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Aus: Ausgabe vom 11.04.2022, Seite 8 / Ansichten

Boykottopfer des Tages: Rainer Maria Woelki

Von Kristian Stemmler
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Hosianna, rief das Volk und brach Zweige von den Palmen, legte sie dem umjubelten Ankömmling, der auf einem Esel einritt, auf den Weg. So jedenfalls lief nach biblischer Überlieferung der Einzug Jesu Christi nach Jerusalem, den die Christenheit am Sonntag, dem Palmsonntag, feierte. Für den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki war der Start in die Karwoche wohl eher ein Ritt auf der Rasierklinge. Bei der von ihm zelebrierten Messe im Kölner Dom sah er sich mit einer mindestens unangenehmen Boykottaktion konfrontiert.

Aus Protest gegen den Kirchenmann, der ohne Frage zur klerikalen Schweigemafia in Sachen sexualisierter Gewalt gehört, trat das Vokalensemble des Doms bei der Messe nur mit acht statt der regulär 50 Chormitglieder auf. Besonders gemein: Es handelte sich bei den Sängerinnen und Sängern ausschließlich um Protestanten und queere Menschen, wie ein Chormitglied am Sonntag dem WDR verriet. Für einen bekennenden Reaktionär, der eine Segnung homosexueller Paare kategorisch ablehnt, aber offenbar kein Pro­blem mit den Missbrauchsvorwürfen gegen seinen einstigen Mentor hat, einen Pfarrer, ist das eine harte Prüfung.

Bereits nachdem Woelki aus seiner fünfmonatigen Auszeit zurückgekehrt war, hatte es bei einer Chorprobe vor drei Wochen Diskussionen zum Thema gegeben, hieß es beim WDR weiter. Einige Chormitglieder hätten dem Kardinal dann einen Brief geschrieben, weil sie mit ihm über Reformen im Erzbistum sprechen wollten, warteten aber bis heute auf Antwort. So entschloss man sich zum Teilboykott. Woelki ließ sich bei seiner Predigt im Dom übrigens nichts anmerken. Wie es hieß, war er vor der Aktion gewarnt worden. Auch zu Ostern bleibt das Motto des Kardinals: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Reinhard L. aus Frankfurt/Main (10. April 2022 um 19:45 Uhr)
    Auch zu Ostern bleibt das Motto des Kardinals: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. Die Ausgießung des Heiligen Geistes wird ja auch erst zu Pfingsten gefeiert.

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