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Aus: Ausgabe vom 20.04.2022, Seite 7 / Ausland
Veranstaltungsbericht

Volksmacht gegen Faschismus

Gipfel in Venezuela: Hunderte erörtern Weltlage und setzen auf Internationalismus
Von Julieta Daza, Caracas
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Erinnerung an den vereitelten Putschversuch gegen Chávez: Demonstrierende am 13. April in Caracas

Ein »Gipfel gegen Faschismus und für die Verteidigung der Wahrheit« hat in der vergangenen Woche mehrere hundert Menschen in Venezuelas Hauptstadt Caracas zusammengebracht. Laut venezolanischem Außenministerium nahmen mehr als 200 Delegierte aus 58 Staaten von fünf Kontinenten an dem dreitägigen Treffen teil, das am Mittwoch endete. Organisiert worden war die Konferenz auch vom Kommunikations- und Kulturministerium.

Internationalismus, Volksmacht gegen den Aufstieg des Faschismus sowie der sich aktuell wieder verstärkende Kommunikationskrieg waren einige der Schwerpunkte der Diskussionsveranstaltungen. So prangerte der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro bei einer am Dienstag live übertragenen Veranstaltung mit den Delegierten die Zensur des Westens gegen russische Medien an. Es sei nötig, dass die alternativen Medien der Völker die westliche »Hegemonialerzählung« inklusive ihrer Lügen durchbrächen, die sich gegen eine neue »pluripolare und multizentrische Welt« richteten.

Der Gipfel reihte sich ein in das offizielle Gedenken an den gescheiterten Putschversuch gegen den damaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Am 11. April 2002, also 20 Jahre zuvor, hatten reaktionäre Militärs im Verbund mit Unternehmergruppen, rechten Politikern sowie mit dem Rückhalt der US-Regierung versucht, den Anführer der »Bolivarischen Revolution« zu stürzen. Die Militärs verschleppten Chávez und ernannten den Unternehmer Pedro Carmona zum Übergangspräsidenten. Nur 48 Stunden nach Beginn des Staatsstreichs konnte die massenhaft mobilisierte Bevölkerung im Verbund mit den bolivarischen Teilen der Armee den Putsch jedoch abwehren, Präsident Chávez kehrte in seinen Amtssitz in Miraflores zurück.

Zu den Teilnehmern des Gipfels zählte auch die Argentinierin Paula Giménez, Mitglied des Lateinamerikanischen Zentrums für strategische Analyse und des Netzwerks Intellektueller und Künstler zum Schutz der Menschheit. Gegenüber junge Welt betonte sie, Treffen wie das in Caracas seien vor allem deshalb wichtig, weil bei ihnen die »Diplomatie der Völker« gestärkt werden könne. Im internationalen Kontext stellten Venezuela und die »Bolivarische Revolution« eine wichtige Alternative dar – zwar gebe es durchaus Potential für Verbesserungen, aber das Land habe »bereits einen langen Weg hinter sich«.

Im Gespräch mit jW betonte die italienische Journalistin und Internationalistin Geraldina Colotti, es sei ein wichtiges Zeichen, dass gerade Venezuela einen Gipfel wie diesen organisiert habe. Es sei diskutiert worden, wessen Interessen der Faschismus diene und wie eine gemeinsame Front gegen die von diesem ausgehenden Gefahren gebildet werden könne. Venezuela erfahre bereits »seit vielen Jahren am eigenen Leib« Angriffe durch Faschisten, besonders durch Vertreter »eines getarnten Faschismus, der sich zum Beispiel während des Militärputsches von 2002 als bürgerliche und repräsentative Demokratie präsentierte«, so Colotti. Auch seien es faschistische Gruppen gewesen, die in den Jahren danach bei Protesten gegen die Regierung von Maduro auf Gewalt und Rassismus gesetzt hätten.

Ein solches Verständnis fehle in großen Teilen der europäischen Linken, die – ganz im Stile der Totalitarismustheorie – Kommunismus und Faschismus gleichsetze. Das zeige sich derzeit auch am kollektiven Kriegswahn gegen Russland, der einzig den Interessen der NATO diene, so Colotti weiter. Im Gegensatz dazu diene Venezuela, »trotz seiner Fehler«, als Labor der Reflexion und des Widerstands – dank der permanenten Mobilisierung eines großen Teils seiner Bevölkerung, des vorhandenen Bewusstseins und der Erinnerung seiner Geschichte.

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