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Aus: Ausgabe vom 10.05.2022, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Treffen von Arbeiterorganisationen

Arbeiter gegen Krieg

Weltgewerkschaftsbund tagt auf Kongress in Rom und warnt vor militärischer Eskalation
Von Gerhard Feldbauer
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Zum Abschluss seiner dreitägigen Beratungen hat der 18. Kongress des Weltgewerkschaftsbundes (WGB) am Sonntag in Rom den Zyprioten Pampis Kyritsis, bisher Generalsekretär der Pancyprian Federation of Labour (PEO), zum neuen Generalsekretär gewählt. Er löst damit den bisherigen Generalsekretär George Mavrikos (PAME) ab. Cinzia Della Porta von der italienischen Unione sindacale di Base (USB), die den Kongress ausrichtete, wurde Mitglied des Sekretariats, Pierpaolo Leonardi, ebenfalls USB, Koordinator. Mit der gleichzeitigen Verlegung des Sitzes nach Rom wurde die kämpferische Rolle der italienischen Basisgewerkschaften herausgestellt.

435 Delegierte aus 133 Ländern vertraten bei dem Kongress 105 Millionen Mitglieder des WGB. Weitere 300 Delegierte waren coronabedingt per Livestreaming zugeschaltet. Mit einer Kranzniederlegung an den Fosse Ardeatine, den Tuffsteinhöhlen bei Rom, hatten die Teilnehmer der 335 Zivilisten und politischen Gefangenen gedacht, die dort am 24. März 1944 von der SS ermordet wurden.

Die globale Wirtschaftskrise des Imperialismus, der verschärfte Kampf um die Kontrolle von Märkten und Energieressourcen sowie das von der NATO ausgehende Risiko eines großen Krieges, Militarisierung und Kriegswirtschaft setzten die Arbeiter auf der ganzen Welt ständig verschlechternden Bedingungen aus, hatte Mavrikos in seinem Bericht hervorgehoben. Er dankte den weltweit kämpfenden WGB-Mitgliedern für den Beitrag, den sie in der Klassenauseinandersetzung dazu leisteten. Der WGB müsse seinen Einsatz in den »harten Kämpfen zwischen Arbeit und Kapital noch effektiver gestalten«, betonte Pampis Kyritsis.

Cinzia della Porta bemerkte, die kapitalistische Produktionsweise habe ihre Grenzen erreicht, das Weltkapital verfüge über keine Wachstumsbedingungen mehr und versuche »mit militärischer Gewalt Marktanteile, Territorien und Arbeitskräfte zu stehlen«. Sie betonte die strategische Funktion des WGB, gegen Waffenlieferungen und gegen die NATO auf die Straße zu gehen, um Klassenstandpunkt und Rechte von Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt zu verteidigen.

Delegierte aus den USA berichteten, gewerkschaftliche Prozesse markierten insbesondere im Dienstleistungsbereich (von Amazon bis Starbucks)wichtige Tempowechsel im Herzen des Weltkapitalismus. WGB-Präsident und Vorsitzender der National Education, Health and Allied Workers’ Union (NEHAWU) aus Südafrika, Michael Mzwandile Makwayiba, unterstrich, der von den alten Kolonisatoren ausgebeutete afrikanische Kontinent werde »zu einer Herausforderung des WGB«. Letzten Endes gehe es darum, »den Kapitalismus zu stürzen«. Unter stürmischen Beifall schloss er mit dem Kampfruf »Amandla«.

1945 in Paris als einheitliche Gewerkschaft gegründet, hatte der WGB schwer mit den Folgen des Zusammenbruchs der Sowjetunion und der sozialistischen Regierungen in Osteuropa zu kämpfen. Mit dem Kongress in Havanna 2005 konnte er das überwinden. In Europa wurden wichtige Gewerkschaften wie die National Union of Rail, Maritime and Transport Workers Großbritanniens, die CGT sowie die Agrar- und Forstgewerkschaft FNAF Frankreichs gewonnen. Dem Bund traten außerdem der Dachverband COSATU Südafrikas, der Bund arabischer Gewerkschaften (ICATU) und der Ständige Kongress der Gewerkschaftseinheit Südamerikas (CPUTAL) bei. Der WBG unterhält Vertretungen bei der UNO in New York, Genf und Rom, hat beratenden Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, der Internationalen Arbeitsorganisation, der UNESCO sowie der FAO.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred G. aus Hamburg Altona (10. Mai 2022 um 00:44 Uhr)
    Warum ist der DGB nicht Mitglied im Weltgewerkschaftsbund (WGB)? Es gibt zwei internationale Bündnisse der Gewerkschaften. Den Weltgewerkschaftsbund (WGB) und den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften (IBFG). Der WGB ist sozialistisch orientiert und der IBFG ist kapitalistisch orientiert. Der Name des IBFG sagt schon, dass alles unfrei ist, was nicht im IBFG ist – die typische Propagandasprache des Kapitalismus bzw. Imperialismus. 2006 wurde daraus der Internationale Gewerkschaftsbund. Der IGB ist kapitalistisch ausgerichtet. Gelbe- und antikommunistische Gewerkschaften sind dort Mitglieder. Der WGB wurde 1945 gegründet und ist sozialistisch ausgerichtet. 1949 kam es zur Abspaltung des IBFG, deren Führung mit Sozialisten und Kommunisten nicht zusammenarbeiten wollten. Der DGB war Wortführer der Spaltung und deren ideologischer Anführer. Während der WGB beschlossen hat, den Kapitalismus zu stürzen, ist DGB prokapitalistisch und antikommunistisch ausgerichtet. Eine Organisation, die sich Gewerkschaft nennt, wie der DGB, aber aus ideologischen Gründen nur Kapitalismus zugewandte Mitglieder vertritt, ist keine Gewerkschaft, sondern ein Verein von Kapitalismusanbetern und Profiteuren.

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