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Aus: Ausgabe vom 11.04.2022, Seite 15 / Politisches Buch
Forschungen zur Arbeiterbewegung

In den Händen des Staates

Neue Mitteilungen des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung
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Greta und Herbert Wehner im Dezember 1985 in Ahlen

Das neue Heft der jährlich mit zwei Ausgaben erscheinenden Mitteilungen des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung enthält einmal mehr lesenswerte Beiträge für Leserinnen und Leser, die sich für die Geschichte der Arbeiterbewegung interessieren bzw. auf diesem Gebiet forschen.

Mit der erneuten Vorstellung des Archivs für alternatives Schrifttum (AFAS) in Düsseldorf solidarisieren sich Redaktion und Förderkreis mit diesem Archiv »und dessen Bemühungen, den plötzlichen Stopp der Finanzierung aus dem Landeshaushalt rückgängig zu machen«. Christoph Meyer stellt das Archiv der Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung vor, das sich in der letzten Wohnung von Greta Wehner im Dresdner Stadtteil Leubnitz-Neuostra befindet. Den größeren Teil des Nachlasses von Herbert Wehner übergab seine Witwe nach dessen Tod dem Archiv der sozialen Demokratie in Bonn: »Einen wichtigen, kleineren Teil, nahm sie jedoch nach Dresden mit, und sie verfügte zu ihren Lebzeiten, dass er dort auch verbleiben soll.« Zum Archivbestand der Stiftung, die ohne öffentliche Fördermittel auskommen muss, gehören unter anderem die Terminkalender Herbert Wehners ab Mitte der 1940er Jahre und ein Teilnachlass des 2008 verstorbenen Rechtsanwalts und DDR-Unterhändlers Wolfgang Vogel.

Erwin Lewin stellt zwei bislang unbekannte Dokumente zur Entwicklungsgeschichte der Kommunistischen Partei Albaniens aus dem Jahr 1937 vor, darunter einen »streng vertraulichen« Beschluss des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale zum »prinzipienlosen Fraktionskampf« in der albanischen KP. Siegfried Prokop dokumentiert eine »Kontroverse um den Jazz in der DDR im Jahre 1961«. Dabei standen sich der Standpunkt der Abteilung Kultur des ZK der SED (»Der Jazz ist ein normaler Bestandteil unseres Musiklebens, denn der Jazz ist ein Bestandteil der unendlich reichen Weltmusikkultur«) und der Standpunkt von Alfred Kurella, Leiter der Kulturkommission beim Politbüro der SED, gegenüber. Für Kurella war Jazz »ein Produkt des Verfalls der Musikkultur«. Weiterführend ist hier ein Vortrag von Gerd Dietrich zur Kulturgeschichte der DDR, der in diesem Heft dokumentiert wird.

Von Interesse ist auch der Beitrag von Christoph Stamm zum Streit um die Sicherung des Zentralen Parteiarchivs der SED (ZPA) innerhalb der PDS von 1990 bis 1993. Der Konflikt entwickelte sich, nachdem der Plan der PDS-Führung und der Regierung Modrow, das ZPA in ein neues Nationalarchiv der DDR zu überführen, »obsolet geworden war und auch Sondierungen über eine finanzielle Unterstützung beim IML des ZK der KPdSU in Moskau und beim Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam ergebnislos geblieben waren«. Streitpunkt war dabei zunächst die von einigen PDS-Mitgliedern wahrgenommene Gefahr, dass das von der Parteiführung befürwortete Projekt eines Trägervereins unter Beteiligung der Friedrich-Ebert-Stiftung das ZPA »unter die alleinige Hoheit der SPD« zu bringen drohte. Auch die schließliche Integration des ZPA in die neue Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO) beim Bundesarchiv wurde 1992 als Übergabe von Dokumenten aus 150 Jahren sozialistischer Arbeiterbewegung »in die Hände des bürgerlichen Staates« kritisiert. (jW)

Mitteilungen des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Nr. 61 (März 2022), 120 Seiten, 3 Euro (zzgl. Versandgebühr), Vertrieb: d.goldbeck@web.de

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