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Aus: Ausgabe vom 09.05.2022, Seite 5 / Inland
Veterinärmedizin

Hamster ohne Arzt

FU Berlin streicht klinische Notfallversorgung für Haustiere
Von Pascal Richter
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Bleibt künftig ohne Medizincheck: Darf sich nicht verschlucken und kein Magenweh bekommen

Die Freie Universität Berlin (FU) gibt auf: jedenfalls die 24stündige klinische Notfallversorgung für kleine Haustiere am Fachbereich Veterinärmedizin. So steht es in einer Pressemitteilung der Uni vom vergangenen Donnerstag. Kranke Haustiere könnten dann ab 15. Mai nachts nicht mehr notbehandelt werden. Der Grund sei Personalmangel.

Das FU-Präsidium begründet dies damit, kein qualifiziertes Personal zu finden. Beschäftigte kritisieren indes, dass sich die FU seit Monaten beharrlich weigere, knapp ein Dutzend unbesetzte Haushaltsstellen auszuschreiben. Das sorge für Marathonschichten beim verbleibenden Personal, siebzehn Beschäftigte sollen nach jW-Informationen Kündigungen eingereicht und die Kleintierklinik verlassen haben.

Claudius Naumann, Sprecher der Verdi-Betriebsgruppe, am Freitag zu jW: »Die Kündigungen und der Kollaps der Kleintierklinik waren seit Monaten absehbar.« Während die Beschäftigten zusehen müssen, wie ihre Kleintierklinik demontiert werde, werde vier Autominuten entfernt eine private Tierklinik eröffnet. Folge: Zahlreiche frühere FU-Kollegen seien nun dort eingestellt worden. Die Alternative wäre: Gewerkschaftsprotest, also »kämpfen statt kündigen«, so Naumann samt Verdi-Betriebsgruppe in einem jüngst verteilten Flugblatt. Nicht einfach. Eine ehemalige Ärztin an der FU-Tierklinik schilderte der Verdi-Betriebsgruppe den Joballtag: neben dem Tagesgeschäft zusätzlich Nacht- und Wochenendschichten. Die FU drückte sich auch noch um die Auszahlung der tariflichen Zuschläge und gruppierte die Tierärztin niedriger ein, als es an anderen Fakultäten üblich und vom Tarifvertrag vorgesehen ist. Die Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz blieben den Personalräten lange verborgen, weil die FU erst unter Androhung rechtlicher Schritte Dienstpläne zustellte.

Es geht den Verdianern aber nicht nur um Notfallversorgung und Jobzeiten. Stefan Strauß, Pressesprecher der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, teilte auf jW-Anfrage mit, Kontakt zur örtlichen Beschäftigungsvertretung aufzunehmen und eine umfangreiche Arbeitsschutzkontrolle mit besonderem Augenmerk auf die Einhaltung des Arbeitszeitrechts durchzuführen. Dabei müssten ferner teils schwere Arbeitsunfälle aus der Vergangenheit aufgearbeitet werden, fordern Naumann und Co.

Wenn eine arbeitszeitgesetzliche Pflicht oder arbeitsschutzbehördliche Auflage zur Dokumentation der Arbeits- und Ruhezeiten besteht und gegen diese verstoßen werde, sei man berechtigt, Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten, heißt es aus der Senatsverwaltung. Die Pressestelle der FU teilte auf jW-Anfrage mit, dass »dezidierte Gespräche mit der zuständigen Senatsverwaltung geführt würden«. Ergebnissen könne jedoch nicht vorgegriffen werden.

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