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Online Extra
07.04.2022, 16:17:24 / Inland
Rechte Mobilisierung

Angriff auf Ehrenmal

Berlin: Großflächige Schändung der sowjetischen Gedenkstätte im Treptower Park. Täter sprühten Parolen wie »Tod allen Russen« und Hakenkreuze
Von Nico Popp
Farbspritzer im Eingangsbereich des Gedenkpavillons am Donnersta
Farbspritzer im Eingangsbereich des Gedenkpavillons im Treptower Park am Donnerstag

Das sowjetische Ehrenmal im Treptower Park, das auch Begräbnisort für etwa 7.000 Rotarmisten ist, die im April und Mai 1945 bei den Kämpfen in Berlin getötet wurden, ist in der Nacht zum Donnerstag geschändet worden. Es handelt sich ohne Zweifel um den schwersten Angriff auf ein Ehrenmal, eine Gedenkstätte oder einen Friedhof mit Bezug zur Sowjetunion seit Jahrzehnten. Schmierereien finden sich auf der gesamten Fläche der Anlage – von der Statue »Mutter Heimat« im Eingangsbereich bis zum Hügel mit dem Gedenkpavillon und der Statue des Soldaten, der ein Kind auf dem Arm hält und auf einem zerbrochenen Hakenkreuz steht.

Vom Grünflächenamt beauftragte Mitarbeiter einer Reinigungsfirma waren am frühen Nachmittag mit der Beseitigung der Schmierereien, Schriftzüge und Parolen beschäftigt. Nach deren Angaben gegenüber jW war bis zu diesem Zeitpunkt etwa die Hälfte der Schmierereien wieder entfernt. Aufgesprühte Hakenkreuze habe die Polizei bereits am frühen Morgen unkenntlich gemacht.

Nach Angaben eines Sprechers der Berliner Polizei gegenüber dieser Zeitung sind die Schmierereien am Donnerstag gegen 0:40 Uhr von einer Streife des zentralen Objektschutzes entdeckt worden. Die Ermittlungen habe der polizeiliche Staatsschutz übernommen; ein Strafermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und wegen »gemeinschädlicher Sachbeschädigung« sei eingeleitet worden.

Die Schmierereien sind offensichtlich von einer größeren Personengruppe angebracht worden. Es wirke so, als sei hier »eine ganze Schulklasse« zugange gewesen, sagte ein Mitarbeiter der Reinigungsfirma gegenüber jW. Die angebrachten Parolen, darunter »Tod allen Russen« (»Death to all Russians«), »Russland tötet« (»Russia kills«), »Russians = Rapists« (»Russen = Vergewaltiger«) und »Ukranian (sic!) Blood on Russian Hands« (»Ukrainisches Blut an russischen Händen«), sind ausschließlich in englischer Sprache ausgeführt. An mehreren Stellen wurden Hakenkreuze aufgesprüht. Bei Reliefbildern auf den weißen Sarkophagen am Rande des Gräberfeldes wurden die Hände von Rotarmisten rot eingefärbt. In den Gedenkpavillon wurde offenbar ein Becher mit roter Farbe geworfen. Ein in dessen Eingangsbereich liegendes gerahmtes schwarz-weißes Foto eines Kindes, das vielleicht von Angehörigen dort neben Grablichtern und Blumen abgelegt worden war, wurde dabei ebenfalls beschmutzt.

Cornelia Kerth, Vorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), erklärte in einer am Donnerstag verbreiteten Pressemitteilung, der Krieg in der Ukraine dürfe »nicht missbraucht« werden, um die Erinnerung an die sowjetischen Soldatinnen und Soldaten und »das große Opfer, das sie gebracht haben, zu verunglimpfen«. Der »Vorfall« sei ein »gefährliches Beispiel für die geschichtsverfälschenden Narrative, die spätestens seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Umlauf sind«, hieß es in der Mitteilung weiter.

Die Anlage im Treptower Park ist eingezäunt und vergleichsweise leicht zu bewachen. In den vergangenen Wochen hatte es vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine bereits mehrere Angriffe auf sowjetische Ehrenmale gegeben. Die Bundesrepublik ist vertraglich zum Schutz dieser Ehrenmale und sowjetischer Soldatenfriedhöfe verpflichtet.

Das Ehrenmal im Treptower Park war seit 1989 immer wieder Ziel von faschistischen Angriffen. Nach den ersten größeren Hakenkreuzschmierereien Ende Dezember 1989 hatten dort am 3. Januar 1990 etwa 250.000 Menschen gegen Nationalismus und Faschismus demonstriert.

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