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Aus: Ausgabe vom 03.05.2022, Seite 8 / Ansichten

Revoluzzer des Tages: Carsten Schatz

Von Nick Brauns
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Carsten Schatz, Fraktionsvorsitzender von Die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus (Berlin, 19.10.2021)

Auf der Maikundgebung des DGB in Berlin sah sich die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) mit lautstarkem Unmut konfrontiert. Hintergrund war die Weigerung der Immobilienlobbyistin, die von mehr als einer Million Berlinern per Volksentscheid beschlossene Forderung nach Vergesellschaftung der großen Wohnungskonzerne umzusetzen. Als die Bürgermeisterin dann noch der Polizei für ihren Einsatz dankte, kam ein Ei aus der Menge geflogen, und sie brach ihre Rede ab.

Eilfertig sprang ihr die Koalitionspartnerin bei. »Ein Eierwurf ist keine Kritik, sondern ein entwürdigender körperlicher Angriff, der demütigen soll. Für mich keine politische Auseinandersetzung«, schrieb der Linke-Fraktionsvorsitzende Carsten Schatz am Sonntag abend in einem von seiner Fraktion geteilten Tweet. »Dafür noch eine Va. des DGB zu kapern, ist respektlos vor den Kämpfen der Arbeitenden.« Nicht respektlos vor den Arbeitenden ist für den Linke-Politiker offensichtlich der auf dessen Beerdigung durch eine Expertenkommission setzende Umgang des »rot-grün-roten« Berliner Senats mit dem klaren Votum des Volksentscheids.

Auf seinem Twitter-Account kokettiert der frühere Hausbesetzer sowie langjährige PDS- und Linke-Funktionär Schatz mit einem T-Shirt mit der roten Aufschrift »The Revolution Is My Boyfriend«. Solche Typen muss der Anarchist Erich Mühsam vor Augen gehabt haben, als er 1907 sein der deutschen Sozialdemokratie gewidmetes Gedicht »Der Revoluzzer« verfasste. Darin schritt der »Revoluzzer, im Zivilstand Lampenputzer«, mit den Revoluzzern mit und kam sich höchst gefährlich vor. Doch die Revoluzzer rupften trotz des Gezeters des Lampenputzers die Gaslaternen, die er sonst putzte, »zwecks des Barrikadenbaus« aus dem Straßenpflaster aus. »Dann ist er zu Haus geblieben / Und hat dort ein Buch geschrieben: / Nämlich wie man revoluzzt / Und dabei noch Lampen putzt«.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred G. aus Hamburg Altona ( 2. Mai 2022 um 20:34 Uhr)
    Die Linke sollte sich zur Partei der »Lampenputzer« umbenennen. Im geputzten Laternenlicht sieht man die »Bahnsteigkarten« besser. Könnte ja sein, dass jemand auf Kosten des Kapitals »Schwarz« fährt und dann vor der »antideutschen« Kommission in Erklärungsnot gerät. Schließlich will man ja nicht die NATO verärgern und sich den »Großen Bruder« aus Übersee zum Feind machen.

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