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Aus: Ausgabe vom 05.04.2022, Seite 2 / Ausland
Tödliche Fluchtroute

Aufschrei bleibt aus

Mehr als 90 Asylsuchende sterben in Mittelmeer. Kritik an Doppelmoral der EU
Von Ina Sembdner
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Warten auf Hilfe auf dem Mittelmeer vor Libyen (28.1.2022)

Während 129 Nigrer am Montag mit Hilfe der Internationalen Organisation für Migration (IOM) aus Libyen in ihr Heimatland zurückgekehrt sind, haben am Wochenende Dutzende Asylsuchende ihre Flucht aus dem Kriegsland über das Mittelmeer mit dem Leben bezahlt. »Etwa 96 Menschen starben im Wasser«, sagte die Besatzung eines Tankers laut einer Abschrift des Logbuchs. Über den Austausch zwischen dem Tanker und der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichtete AFP am Montag. Den Angaben zufolge rettete der Öltanker »Alegria 1« nur vier Überlebende von einer im Wasser treibenden Rettungsinsel. Die Überlebenden hatten bereits am Sonnabend berichtet, dass sie mindestens vier Tage auf einem mit rund 100 Menschen völlig überfüllten Boot unterwegs waren, welches dann sank.

Als Reaktion auf die Nachricht kritisierte der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks, Filippo Grandi, am Sonntag nachmittag die Doppelmoral der EU gegenüber Schutzsuchenden: »Europa hat bewiesen, dass es in der Lage ist, vier Millionen Flüchtlinge aus der Ukrai­ne großzügig und effektiv aufzunehmen«, schrieb er auf Twitter. »Es muss nun dringend darüber nachdenken, wie es dies auf andere Flüchtlinge und Migranten anwenden kann, die in ihrer Not an seine Türen klopfen.«

Aber Brüssel ist sehr effektiv, wenn es darum geht, Menschen in »echte« und »unechte« Kriegsflüchtlinge einzuteilen. So war aus der EU-Zentrale kein Wort zu dem neuerlichen »Unglück« zu vernehmen – seit Anfang des Jahres starben auf der Flucht über das Mittelmeer laut IOM bereits 367 Menschen oder gelten als vermisst.

Für die Überlebenden, die »dringend Schutz und Versorgung« bräuchten, forderte Ärzte ohne Grenzen, dass keiner von ihnen an einen Ort zurückgeschickt werden sollte, »an dem ihm Inhaftierung, Missbrauch und Misshandlung drohen«. Erst vergangenen Mittwoch zeichneten von der obersten UN-Menschenrechtsorganisation beauftragte Ermittler ein düsteres Bild der Situation von Asylsuchenden in Libyen. Sie sollten Behauptungen über Massengräber in einem Zentrum für Menschenhandel im Nordwesten des Landes nachgehen. Chefermittler Mohammed Auajjar gab zu Protokoll, sein Team habe »übereinstimmende Muster schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen« gegen Asylsuchende in von der Regierung betriebenen Haftanstalten und Zentren des Menschenhandels dokumentiert.

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