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Aus: Ausgabe vom 06.05.2022, Seite 2 / Inland
Energieversorgung

Baustart in Wilhelmshaven

LNG-Terminal soll Ende des Jahres in Betrieb gehen. Umwelthilfe protestiert
Von David Maiwald
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Von Wasser zu Land: Der Import von Flüssiggas soll schon Anfang 2023 über schwimmende Terminals beginnen

Es soll schnell gehen. Die mit dem Krieg in der Ukraine begründete Umorientierung der Bundesregierung bei der Erdgasversorgung vollzieht sich in aller Eile. Bedenken zu Risiken und Folgen möchte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) dabei hintenanstellen.

Der Minister unterzeichnete am Donnerstag Pachtverträge für vier schwimmende Importterminals (Floating Storage and Regasification Unit, kurz FSRU) für Flüssiggas (LNG). Das erste soll bereits Ende des Jahres im niedersächsischen Wilhelmshaven in Betrieb gehen. Habeck wohnte am Donnerstag gemeinsam mit dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD) und Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) den beginnenden Bauarbeiten für einen rund 370 Meter langen Anleger bei, wo künftig mit tiefgekühltem LNG beladene Tanker anlegen sollen.

Die Bundesregierung will sich so schnell wie möglich von Erdgaslieferungen aus Russland unabhängig machen. Künftig dürfte die BRD dann vor allem den Absatz von Frackinggas aus den USA sicherstellen. Zum Jahresbeginn 2023 soll dafür auch im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel ein zweites FSRU in Betrieb gehen. In Stade in Niedersachsen ist ebenfalls ein LNG-Importterminal geplant. Der Betrieb soll durch die Energieriesen RWE und Uniper erfolgen. Für Dienstleistungsverträge plant die Bundesregierung Kosten von 2,94 Milliarden Euro ein.

Der Bau des Anlegers in Wilhelmshaven wird von Umweltverbänden kritisiert. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte am Mittwoch einen sofortigen Baustopp und teilte mit, Widerspruch gegen die vorzeitig begonnenen Bauarbeiten eingelegt zu haben. Die DUH bemängelte, der Baustart in Wilhelmshaven sei ohne Offenlegung von Unterlagen oder Beteiligung von Umweltverbänden genehmigt worden. Der Bau des Terminals werde sensible Ökosysteme unumkehrbar zerstören sowie den Lebensraum des bedrohten Schweinswals gefährden.

Habeck hatte am Mittwoch abend versucht, Bedenken mit Sympathie für die possierlichen Meeressäuger zu zerstreuen. »Ich bin der größte Schweinswalfan in der Bundesregierung«, erklärte er bei »RTL Direkt«. Die Energiesicherheit habe aber Vorrang. »Im Zweifelsfall bringt uns eure Klage in größere Abhängigkeit von Putin«, fabulierte der Minister.

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