der Fußball bringt sportliche Überraschungen mit sich, weshalb wir ihn alle so lieben. Beim bevorstehenden Pokalfinale duellieren sich in dieser Saison der SC Freiburg und ein Verein namens Rasenball Leipzig, wobei das Wortungetüm Rasenball nur verwandt wurde, da in unserem Land die Namen von Sponsoren oder sonstigen Firmen nicht im Vereinsnamen auftauchen dürfen. Jeder weiß, dass RB tatsächlich nicht für Rasenball steht, sondern für das Dosengetränk aus Fuschl am See. In Leipzig schickt sich dieses Konstrukt seit 2009 an, die Fußballwelt zu erobern. Mit dem Meistertitel hierzulande hat es noch nicht geklappt, aber im Pokalfinale ist man jetzt das dritte Mal. Mit dem Pokalsieg war es aber auch noch nichts, so dass der Milliardär ­Dietrich M. weiterhin in eine leere Vitrine schaut.

Wie bei großen Finals nicht unüblich, werden Schals und allerlei Fanartikel mit den Namen und Logos der Finalisten unters Fanvolk gebracht. Nicht so in diesem Jahr. Der SC Freiburg hat dem Endspielgegner untersagt, das Logo der Breisgauer zu verwenden, wird sich auch an nichts beteiligen, bei dem das eigene Logo zusammen mit dem der Bullen zu sehen wäre.

Die ganze Republik jubelt ob der standhaften moralischen Aussage des SC Freiburg. Die ganze Republik? Nein, denn ein gewisser Herr Mintzlaff, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender in Leipzig, spricht in einer sonntäglichen Talkshow von mangelndem Respekt der Freiburger gegenüber seinem Arbeitgeber. Außerdem bezeichnet er erstaunlicherweise RB Leipzig als »sehr transparenten Verein«. Bei solchen Ausführungen fragt sich der gemeine Fan, ob er wütend dagegenhalten oder sich vor Lachen auf die Schenkel klopfen soll.

Respekt und Transparenz sind also die Schlagwörter. Wo war denn eigentlich 2009 der Respekt von RB Leipzig gegenüber all den anderen Mannschaften in den Niederungen des sächsischen Fußballs, als man in der Oberliga mit einem gekauften Startrecht den Spielbetrieb aufnahm? Nicht in der Kreisliga ist man gestartet, sondern immerhin schon mal in der fünften Liga. Und wo ist die Transparenz dieses Konstruktes, wenn es um das Offenlegen der eigenen Vereinsstrukturen geht? Weder die Vereinssatzung noch Regularien zu einer Vereinsmitgliedschaft sind auf der Homepage zu finden. Transparenz sieht anders aus. Und wenn auch formal »50 plus eins« eingehalten wird, haben sich die Urväter dieser Regelung es sicherlich doch anders vorgestellt, als es in Leipzig praktiziert wird.

Nein, dieses Konstrukt wird nie ein normaler Verein sein. Und in Leipzig muss man es aushalten, wenn dies durch Fans immer wieder betont wird oder eben Vereine ihr eigenes Logo nicht neben dem aus Leipzig sehen wollen.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

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