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Aus: Ausgabe vom 07.05.2022, Seite 1 / Titel
Kampf um die Geschichte

Dank euch, Befreier

Sieg über den Hitlerfaschismus: Am 8. Mai 1945 unterzeichneten Vertreter Deutschlands die Kapitulation. Damit endete in Europa der Zweite Weltkrieg
Von Stefan Huth
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Arno Mohr, »Junges Paar am Treptower Ehrenmal«, veröffentlicht 1975 in der jW-Mappe »Internationale Grafik zum 30. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus durch die ruhmreiche Sowjetarmee«

Feierstimmung mag sich zum Jahrestag des Siegs über den Faschismus an diesem 8. Mai nicht recht einstellen. In Teilen der durch die Sowjetarmee von der Hitlerwehrmacht befreiten Gebiete herrschen heute wieder Krieg und Zerstörung, werden Zivilisten in die Flucht und ins Elend getrieben. Der Aggressor, so die Mehrheitsmeinung im NATO-geführten Westen, heißt diesmal allerdings Russland. Der Gang der Ereignisse lässt auch wenig Raum für eine andere Deutung: Moskau hat mit seinem gegen die Ukraine entfesselten Angriffskrieg internationales Recht verletzt. Da fällt es schwer, Verständnis, gar antifaschistische Solidarität zu zeigen, selbst wenn das Regime in Kiew engstens mit ultrarechten Akteuren verbandelt und deren Ideologie längst Teil der Staatsdoktrin geworden ist. Von seinen seit acht Jahren unter den Augen der Weltöffentlichkeit verübten Massakern an der Bevölkerung des Donbass ganz zu schweigen.

Doch kennt dieser Konflikt weit mehr Akteure als diese beiden Parteien. Ihre Motive und Handlungen gehören mit in die Gesamtrechnung, wie überhaupt die ganze komplexe Vorgeschichte: das aggressiv gegen Russland wie China gerichtete Hegemoniestreben Washingtons und seiner Verbündeten. Keineswegs nur ein Nebenaspekt: In diesem Stellvertreterkrieg geht es auch um eine Revision der Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs, darum, der Russischen Föderation als Rechtsnachfolgerin der UdSSR den unter unfassbaren Opfern errungenen Sieg wieder aus den Händen zu reißen. Es tobt ein Kampf um die Geschichte.

Erstmals seit 1945 begegnet Berlin Moskau offen als Kriegspartei. Deutsche Soldaten stehen im Baltikum an der russischen Grenze. Russophobie grassiert und wird medial angeheizt, Ehrenmale für die Rote Armee werden bundesweit geschändet, das Zeigen der Sowjetfahne gilt als Kriegsverherrlichung und wird kurzerhand verboten. Unterdessen träumt eine grüne Außenministerin davon, Russland in einem neuen Vernichtungsfeldzug zu »ruinieren«. Bald schon rollt wieder deutsches Kriegsgerät gen Osten.

Was bleibt? Ewiger Dank den Befreiern von der faschistischen Pest, allen voran den Soldatinnen und Soldaten der multinationalen Roten Armee, die die Hauptlast des Krieges zu tragen hatte. Für Heldenverehrung ist indes wenig Raum an diesem 8. Mai, viel dagegen für kämpferische Forderungen nach Frieden: Schluss mit NATO-Waffenlieferungen, Eskalation und Kriegshetze, Friedensverhandlungen jetzt! Auch im Gedenken an die unermesslichen Opfer der Befreier.

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