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Aus: Ausgabe vom 11.04.2022, Seite 5 / Inland
Rüstungsexport

Pläne für »Marder«-Verkauf

Ukraine will Schützenpanzer direkt bei Rüstungsfirma kaufen
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Bald ein dickes Exportgeschäft für die deutsche Rüstungsindustrie? Schützenpanzer des Typs »Marder« werden am 24. Februar 2017 im Bahnhof von Sestokai in Litauen entladen

Die Ukraine will einem Zeitungsbericht zufolge direkt beim Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall deutsche »Marder«-Schützenpanzer kaufen. Wie Bild am Sonntag berichtete, plant der Konzern, bis Jahresende 35 Panzer an die Ukraine auszuliefern. Die ausgemusterten Panzer müssen demnach jedoch zunächst instand gesetzt werden.

Rheinmetall hatte ursprünglich vorgeschlagen, dass die Bundeswehr sofort einsatzfähige »Marder« an die Ukraine liefert und danach von Rheinmetall die reparierten Panzer bekommt. Dies lehnte das Bundesverteidigungsministerium aber ab, da die Bundeswehr-»Marder« sowohl an der sogenannten NATO-Ostflanke als auch für Übung und Ausbildung im Einsatz seien. Zudem bezweifelt das Ministerium, dass die ausrangierten Rheinmetall-»Marder« schnell wieder fit gemacht werden können. Wie Bild am Sonntag berichtete, hat sich das Verteidigungsministerium die Panzer bisher nicht angesehen, um den Zustand und den Inspektions- und Wartungsbedarf einschätzen zu können. Demnach fragte Rheinmetall Ende März beim Ministerium von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) auch den Rückkauf von vier Millionen Schuss »Marder«-Munition an, um diese an die Ukraine liefern zu können – bisher ohne Antwort.

Einem anderen Zeitungsbericht zufolge liegt der Ukraine zudem ein milliardenschweres Angebot für die Lieferung von 100 Panzerhaubitzen vom Typ »2000« vor. Wie die Welt am Sonntag unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter der Regierung in Kiew berichtete, bietet der Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) der Ukraine die Lieferung der Panzerhaubitzen an. Einschließlich Ausbildungspaket und Ersatzteile haben sie einen Wert von 1,7 Milliarden Euro. Die Offerte sei bereits auf Arbeitsebene an die Bundesregierung übermittelt worden.

Die Lieferung soll dem Bericht zufolge nach den Vorstellungen der Ukrai­ne in einem Ringtausch erfolgen. Die Bundeswehr soll Kiew demnach 100 ihrer Haubitzen kurzfristig zur Verfügung stellen. Wie es von namentlich nicht genannten Vertretern der ukrai­nischen Regierung mit Verweis auf das Angebot von KMW hieß, könnten die ersten neuen Haubitzen 30 Monate nach Vertragsunterzeichnung geliefert werden, also frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2024. Die komplette Lieferung wäre erst 2027 abgeschlossen.

Panzerhaubitzen ähneln Panzern und stehen bei einem Gefecht in der Regel nicht in der ersten Reihe. Panzer müssen an feindliche Ziele heranrücken, Haubitzen feuern Dutzende Kilometer weit. Unklar ist derzeit, über wie viele Haubitzen die Bundeswehr verfügt. Zahlen aus den vergangenen Jahren liegen dem Bericht zufolge bei etwa 120 Stück. (AFP/jW)

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Reinhard L. (10. April 2022 um 20:00 Uhr)
    Panzerhaubitzen ähneln Panzern und stehen bei einem Gefecht in der Regel nicht in der ersten Reihe. Panzerhaubitzen sind die Nachfolger der alten Sturmgeschütze: schwere Bewaffnung, aber unbeweglich. D.h. sie müssen in Richtung des anvisierten Ziels stehen, anders als der Panzer, der seinen Turm drehen kann. Ob sie irgendwie ähnlich aussehen – so ähnlich dann natürlich auch wieder nicht – , ist demgegenüber zweitrangig.

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