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Aus: Ausgabe vom 20.04.2022, Seite 5 / Inland
Inflation

Spekulation treibt Preise

Inflation auf Rekordhoch. Wirtschaftsforscher fordert Lohnerhöhungen
Von David Maiwald
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»Spekulationsgetrieben«: Die gestiegenen Spritpreisen klingeln in der Kasse der Mineralölkonzerne

Die Energiekosten schnellten in die Höhe, seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine klettern auch die Preise an den Kassen von Supermärkten und Tankstellen. Für Lebensmittel, Benzin, Strom und Gas müssen die Bürger der Bundesrepublik nun tiefer in die Tasche greifen. Während Supermärkte in der Coronakrise eindeutig zu den Gewinnern zählten, dürfte die derzeitige Rekordinflation von 7,3 Prozent die Lohnerhöhungen der vergangenen Tarifrunde für die Beschäftigten komplett aufzehren. Lohnabhängige mussten hierzulande 2021 bereits das zweite Jahr in Folge Reallohnverluste hinnehmen. Doch auch Unternehmen dürfte die gesunkene Kaufkraft der Bundesbürger künftig Sorge bereiten.

Sollten Lohnerhöhungen weiter ausbleiben, »werden die Unternehmen Schwierigkeiten bekommen«, erklärte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), am Dienstag im Deutschlandfunk. »Die Arbeitslosigkeit wird steigen, und dann kommen wir in eine Spirale aus immer schwächerem Wachstum und hoher Inflation«, so der Ökonom weiter. Angesichts der hohen Inflation müsse die Politik den Menschen gezielt helfen. Der Wirtschaftsforscher nannte die von Gewerkschaften und Verbänden als unzureichend kritisierte Energiepauschale in Höhe von 300 Euro brutto für Beschäftigte dabei einen »guten Schritt«.

Preissteigerungen bei Energie seien »spekulationsgetrieben«, erklärte der Ökonom. »Es ist ja jetzt nicht so, dass die Gasspeicher leer wären oder aus Russland weniger Gas geliefert würde.« Unternehmen wie etwa Raffinerien hielten aus Sorge vor der ungewissen Entwicklung derzeit einen Teil ihres Angebots zurück. Mit Maßnahmen wie der von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) vorgeschlagenen »Spritpreisbremse« werfe man »letztlich einen

großen Teil dieses Geldes den Mineralölkonzernen in den Rachen«, so Fratzscher. Als Ausgleich zur Teuerungsrate schlug der DIW-Präsident eine Abschaffung der reduzierten Mehrwertsteuer von sieben auf null Prozent vor. Dies werde »in diesem Jahr noch wichtiger«, da Grundversorgung wie Nahrungsmittel entlastet würden. »Wir haben das Ende der Fahnenstange bei der Inflation noch nicht gesehen«, so Fratzscher.

Die Folgen des Krieges in der Ukraine dürften ebensoschwer abzuschätzen sein wie daraus abgeleitete Sanktionen – sowie Überlegungen zu einem Energieembargo gegen Russland. Die Bundesregierung rechne im laufenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von »1,4 bis 1,5 Prozent«, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gegenüber Bild am Sonntag. »Es bleibt also bei einem Wachstum«, versuchte sich der Minister gegenüber dem Springer-Blatt in Schadensbegrenzung. »Unter dem Vorbehalt, dass sich der Krieg nicht ausweitet und die Energieversorgung steht«, rechne man »in diesem Jahr mit 590.000 Kurzarbeitern«. Die ursprüngliche Prognose des Merkel-Kabinetts von 4,1 Prozent hatte die Regierung bereits vor Ausbruch des Krieges deutlich auf 3,6 Prozent gesenkt.

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