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Aus: Ausgabe vom 30.04.2022, Seite 5 / Inland
Wohnungsmarkt

Sichere Dividenden, steigende Mieten

Vonovia-Hauptversammlung: Ausschüttungen an Aktionäre stabil. Mehrkosten für frierende Mieter
Von Sebastian Edinger
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Am Freitag lud Deutschlands größter Immobilienkonzern, die Vonovia SE, zur virtuellen Hauptversammlung. Nach der erfolgreichen Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen (DW) war vom »erfolgreichsten Geschäftsjahr in der Geschichte« die Rede – wenngleich der Aktienkurs seit der DW-Übernahme schwächelt und auch im ersten Quartal 2022 weiter rückläufig war.

Was auf der Hauptversammlung genau beschlossen wurde, stand bis Redaktionsschluss nicht fest. Doch bereits zuvor hatte der Vorstand des in Bochum ansässigen Unternehmens angekündigt, die Dividende gegenüber dem Vorjahr nur minimal von 1,69 auf 1,66 Euro absenken zu wollen. Beachtliche Gewinne für die Eigentümer soll es also trotz schwächelndem Kurs geben.

Die Mieter der insgesamt 400.000 Wohneinheiten, die sich in den Händen des Konzerns befinden, dürften weniger zuversichtlich in die nahe Zukunft blicken. Ihnen stellte Vorstandschef Rolf Buch vor dem Aktionärstreffen in einem Spiegel-Interview steigende Kosten und kalte Wohnungen im Winter in Aussicht: »Wenn die Baukosten zweistellig wachsen, wie es derzeit geschieht, und insgesamt die Inflation zulegt, dann werden auch die Mieten steigen«, kündigte Buch an. Bis 2030 wolle Vonovia keine Gebäude der schlechtesten Effizienzklasse mehr besitzen, so Buch. Aber die Sanierung kostet – und zwar die Mieter.

Zudem forderte Buch die Mieter in dem Magazin freundlich auf, ihre Vorauszahlungen für die Nebenkosten zu erhöhen. Anderenfalls würden im kommenden Jahr hohe Nachforderungen kommen, in manchen Fällen bis zu zwei Monatsmieten, teilte er mit. Im übrigen könne er nicht versprechen, dass es alle Vonovia-Mieter im kommenden Winter warm haben würden.

Ärger für die Mieter gibt es weiterhin bei der jährlichen Kostenabrechnung. Aufgrund vieler Beschwerden habe man eine »Kunden-App« entwickelt, um die Nebenkosten transparenter zu machen, sagte Buch am Freitag gegenüber den virtuell versammelten Anteilseignern. Das Mieterbündnis »VoNO!via« teilte darauf hin jedoch mit, in der App fänden sich »nur Rechnungen zu den Betriebskosten«. Transparenz müsse jedoch »Rechnungen, Verträge und Zahlungsnachweise umfassen«. Auch Einsicht in die Verträge gewähre der Konzern weiterhin nicht. Auf den Versuch einer Einsichtnahme in die Originale in der Hauptverwaltung reagiere Vonovia »mit Hausverboten und der Abwehr der beauftragten Personen«.

Auch bei der vor allem in Berlin berüchtigten neuen Tochter von Vonovia, Deutsche Wohnen, steigen die Mieten: Um sechs Millionen Euro gingen die entsprechenden Einnahmen im vergangenen Jahr in die Höhe, nachdem das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel gekippt hatte. Der operative Gewinn konnte so um 2,4 Prozent gesteigert werden. Bei der Dividende wird hier sogar eine Steigerung erwartet – von 90 Cent auf 1,03 Euro. Beschlossen werden soll das Plus für die Aktionäre auf der Hauptversammlung Anfang Juni.

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