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Aus: Ausgabe vom 12.05.2022, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Klimakrise

Aus Erde wird Staub

UN-Bericht: Zahl und Dauer von Dürreperioden nehmen drastisch zu. Mehr als 2,3 Milliarden Menschen leiden unter Wassermangel
Von Raphaël Schmeller
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Besonders dramatisch ist die Lage südlich der Sahara, wo Extremwetterereignisse wegen der Klimakrise immer häufiger und intensiver auftreten (Kilifi, Kenia)

Die Lage ist dramatisch: Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl und Dauer von Dürreperioden global betrachtet um 29 Prozent gestiegen. Das geht aus dem UN-Dürrebericht hervor, der am Mittwoch auf der 15. Weltbodenkonferenz in ­Abidjan, Hauptstadt des westafrikanischen Staates Côte d’Ivoire, vorgestellt wurde. »Land trocknet aus, fruchtbarer Boden verwandelt sich in Staub«, erklärte Ibrahim Thiaw, Exekutivsekretär des internationalen Abkommens zum Schutz der Böden (UNCCD). »Dürren gehören zu den größten Bedrohungen einer nachhaltigen Entwicklung.« Laut UNCCD beträgt der dadurch hervorgerufene wirtschaftliche Schaden allein für die Jahre von 1998 bis 2017 rund 124 Milliarden US-Dollar (117 Milliarden Euro).

Betroffen sind vor allem afrikanische Länder. In den vergangenen hundert Jahren wurden auf dem Kontinent mehr als 300 Dürreereignisse verzeichnet, heißt es in dem UN-Bericht. Das seien 44 Prozent der Dürren weltweit. Besonders dramatisch sei die Lage südlich der Sahara, wo Extremwetterereignisse wegen der Klimakrise immer häufiger und intensiver aufträten.

Auch andere Regionen sind betroffen, führte Thiaw aus und verwies auf Europa. »Kein Land ist immun gegen Dürre«, sagte er. Das sieht auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) so: »Wir sehen, dass die Trockenperioden zugenommen haben und das verfügbare Oberflächenwasser in Deutschland in den letzten Jahren abgenommen hat«, sagte Kira Heinemann, Sprecherin des Bundesarbeitskreises Wasser bei der Organisation, am Mittwoch gegenüber jW. Das habe Konsequenzen für alle Bereiche, die direkt mit dem Wasserverbrauch zusammenhängen, in erster Linie die Landwirtschaft und die Trinkwasserversorgung, so Heinemann weiter. Sie fordert: »Zunächst sollten wir versuchen, den Wasserverbrauch zu senken, das ist sowohl als Privatperson als auch in Betrieben möglich«. Zusätzlich müsse der Wasserrückhalt in der Fläche erhöht werden, damit Wasser über einen längeren Zeitraum in gleichmäßiger Menge zur Verfügung stehe.

Um das Dürreproblem in den Griff zu bekommen, sind wahrscheinlich radikalere Maßnahmen nötig. Allein in diesem Jahr sind nach UN-Angaben knapp 160 Millionen Kinder schwerer und anhaltender Dürre ausgesetzt, mehr als 2,3 Milliarden Menschen weltweit sind unzureichend mit Wasser versorgt. Bis zum Jahr 2040 könnte nach UN-Schätzungen jedes vierte Kind weltweit von Wassermangel betroffen sein. Im Jahr 2050 könnten mehr als drei Viertel der Weltbevölkerung von Dürre betroffen sein. Dann dürften zwischen 4,8 und 5,7 Milliarden Menschen in Gebieten leben, in denen mindestens an einem Monat im Jahr Wassermangel herrscht. Derzeit gilt das für 3,6 Milliarden Menschen.

Die Erderwärmung dürfte die Situation weiter verschärfen. Am Dienstag wurde ein UN-Bericht veröffentlicht, nach dem die globale Jahresdurchschnittstemperatur mit 50prozentiger Wahrscheinlichkeit bis 2026 erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen wird. Als 2015 mit dem Pariser Klimaabkommen beschlossen wurde, die Erderwärmung auf möglichst unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, galt eine solche Entwicklung laut dem UN-Bericht noch als völlig unwahrscheinlich.

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