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Aus: Ausgabe vom 13.05.2022, Seite 8 / Inland
Verkehrswende

»Der Konzern will Stadt nach seinen Vorstellungen gestalten«

München: Neue Autobahnanbindung für BMW-Werk geplant. Nötig wären besserer ÖPNV und Fahrradwege. Ein Gespräch mit Christine Trompka
Interview: Henning von Stoltzenberg
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Blick auf das BMW-Werk in München (17.8.2010)

Zur Anbindung des BMW-Werks im Norden von München an die A 99 soll eine neue Trasse durch den Stadtteil Hasenbergl gebaut werden. Woher kommt dieser Plan?

In München haben BMW, Autobahnanschlüsse und schlechte Entscheidungen eine lange Geschichte. Der Konzern spült sehr viel Geld in die Gewerbesteuerkasse und geht davon aus, dafür eben auch die Stadt nach seinen Vorstellungen mitgestalten zu dürfen. Das ist jetzt einfach ein neuer Coup, den eigenen Ingenieurinnen und Ingenieuren zu ermöglichen, möglichst schnell zum Forschungs- und Innovationszentrum zu gelangen, welches BMW ausbauen will.

Irgendwie müssen die Beschäftigten doch bislang zum Werk gekommen sein.

Die kommen auch jetzt schon da hin. Es gibt ja sehr gute Anschlüsse und extra U-Bahn-Stationen ebenso wie einen Zubringer. Aber anstatt an Mobilität mit ÖPNV und Fahrradschnellwegen zu denken, soll einfach eine Straße gebaut werden. Offensichtlich geht man bei BMW davon aus, dass die eigenen Mitarbeiter nicht in der Lage sind, den ÖPNV zu nutzen. Dabei ist es komplett anachronistisch, im Jahr 2022 neue Straßenprojekte, die mehr als eine Milliarde Euro kosten sollen, zu planen und zu bauen. Die Stadt München hat beschlossen, dass fünfzig Prozent des Autoverkehrs reduziert werden sollen, daher ergibt das überhaupt keinen Sinn.

Was für ein Viertel ist das Hasenbergl?

Dort leben zum größten Teil Menschen, die nicht sehr viel Geld verdienen oder chronisch krank sind. Es gibt dort zahlreiche Sozialwohnungen und wenig Platz. Die Wohnungen sind in der Regel klein, die Mieten immer noch viel zu hoch, aber niedriger als in anderen Stadtteilen. Und es wohnen dort sehr viele Kinder. Es gibt sehr wenig Infrastruktur, zum Beispiel fast keine Fahrradwege, und mit Blick auf den ÖPNV wurde das Hasenbergl ziemlich vernachlässigt. Durch das Viertel zieht sich eine Grünfläche, die für den Straßenbau vernichtet werden soll.

Als wir gehört haben, dass das Projekt fortgeführt werden soll, haben wir eine Kampagne gestartet mit Plakaten, Flyern und vielen Gesprächen im Hasenbergl. Sehr viele sind auf unserer Seite und wünschen sich bessere Mobilität, aber keinen Ausbau der Straßen, weil sie selbst eben kein Auto besitzen.

Was wären sinnvolle Alternativen?

Ein enormer Ausbau der Fahrradinfrastruktur, im Münchner Norden haben wir fast keine. Es wäre sehr wichtig, Straßen zu sperren und zu Fahrradstraßen umzuwidmen. Da ist das Mobilitätsreferat auch dran, allerdings sind die wahnsinnig langsam. Wir fordern einen kostenlosen ÖPNV, damit besonders Menschen wie im Hasenbergl, die sich gar kein Auto leisten können, mobil sein können. Zudem fehlt es an Bushaltestellen. Und seit Jahrzehnten streiten wir dafür, dass der Nordring, eine Güterverkehrsstrecke der Deutschen Bahn, für den Personennahverkehr freigegeben wird.

Sind die genauen Pläne zum Straßenausbau schon bekannt?

Bis vor wenigen Wochen hieß es, die Pläne seien ad acta gelegt. Es wurde im Koalitionsvertrag der SPD und Grünen im Stadtrat München festgeschrieben, dass es nicht zu diesem Tunnelanschluss an die A 99 kommen darf. Vor etwa vier Monaten haben die Grünen sich überlegt, dass sie es vielleicht doch aus wirtschaftlichen Gründen machen könnten und damit ihren eigenen Koalitionsvertrag torpediert.

Erhoffen Sie sich Unterstützung aus der Kommunal- oder Landespolitik?

Die Linke hat kürzlich eine inhaltlich sehr fundierte Anfrage gestellt, die Stadtratsfraktion unterstützt uns. Auch die SPD setzt sich zumindest nach außen hin für Fahrradinfrastruktur und eine Mobilitätswende ein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Sozialdemokraten langfristig so vor den Karren von BMW spannen lassen. Ich gehe von einer breiten Unterstützung aus und weiß, dass wir die Klimagerechtigkeitsbewegung auf unserer Seite haben.

Christine Trompka ist Anwohnerin des Hasenbergls und aktiv in der Kampagne »Keine BMW-Autobahn«

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