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Aus: Ausgabe vom 16.04.2022, Seite 6 / Ansichten

Selbstvermarkter des Tages: Elon Musk

Von Oliver Rast
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Hopp oder top, so sein Motto, selbst auf dem stillen Örtchen

Das machen Jungs halt so. Auf Klo schmökern, hartnäckig lang. Schlüpfriges, Sportliches, bisweilen beides pa­rallel. Elon Musk macht auf dem Abort noch was. Bevorzugt twittern, sagt er jedenfalls freizügig. Dabei kommt, man ahnt es, viel Scheiße raus. Quatsch in jedem Falle, das etwa: »i♥️u.« Ein vom Erfinder tonnenschwerer Elektromobile abgesetzter Tweet, Donnerstag zehn Minuten vor Mitternacht (MEZ).

Kurz zuvor twitterte der Dauer­twitterer, den Kurznachrichtendienst übernehmen zu wollen. Per feindlichem Akt. Musk bot allen Twitter-Aktionären an, ihre Anteile an ihn zum Preis von 54,20 US-Dollar abzutreten. Dazu passt: Bereits in der vergangenen Woche hatte der Marskolonialist in spe einen Anteil von 9,2 Prozent an Twitter zusammengeklaubt. Jetzt will er mehr, alles. Als planetarisch Reichster kann er das. Er habe die nötigen Mittel, um den Megadeal durchzuziehen, posaunte der 50jährige Tesla-Boss am Donnerstag auf der TED-Konferenz rum. Rund 47 Milliarden US-Dollar dürften es sein.

Für Musk nur ein sanitäres Spielzeug? Mitnichten. Ein Instrument der Selbstvermarktung, mit enormer Reichweite. Für den Meinungsmacher ein manipulierbarer Multiplikator. Der Techmulti versicherte flugs, er wolle mit Twitter eine Plattform für Redefreiheit etablieren. Nur das, nicht, um Kohle zu machen. Klingt nach Nebelkerze im Klosett. Anleger scheinen auch nicht wirklich begeistert ob der Musk-Offerte, räumten einem Putsch auf dem Börsenparkett nur wenig Chancen ein. Mehr noch: Der Twitter-Verwaltungsrat kündigte laut Techportal The Information an, gegen Musks Übernahmeversuch zu stänkern. Der clincht zurück: »Ich mag es nicht zu verlieren.« Ausgang des Vorgangs also offen.

Noch was Finales zur Defäkation, vielleicht beruhigt es ein bisschen. Nicht alle Jungs sind so, und wie Musk schon gar nicht.

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