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Aus: Ausgabe vom 09.04.2022, Seite 4 / Inland
Politische Landschaftspflege

Teure Tickets

Hamburg: 21.600 Euro Strafe für Exbezirkschef wegen Annahme von Rolling-Stones-Freikarten
Von Kristian Stemmler
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Rolling-Stones-Fan und Exbezirksamtsleiter Harald Rösler im Gerichtssaal (Hamburg 8.4.2022)

Kurz vor dem G20-Gipfel im Juli 2017 in Hamburg verbot der Bezirk Nord ein Camp von etwa 10.000 Aktivisten im Stadtpark – mit Verweis auf den Schutz der Grünanlage. Nur wenige Wochen später durfte die Rockseniorenkombo Rolling Stones ein Open-Air-Konzert in dem Park geben. Wenig überraschend ruinierten die rund 82.000 Besucher den Rasen der großen Festwiese. Warum die Behörden offenbar dem Veranstalter des Konzertes, der Firma »FKP Scorpio«, so gewogen waren, wurde später deutlich, als die sogenannte Ticketaffäre hochkochte. Der damalige Bezirkschef Harald Rösler (SPD) hatte vom Veranstalter 300 Kauf- und 100 Freikarten bekommen, die er eifrig an Mitarbeiter zur Belohnung für geleistete Dienste weiterreichte.

Am Freitag hat das Landgericht Hamburg Rösler nach einem viermonatigen Prozess zu einer Geldstrafe von 21.600 Euro verurteilt. Sein Stellvertreter bekam eine Geldstrafe von 12.100 Euro aufgebrummt. Zwei Konzertveranstalter, denen die Anklage Bestechung vorgeworfen hatte, wurden freigesprochen. Der frühere Bezirkschef habe sich durch die Annahme und Weitergabe der 100 Tickets der Vorteilsannahme und -gewährung schuldig gemacht, erklärte der Vorsitzende der Strafkammer, Sönke Pesch, in seiner Urteilsbegründung.

Die Staatsanwaltschaft hatte für Rösler als Hauptangeklagten elf Monate Haft auf Bewährung gefordert. Für seinen damaligen Stellvertreter hatte die Anklagevertreterin wegen Beihilfe eine Geldstrafe in Höhe von 13.200 Euro beantragt. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden. Von den Hauptvorwürfen der Bestechlichkeit und Untreue wurde der 72 Jahre alte Rösler freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte dem früheren Bezirkschef zuerst vorgeworfen, er habe den Stadtpark damals viel zu billig vermietet, um im Gegenzug die Freikarten zu bekommen. Das hatte die Anklagebehörde aber zum Ende des Prozesses bereits zurückgenommen.

In der Ticketaffäre waren bereits zwei hohe Beamtinnen verurteilt worden, ohne dass die Urteile bislang rechtskräftig wurden. Das Amtsgericht Hamburg hatte am 26. August 2021 eine Dezernentin aus dem Bezirksamt Nord wegen Vorteilsannahme und der Verleitung Untergebener zu einer Straftat zu einer Geldstrafe von 13.800 Euro verurteilt. Die 56jährige habe zwei Freikarten angenommen und geduldet, dass auch vier ihr unterstellte Fachamtsleiter Freikarten annahmen, hieß es damals im Urteil. Der Prozess habe gezeigt, so erklärte der Richter damals, dass in der Führungsetage des Bezirksamtes Hamburg-Nord damals das Gespür dafür abhanden gekommen sei, was man als Beamter oder Beamtin annehmen dürfe.

In einem ersten Verfahren war Ende 2019 bereits eine ehemalige Staatsrätin zu einer Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen von je 170 Euro verurteilt worden. In der Affäre hatte die Hamburger Staatsanwaltschaft zeitweise gegen mehr als 20 städtische Bedienstete und Mitarbeiter des Konzertveranstalters »FKP Scorpio« ermittelt. Die Mehrzahl der Ermittlungen wurde eingestellt.

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