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Aus: Ausgabe vom 23.04.2022, Seite 8 / Ausland
Instabile Verhältnisse

Militärjunta zusehends nervöser

Myanmar: Oppositionelle Streitkräfte machen nach eigenen Angaben Landgewinne
Von Thomas Berger
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Kämpfer der oppositionellen Volksverteidigungskräfte (PDF) in Kawkareik am 31. Dezember 2021

Myanmars Militärjunta hat am Dienstag alle Einheiten der Armee in den Alarmzustand versetzt. Das heißt, dass Verteidigungsmaßnahmen vorbereitet und größere Truppenbewegungen vermieden werden sollen, wie in einheimischen Medien erklärt wurde. Die Anordnung, die sonst nur zum Tag der Streitkräfte oder zu hohen Truppenbesuchen erfolge, sei ohne konkreten Anlass ungewöhnlich und deute auf eine gesteigerte Nervosität und Verwundbarkeit der Junta-Einheiten hin, wie zwei vormalige hohe Militärs, die zur sogenannten Regierung der Nationalen Einheit (NUG) übergelaufen sind, gegenüber dem den Oppositionskräften nahestehenden Nachrichtenportal The Irrawaddy sagten.

Die NUG war am 16. April vor einem Jahr von vielen neugewählten Abgeordneten, die nach dem Putsch vom 1. Februar 2021 untergetaucht und ins Exil gegangen waren, gegründet worden, um ein Gegengewicht zu General Min Aung Hlaing und seiner Clique zu etablieren. International anerkannt ist sie nicht. Aber im vergangenen Oktober gab das Weiße Haus in einer Stellungnahme bekannt, die USA würden die NUG und die »prodemokratische Bewegung« weiterhin unterstützen.

Seit September führen von der NUG aufgebaute Streitkräfte (Volksverteidigungskräfte/PDF), einen »Volkskrieg« gegen die Junta-Armee (Tatmadaw), anscheinend mit einigem Erfolg. Anfang der Woche gab die NUG bekannt, dass rund die Hälfte des Landes unter der Kontrolle der PDF und verbündeter Truppen stehe. Welche Gebiete das im einzelnen seien, werde derzeit geklärt, zitierte das Portal Mizzima den NUG-Informationsminister Htin Lin Aung. Unabhängig lassen die Angaben sich nicht überprüfen. Sicher ist aber wohl, dass die Junta erhebliche Verluste zu verzeichnen hat.

Unterstützung bekommen die PDF von den Rebellenarmeen verschiedener ethnischer Minderheiten. Dazu zählen die beiden kampfstärksten Formationen, die Kachin Independence Army (KIA) und die Karen National Liberation Army (KNLA), bewaffneter Arm der seit 1949 als älteste Gruppe aktiven Karen National Union (KNU). Teilweise gibt es auch gemeinsame Kampfeinsätze mit den Rebellenarmeen. Weitere Verbündete aus diesem Bereich ist die Nordallianz aus Arakan Army (AA), Ta’ang National Liberation Army (TNLA) und Myanmar National Democratic Alliance Army (MNDAA).

Noch am Tag der Streitkräfte, dem 27. März, hatte Putschführer Min Aung Hlaing seine Armee, die etwa 300.000 bis 350.000 Soldaten zählen sollen, demonstrativ zur Geschlossenheit aufgerufen. Es gibt jedoch Berichte, dass die Truppe zahlreiche Deserteure zu verzeichnen hat. Laut verschiedenen Quellen sollen es im vergangenen Jahr im Juni 800, 1.500 im September, im November an die 2.000, im März 2.500 und nun rund 3.000 gewesen sein. Ein zusätzlicher Anreiz ist, dass die NUG am 7. April Prämien für jene Soldaten ausgeschrieben hat, die samt militärischem Gerät überlaufen oder dieses zerstören. Bis zu 500.000 US-Dollar sollen bei einem mitgebrachten Kampfjet winken. Unklar ist, woher das Geld dafür stammt. Die NUG wendet nach eigenen Angaben etwa die Hälfte ihrer Mittel für ihre Streitkräfte auf. Die Einnahmen sollen laut der Untergrundregierung mit »Staatsanleihen«, einer Lotterie, »Spendensammlungen« im In- und Ausland und vermehrt »Steuern« generiert werden.

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