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Aus: Ausgabe vom 16.04.2022, Seite 1 / Ausland
Vor der Entscheidung

Weder Macron noch Le Pen

Frankreich: Studierende protestieren gegen Duo bei Stichwahl fürs Präsidentenamt
Von Ina Sembdner
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»Die Revolution ist Hausaufgabe«: Klare Ansage der Studierenden an der Sorbonne (Paris, 14.4.2022)

Nach heftigen Protesten gegen das Ergebnis der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl hat die Pariser Universität Sorbonne vorerst geschlossen. Mehrere hundert Studierende hatten am Mittwoch begonnen, das Gebäude zu besetzen, um eine »falsche Wahl« zwischen dem amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron und seiner Konkurrentin Marine Le Pen bei der Stichwahl am 24. April anzuprangern. Im zentralen Hörsaal war der Ruf »Siamo tutti antifascisti« zu vernehmen, wie Videos auf Twitter zeigten. »Wem gehört die Sorbonne? Uns«, skandierten Hunderte Unterstützer am Donnerstag vor der Universität, die für die Studentenproteste im Mai 1968 berühmt ist. Außen versperrte die Polizei die Zugänge zur Universität, schirmte den Bereich weiträumig ab und ging mit Tränengas gegen die Protestierenden vor. Die Hochschulleitung verurteilte »die illegale Besetzung, die zu inakzeptabler Gewalt geführt hat«.

In der Nacht zum Freitag wurde die Universität geräumt, hinterlassen wurden beschädigtes Mobiliar und mehrere Graffiti. Auf einem Transparent an der Fassade der Universität war zu lesen: »Sorbonne besetzt – Gegen Macron, Le Pen und deren Welt«. Die 23jährige Clémence erklärte gegenüber AFP: »Macron und Le Pen vertreten uns beide nicht, eine ist schlimmer als der andere, und wir sind es leid, zwischen Pest und Cholera zu wählen.« Umfragen zufolge hat der Anteil der Nichtwähler unter jungen Menschen unter 24 Jahren mit gut 40 Prozent bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich einen neuen Höchststand erreicht. Unter den jungen Leuten, die an der Wahl teilgenommen haben, stimmten 31 Prozent für den linken Kandidaten von »La France insoumise«, Jean-Luc Mélenchon.

Der neoliberale Macron und die rechte Le Pen gehen sich derweil auf der Ziellinie des Wahlkampfs auch persönlich an. »Millionen von Franzosen sind überzeugt, dass die Regierung unter Emmanuel Macron schrecklich autoritär war, dass er allein und brutal regiert hat«, sagte Le Pen am Freitag dem Sender BFM. Macron betonte seinerseits, Le Pen sei »auch nicht gerade die Sanftheit in Person«.

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  • Leserbrief von Henning Gans aus Leipzig (20. April 2022 um 14:44 Uhr)
    Hätte die Entlassung von der Leyens den Rechtsruck in Frankreich gebremst? Vielleicht wäre die Wahlprognose weniger bedenklich ausgefallen. Analysten haben die EU davor gewarnt – vor Jahren schon! Das Zueinanderverurteiltsein auf Ewigkeit (EU) ist für viele Franzosen nicht akzeptabel, weil es inzwischen für den Durchschnittsbürger nur noch persönliche Nachteile offenbart. Von der Leyen vergiftet seit Jahren das Klima in der EU und verkörpert für die Franzosen konventikelhaft Korruption und Lobbyismus; ferner wird sie für den Verfall des Euro und die damit verknüpfte Teuerung verantwortlich gemacht. Ob das in allen Punkten stimmt, ist eine andere Frage – das Gefühl ist allerdings am kommenden Sonntag entscheidend.

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