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Aus: Ausgabe vom 11.05.2022, Seite 3 / Schwerpunkt
Antimilitarismus

Kanonenfutter und Versuchskaninchen

US-Kolonie Puerto Rico hat für Washingtons Kriegsapparat eine große Bedeutung
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Es gibt in Puerto Rico Hunderte US-Militäreinheiten: Soldaten auf der Muñiz Air National Guard Base in San Juan (15.3.2015)

Im Folgenden dokumentieren wir eine Rede von Luis Fidel Escalante aus Puerto Rico, die der Aktivist des puertoricanischen Kuba-Solidaritätskomitees und Mitglied der Kommunistischen Partei Puerto Ricos (PCPR) auf dem »VII. Internationalen Seminar für Frieden und die Abschaffung ausländischer Militärstützpunkte« hielt. Grundlage ist eine Mitschrift des Seminarbeitrags, die für den Abdruck redigiert und gekürzt wurde. (jh)

»Der Kolonialismus des 21. Jahrhunderts zwingt Puerto Rico dazu, in unserem Inselarchipel Militäreinrichtungen der USA zu erdulden. In den Kriegen der USA dienten Puertoricaner stets als Kanonenfutter. In den 1970er Jahren richtete sich ein legendärer Universitätsstreik gegen die US-Rekrutierungsbüros auf dem Campus und gegen die Militärbasen.

Aktuell dienen Hunderte meiner Landsleute in den Kriegen des US-Militärs auf der ganzen Welt. In meiner Heimat werden junge Leute, die den Führerschein oder ein Stipendium beantragen, dazu gebracht, sich beim US-Militär zu registrieren. Schulen und Unis werden weiter dazu missbraucht, Nachwuchs zu rekrutieren, indem Werbeoffiziere Vorträge halten und Eignungstests für die verschiedenen Teilstreitkräfte durchführen. Deshalb schlage ich den Delegierten vor, unsere antimilitaristische Botschaft des Friedens auch in diese Räume zu tragen. Das Angehen dieser Aufgabe duldet keinen Aufschub!

Unser Territorium dient jedoch auch als Laboratorium sowohl für die Erforschung sozialen Managements in Wirtschaftskrisen als auch für direkte Experimente an der Bevölkerung mit biologischen Waffen, für Tests mit chemischen und Massenvernichtungswaffen und für Laborversuche zur Kontrolle des Umweltklimas.

Am 15. April berichtete eine Militärzeitschrift, das Pentagon plane, nukleare Mikroreaktoren zur Versorgung seiner Stützpunkte im Ausland zu bauen. Im selben Artikel werden die elf dafür in Frage kommenden Militärstützpunkte genannt, darunter zwei, die uns aufmerken lassen sollten: Fort Buchanan in Puerto Rico und Guantanamo Bay in Kuba.

Das Entlaubungsgift Agent Orange wurde nachweislich an zwölf verschiedenen urwaldreichen Orten in Puerto Rico getestet und kam schließlich im Vietnamkrieg zum Einsatz. Munition mit abgereichertem Uran wurde auf unserer Insel Vieques getestet und kam im Kosovo zum Einsatz.

Der Abzug der US-Marine aus Vieques bedeutet nicht, dass es weniger militärische Aktivitäten und Einrichtungen in Puerto Rico gäbe. Derzeit gibt es 25 registrierte Militäreinrichtungen, weitere, die als geheim eingestuft sind, sowie Organisationen, die verschiedene militärische Dienstleistungen erbringen. Kurz gesagt: Es gibt in Puerto Rico Hunderte Militäreinheiten, davon elf der Nationalgarde.

Was die militärische Planung betrifft, so kennen wir das Ausmaß ihrer Operationen nicht, da sie streng geheim sind. Unser kolonialer Status erlaubt es ihnen, so zu handeln, da es uns an Souveränität und internationaler Entscheidungsmacht fehlt. Deshalb: Es lebe das freie und sozialistische Puerto Rico, es lebe die Solidarität unserer Völker!«

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