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Aus: Ausgabe vom 12.05.2022, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Gang nach Canossa

Zu jW vom 6.5.: »Steinmeier telefoniert mit Selenskij«

Früher kroch man auf Knien nach Canossa, um zu büßen. Heute fährt man im Schlafwagen nach Kiew, um als braver Gefolgsmann der USA wahrgenommen zu werden. Wie tief deutsche Herrscher doch sinken, damit ihre wirkliche Machtlosigkeit gegenüber der gefährlichen US-Politik sich möglichst nicht herumspricht!

Joachim Seider, Berlin

Kanonen

Zu jW vom 9.5.: »Flagge zeigen verboten«

(…) Wer etwas gegen Hammer und Sichel hat, liebt natürlich Kanonen. »Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?« ist wieder hochmodern, wie Erich Kästner wusste. Da sollte doch statt des Pleitegeiers künftig eine Kanone die deutsche Fahne zieren. (…)

Heinz-Joachim Reiß, Berlin

Schwedt

Zu jW vom 4.5.: »Es ist ja nur der Osten«

Jetzt trifft es uns, die Einwohner der Stadt Schwedt. Das Ölembargo der EU gegen Russland hat schwere Auswirkungen für den gesamten Osten Deutschlands und natürlich auch Berlin. Der Wirtschaftsminister bedenkt beim Embargo nicht, dass die Preise ins Unermessliche steigen und die Ölmengen aus Rostock und Gdansk fürs PCK nicht reichen werden. Wir in der Uckermark müssen für den Stopp des russischen Öls leiden. Die Wirtschaft in unserer Region, die seit Jahren immer mehr aufblühte, wird kollabieren. Unsere Regierung zwingt uns ihren Krieg gegen Russland auf. Wir wollen Frieden und nicht die Kosten des Stellvertreterkrieges tragen. Setzt euch endlich an den Verhandlungstisch und handelt einen Friedensplan aus, keine neuen Waffen gegen Russland!

Heino F., Schwedt

Rider

Zu jW vom 9.5.: »›Dort steht: Im Prinzip habt ihr recht‹«

»Entweder sie gehen den kämpferischen Weg, oder sie gehen unter«, erklärt Fachanwalt für Arbeitsrecht Martin Bechert im Gespräch mit jW. Für die neuen Branchen ist dies die Erfahrung der letzten Jahre. Die Rider sind in der Regel jung und wollen sich nicht verarschen lassen. Hier entsteht eine neue Erfahrung, zumal sich eine vorwiegend internationale Community organisiert. Als alter weißer Mann, der aus der klassischen Produktion kommt, finde ich das extrem aufregend. Meine Liebe und Kraft für die kommenden Kämpfe.

Gottfried Walter, Berlin

Eurokommunismus

Zu jW vom 10.5.: »Nicht auf der Sonnenseite«

Die Partei Die Linke hat nichts aus der Geschichte gelernt, sonst müsste sie wissen, dass sich die Anbiederung an den Klassenfeind nicht auszahlt, sondern nur Verachtung hervorruft. Dies zeigte sich deutlich beim Eurokommunismus in Italien, wo Berlinguer, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Italiens, ständig um die Gunst der Christdemokraten buhlte – von ihnen jedoch stets abgewiesen wurde. Diese Eurokommunisten sprachen von einem historischen Bündnis, das Italien aus der Krise befreien solle. Der Drang zu einem prinzipienlosen Opportunismus brachte indes einen ständigen Mitglieder- und Wählerschwund mit sich. Heute kennt kaum noch jemand die Eurokommunisten, sie sind ganz einfach auf dem Misthaufen der Geschichte gelandet. So wird es auch der hiesigen Linken ergehen, die – von Macht und Postenjagd besessen – unbedingt in einer bürgerlichen Regierung dabeisein möchte. Auch sie bekommt keine Zustimmung vom bürgerlichen Lager und verliert ihre Anhängerschaft. (…) Linke Sprüche allein zünden dann nicht mehr.

Holger K., per E-Mail

Papst

Zu jW vom 7./8.5.: »Gott fassungslos«

Vielen Dank an Arnold Schölzel für alle satirisch verpackten Zitate in diesem Beitrag. (…) Wie die Geschichte der katholischen Kirche beweist, war es für ihre Vertreter Gottes auf Erden schon immer schwer, gleichzeitig ein anständiger Mensch zu sein oder zu bleiben, wenn, dann musste das eigentlich dem offiziellen Auftrag entsprechende Bemühen um den Weltfrieden in aller Heimlichkeit geschehen. Dieser Papst Franziskus scheint zu den seltenen Exemplaren zu gehören. Aber unsere Massenmedien sorgen schon dafür, nicht an die große Glocke zu hängen, dass der Argentinier beispielsweise zwischen den USA und Kuba, sprich zwischen Barack Obama und Raul Castro, vermittelte und damit nicht zufällig auch die internationale Kampagne zur Befreiung aller »Cuban Five« wirksam unterstützte. – Und dann gab es da noch Johannes XXIII., der, wie ich vor über 20 Jahren durch eine Doku auf Arte erstaunt erfuhr, in der Kubakrise 1962 tatsächlich zwischen Chruschtschow und Kennedy vermittelt haben soll.

Josie Michel-Brüning, Wolfsburg

Solidarität

Zu jW vom 25.4.: »Aus dem Sack«

In der Ukraine kämpfen seit 2014 nicht nur russischsprachige Linke ums nackte Überleben, und entsetzlich viele davon haben diesen Kampf bereits verloren. Gleich nach der Machtergreifung des neoliberal-faschistischen Blocks in Kiew wurden deren Parteien und auch Russisch als offizielle Sprache verboten, es folgten Verschleppungen, Misshandlungen und Ermordungen. Die Malträtierten im Donbass reagierten mit bewaffnetem Aufstand und der Ausrufung zweier – dann sofort auch bombardierter – »Volksrepubliken«. (…) In Italien sind antifaschistische Kooperationen mit den Menschen im Donbass öffentlich präsent (und werden gelegentlich von ukrainischen Nazis angegangen, wie am 23. April in Bologna). Es fällt auch auf, dass nicht nur die päpstlichen Einwände gegen Waffenexporte und Weltkriegsvorbereitungen medial breiter vertreten und sogar in bürgerlichen Tageszeitungen nicht selten berichtet werden. Dass den vom Tod bedrohten Genossinnen und Genossen in der Ukraine unbedingt beigestanden werden muss, erschließt sich italienischen Linken womöglich leichter. Dass das militärische Backup bei der antifaschistischen Befreiung des Donbass von einer nichtkommunistischen Macht, die ihren eigenen Interessen folgt, gestellt wird, ist ein Problem, das sich so ähnlich auch in Rojava beim Annehmen der US-Hilfe stellte. Unseren Bedrängten ist das kaum zum Vorwurf zu machen.

Silvia Kraemer, per E-Mail

Die deutsche Fahne sollte statt des Pleitegeiers künftig eine Kanone zieren.

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