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Aus: Ausgabe vom 05.04.2022, Seite 1 / Titel
Krieg in der Ukraine

Was geschah in Butscha?

Moskau wirft Kiew vor, Leichenfunde in der Kleinstadt inszeniert zu haben. Großbritannien verhindert offenbar UN-Sicherheitsratssitzung
Von Reinhard Lauterbach
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Verhinderte Aufklärung: Bereits am Wochenende wurden zahlreiche Opfer in Massengräbern bestattet (Butscha, 3. April)

Russland hat die Verantwortung für die Tötung von Zivilisten in der Stadt Butscha bei Kiew »kategorisch« zurückgewiesen. Kremlsprecher Dmitri Peskow warnte am Montag vor einseitigen Schuldzuweisungen, bevor der Hergang aufgeklärt sei. Er verlangte eine Sitzung des Weltsicherheitsrats, um die Situation zu besprechen. Nach Angaben des Außenministeriums in Moskau hat Großbritannien – es führt derzeit den Vorsitz im Sicherheitsrat – den russischen Antrag auf eine Sondersitzung jedoch abgelehnt. Die frühere UN-Botschafterin der USA, Samantha Power, sagte laut Moscow Times, Russland hätte auf dieser Sitzung ohnehin nur »Empörung vortäuschen« wollen; aber niemand kaufe dem Land dies ab.

In westlichen Hauptstädten wurden weiter Vorwürfe an die Adresse Russlands laut. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte in Brüssel, aus Sicht der EU sei Russland für die Tötung von mindestens 20 Zivilisten in Butscha verantwortlich. Dies müsse auch ein Nachspiel vor einem internationalen Kriegsverbrechertribunal haben. Die EU arbeite »mit Hochdruck« an weiteren Sanktionen. Gefordert werden etwa die Sperrung von EU-Häfen für russische Schiffe und weitere Handelsbeschränkungen.

In der Sache wäre für eine Klärung der Verantwortung erforderlich, vor allem den Todeszeitpunkt der Opfer festzustellen. Dies dürfte sich aber als schwierig erweisen, zumal die ukrainische Seite nach eigenen Angaben bereits am Wochenende zahlreiche Opfer in Massengräbern bestattet und so die Spurensicherung an den Tatorten erschwert hat.

Über das Datum der Räumung von Butscha gehen die Angaben auseinander. Russland will die Stadt bereits am 30. März verlassen haben. Die Ukraine behauptet, am 31. März die russischen Truppen »verjagt« zu haben. Für die Darstellung Moskaus spricht der von ukrainischer Seite an anderer Stelle erhobene Vorwurf, die Russen hätten die Stadt mit Minen und Sprengfallen gespickt. Wären sie »verjagt« worden, hätten sie hierfür wohl keine Zeit mehr gehabt.

Von ukrainischer Seite wurde die »Befreiung« von Butscha am Abend des 31. März gemeldet. Kurz davor war am Donnerstag nachmittag von einer in den USA lebenden Ukrainerin unter Berufung auf ihren Bruder das erste Video mit Toten auf der Straße auf Twitter veröffentlicht worden. Über die Zeit dazwischen gibt es wenig präzise Informationen, wer die Stadt kontrolliert hat. Vom Vormittag des 31. März gibt es ein Video des Sekretärs des Gemeinderats von Butscha mit der Aussage, es seien noch »Saboteure« und »Besatzer in Zivilkleidung« in der Stadt. Die »Säuberung« von Butscha von ihnen sei im Gang, so der Kommunalbeamte. Der Zivilbevölkerung riet er ausdrücklich davon ab, bereits in die Stadt zurückzukehren, es sei »noch unsicher«. Aus der von der Ukraine zurückeroberten Nachbarstadt Irpin hatte der dortige Bürgermeister über eine »Säuberungsaktion« unmittelbar nach dem Abzug der Russen berichtet. Diese Aufgabe wird von einer Sondereinheit der ukrainischen Polizei mit der Bezeichnung »Safari« und einem die Zähne fletschenden Wolf als Abzeichen wahrgenommen. Dieser Einheit könnte der Autor der ersten auf Twitter veröffentlichten Aufnahme angehört haben, da ja Zivilisten noch keinen Zutritt zur Stadt gehabt hätten.

Fragen ergeben sich auch aus der Tatsache, dass einige der Opfer weiße Armbinden trugen und bei einem ein geöffneter ukrainischer Pass gefunden wurde – so, als hätte er gegenüber den ihn Bedrohenden seine Staatsbürgerschaft nachweisen wollen. Zur Funktion der Armbinden gibt es widersprüchliche Darstellungen: Aus der Südukraine ist bekannt, dass die russischen Besatzer diese Armbinden an Menschen verteilt haben sollen, die bereit seien, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Bewohner von Butscha sagten gegenüber Reuters, das russische Militär habe das Tragen der Binden für diejenigen vorgeschrieben, die sich als unbewaffnet zu erkennen geben wollten.

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  • Leserbrief von Urs T. aus Biel, Schweiz ( 8. April 2022 um 09:22 Uhr)
    An Herrn Barz: »Cui bono, wem nutzt es?« zu fragen, ersetzt keine Beweisführung und stellt keine Kausalität her. Um trotzdem eine Antwort zu versuchen: Natürlich würde es dem Kreml vor allem innenpolitisch und teilweise außenpolitisch »helfen« Kriegsgreuel seiner Armee abzustreiten (noch ein zweiter Bruch gegen den Kerngehalt des Völkerrecht wäre evtl. sogar einigen wenigen verbleibenden Verbündeten etwas viel), wie es auch der Ukraine außenpolitisch »hilft« mehr Unterstützung zu bekommen. Sie sehen, die Frage allein bringt uns nicht näher an die Wahrheit, wir sind keinen Schritt weiter. Das müssen unabhängige Untersuchungen zeigen, während die Angehörigen der Toten auf eine Antwort warten.
  • Leserbrief von Jürgen Barz aus Wismar ( 7. April 2022 um 16:22 Uhr)
    Irritationen ohne Ende in einer Welt, die aus den Fugen geraten zu sein scheint.
    Und plötzlich, aus reinem Größenwahn, überfällt Russland die Ukraine? Nun ist uns zwischenzeitlich das Feindbild Russland schon mal abhanden gekommen. Eine peinliche Unaufmerksamkeit der NATO. Das wurden in den letzten Jahren wieder gut gemacht, denn die Russophobie von Politik und Qualitätsmedien brachte es zur Meisterschaft. Das alte Feindbild konnte wieder bearbeitet werden.
    Man kann es den Menschen also gar nicht übelnehmen, wenn sie nun zu der Grunderkenntnis gekommen sind, dass die westliche »Wertgemeinschaft« grundsätzlich die Guten sind, egal für welche Kriegsverbrechen sie sich zu verantworten haben und der Osten oder speziell Russland und China grundsätzlich die Bösen. In vielen US-amerikanischen Filmen wurden das ja schließlich auch bestätigt.
    Krieg war und ist schon immer eine Geißel der Menschheit und muss auch jetzt verurteilt werden, aber nicht nur jetzt, denn es gab doch auch schon vor dieser neuen »Zeitrechnung« Kriege. Benutze ich aber die öffentliche Empörung als Gradmesser, entsteht der Eindruck, dass alle völkerrechtswidrigen und grausamen Kriege zuvor überhaupt nicht aufgefallen sind. Oder wurde beispielsweise dem Ex-Präsident Obama mit dem Friedensnobelpreis vorab die Absolution erteilt?
    Nun wird es auch noch besonders grausam. Die Bilder aus Butscha zeigen es ganz deutlich. Solche Fotos berühren emotional sehr stark und unsere berechtigte Empörung hindert viele Menschen weiter darüber nachzudenken. Hier taucht er wieder auf, der Konflikt zwischen Wahrheit und Lüge. Im ersten Satz der Qualitätsmedien wird noch gesagt, dass korrekte Aussagen zu den Schuldigen nicht möglich sind. Im zweiten Satz heißt es dann aber schon, dass jetzt die Brutalität der Russen grenzenlos ist. Und dann meldet sich auch sofort den Mann zu Wort, der offiziell als deutscher Bundeskanzler gilt. Wie in all den Jahren zuvor sind auch für Herrn Scholz Beweise verpönt, wenn es um Russland geht. Für eine Verurteilung mit der Vorfreude auf Strafmaßnahmen sind nicht zu beweisende Behauptung das bessere Mittel der Wahl. Und tatsächlich, mit dem gleichen Atemzug der haltlosen Behauptungen tönen schon die Forderungen nach schärferen Sanktionen.
    Nun hat die ukrainische Polizei auch noch ein Video veröffentlicht, dass beim Einrücken in Butscha gefilmt wurde. Starke Zerstörungen wurden sichtbar, aber sie haben keine Hinweise auf ein russisches Massaker bestätigten können, da lagen noch keine Leichen auf den Straßen. Nun hoffe ich nur, dass diese Polizisten nicht des Hochverrats beschuldigt werde. Schließlich scheint es so, als hätten sie gewissermaßen auch den deutschen Bundeskanzler der Lüge überführt. Was allerdings die ukrainischen Faschisten machen werden, die ja durch unsere Journalisten nicht gefunden werden können, kann ich nicht einschätzen.
    Es wäre so einfach gewesen, dieser falschen Berichterstattung nicht auf den Leim zu gehen. Jeder unverblendete Mensch würde sich immer erst die Frage stellen: Cui bono, wem nutzt es? Das hätte auch unserem Herrn Scholz helfen können. (...)
  • Leserbrief von Rainer D. aus Magdeburg ( 6. April 2022 um 14:45 Uhr)
    Wie immer wird es nicht bewiesen, sondern behauptet und sofort einseitig und kollektiv verurteilt. Mit Sicherheit ist das eine grausame Tat, die aufgeklärt werden muss. Aber es gibt auch eine Menge Ungereimtheiten auf allen Seiten. Eins ist aber aus meiner Sicht besonders erstaunlich: Es gibt ein Originalvideo der ukrainischen Polizei vom 02.04.2022 (im Moment noch verfügbar unter https://www.npu.gov.ua/news/stoprussia/speczpriznachenczi-naczpolicziji-rozpochali-zachistku-mista-bucha/), als diese bei ihrem Einmarsch in Butscha die Straßen nach Schäden durchkämmt hat. Nirgends sind da die zahlreichen getöteten Zivilisten zu sehen. Die werden in dem Polizeivideo auch in keinster Weise erwähnt. Zu übersehen wären die doch wohl aber kaum gewesen. Das ist irgendwie schon erstaunlich.
  • Leserbrief von Jannes aus Berlin ( 6. April 2022 um 10:58 Uhr)
    Als ich gestern die Zeitung aufschlug und diesen Aufmacher las, hat sich mir fast der Magen umgedreht. Allein der Anfang des Artikels zeigt ja, wo die Reise hingeht. Auf die Frage »Was Geschah in Butscha?« folgt, »Russland hat die Anschuldigungen zurückgewiesen«. Das beantwortet die Frage in keiner Weise. Ich bin ja kein Journalist, aber ich hätte an dieser Stelle eine Aufzählung der gesicherten Fakten erwartet. Wie viele sind gestorben? Wer? Wo? Wann? Wann gab es die ersten Meldungen darüber? Wer hat zu dieser Zeit das Gebiet kontrolliert? Was behaupten die beiden Kriegsparteien? Etc. Wenn man schon hauptsächlich Zweifel sät, könnte man wenigstens erwähnen, dass es diese Satellitenbilder gibt, die durchaus Zweifel an der russischen Darstellung zulassen. Oder die Berichte über verminte Leichen. Herr Lauterbach scheint ja sonst so Stolz auf die Fähigkeiten der russischen Minenleger zu sein. Ich kann nicht nachvollziehen, warum hier derart für Russland Partei ergriffen wird. Es ist richtig, sich nicht von der allgemeinen Kriegsstimmung ergreifen zu lassen. Muss man sich deshalb auf die Seite Putins schlagen, der ja explizit gesagt hat, was er mit der Ukraine vorhat? Ist die Dekommunisierung der Ukraine nun die Linie der jW? Ich verstehe auch nicht, wie die Redaktion der jw die widersprüchliche Haltung aushält, innenpolitisch kritisch gegenüber beispielsweise Polizeigewalt zu sein, die Pressemeldungen der Polizei nicht für bare Münze zu nehmen und dann so einen Artikel zu veröffentlichen. Statt etwas Mitgefühl für die Opfer zu zeigen, sorgt man sich in dieser Zeitung offenbar eher darum, wie die Sache die Russen aussehen lässt. Ich hoffe, dass Sie Ihre Haltung in diesem Krieg überdenken, und die Lügen beider Seiten so gut es geht entlarven.
  • Leserbrief von Matthias Sommer ( 5. April 2022 um 18:31 Uhr)
    Rufmord! Was hier stattfindet ist (west)-globaler Rufmord. Die verbale Vernichtung eines Volkes. Der Schuldige steht längst fest. Die »Beweise« liegen längst vor. Die Aufklärung vertraut man dem Täter an ... Das ist so »rechtsstaatlich«, als hätte man den Nationalsozialisten die Aufklärung der Judenvernichtung übertragen. Eine Niedertracht, welche nur Lumpen fertigbekommen. Eine Tatsache lässt jedoch hoffen: Auch das haben die Juden überlebt!
  • Leserbrief von Peter Richter aus Kiel ( 5. April 2022 um 18:04 Uhr)
    Ich bin seit über 40 Jahren Mitglied des VVN-BdA und werde dies als überzeugter Antifaschist auch bleiben. Meine Mitgliedschaft in PDS/Linke habe ich allerdings vor einigen Tagen nach 25 Jahren beendet – was Genossinnen wie Dagdelen etc. über Ukraine sagen, ist für mich nicht zu ertragen. Und euch, die junge Welt, muss ich nun auch verlassen, als treuer Leser. Ich ertrage euren blinden Antiimperialismus nicht mehr, der den liberalen Westen mehr hasst als den russischen Neokolonialismus. Ihr denkt euch eine Welt zu recht, die nicht mehr meine ist. Das macht mich traurig und voll Scham, weil Putins Lügen eben doch auch auf meine eigenen politischen Lebenslügen hinweisen. Trotz alledem: Mein Kampf gegen den Faschismus geht weiter – aber nicht mehr mit euch.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erwin T. aus Mannheim ( 7. April 2022 um 22:38 Uhr)
      Der »liberale Westen« hat 1999 78 Tage lang Serbien bombardiert, ab 2001 Afghanistan zerstört, ab 2003 den Irak, ab 2011 Syrien. Alle Kriege begannen mit Lügen und wurden von Lügen begleitet. 2014 haben die USA die Ukraine in einem blutigen Putsch (Scharfschützen erschossen 100 Demonstranten und Polizisten, um es Präsident Janukowitsch in die Schuhe zu schieben) in die Hand bekommen und echte Faschisten (Anhänger Stepan Banderas) an die Schaltstellen der Macht im Sicherheitsapparat, Geheimdienst, und Militär gebracht. Die NATO hat die faschistischen Banden ausbildet und bewaffnet, weil sie als extreme Nationalisten Russenhasser sind. Sie haben alle Ukrainer mit Russisch als Muttersprache verfolgt, zum Teil auch gefoltert und ermordet, und den Donbass die ganze Zeit seit 2014 mit Artillerie und Raketen beschossen. Russisch wurde aus der Öffentlichkeit verbannt. Was nützt einem die jW, wenn man sie gar nicht liest.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred G. aus Hamburg Alton a ( 7. April 2022 um 19:49 Uhr)
      Wie man sieht, ist Antifaschismus nicht gleich Antiimperialismus. Antifaschismus in der BRD ist gegenwärtig ein Gemenge aus bürgerlichen Moralvorstellungen, selbstgebastelten Ideen und Überzeugungen. Antifaschismus ohne Marxismus und Antiimperialismus ist bürgerlicher Antifaschismus. Dieser bürgerliche Antifaschismus kann sich sehr leicht in Faschismus wandeln.
  • Leserbrief von Lothar Böling aus Düren ( 5. April 2022 um 15:36 Uhr)
    Am 28.03.2022 warnte die US-Marionette Selenskij seine Landsleute bei tagesschau.de vor einer Kollaboration mit den Russen. Am 01.04.2022 erklärte er dann lauthals »Jetzt habe ich keine Zeit, mich um all die Verräter zu kümmern. Aber nach und nach werden sie alle bestraft.« Und am 02.04.2022 dann: »Meine Botschaft an sie ist einfach: Die Verantwortung für die Kollaboration ist unausweichlich.« Einige ukrainische Bürgermeister hatten keinen Widerstand geleistet, ihre Städte kampflos übergeben. So der Bürgermeister Serhij Chortyw von Rubischne. Er hatte die ukrainischen Truppen aufgerufen, die Waffen niederzulegen. Das erinnert an die Endphase des Zweiten Weltkriegs, als Nazi-Wehrwölfe deutsche Bürgermeister mordeten, weil sie ihre Stadt kampflos übergeben hatten. Wie 1945 der Aachener Oberbürgermeister Franz Oppenhoff. Und heute? Da unterstützt Deutschland die Ukraine, damit sie in aller Ruhe ukrainische Kollaborateure morden kann. Auch das Vokabular erinnert an Nazi-Greuel-Propaganda. In Butscha dürfte es daher kaum anders gelaufen sein. Von der ukrainischen Sonderpolizei namens »Safari« erschossen, will man dies den Russen in die Schuhe schieben. Doch viele der Erschossenen trugen nachweislich weiße Armbinden, das Erkennungszeichen der Russen. Man hatte vergessen den Toten die Armbinden abzunehmen. Alles wie damals, bei der SS-Mörderbande.
  • Leserbrief von Frank Weser aus Schwarzheide ( 5. April 2022 um 14:24 Uhr)
    Wenn man ihre Artikel und auch die Lesermeinungen liest, fällt eines auf, nämlich der völlige Mangel an Mitgefühl und Empathie mit den Opfern des Massakers. Da werden Männer, Frauen und wahrscheinlich auch Kinder ermordet und das einzige über was schwadroniert wird, sind (absurde) Spekulationen über die Beteiligung ukrainischer Kräfte von Armee und Geheimdienst an diesem Gemetzel. Dies wird noch bitterer, wenn man in der selben Zeitung nahezu täglich Berichte über tote Flüchtlinge, die NSU-Toten oder Opfer von Polizeigewalt studieren kann, dies aber in einer ganz anderen Form. Festzustellen bleibt, für »euch« gibt es sie, die »guten« Toten, die anderen sind unwichtig.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralf S. aus Gießen ( 5. April 2022 um 20:24 Uhr)
      Wieso sollten »wir« (also die Russenfreunde, nehme ich an, meinen Sie also mit "euch"), kein Mitgefühl mit den Toten haben? Nach »unserer« Lesart, waren das womöglich ukrainische Kollaborateure, die mit den russischen Truppen zusammengearbeitet haben und dafür von ukrainischen Nationalisten erschossen wurden. Für »Russenfreunde« wie uns wären das ja »gute« Tote, weil sie auf Seiten der Russen standen, also ihrer Denke folgend. Bleibt zu hoffen für Sie, dass die Version nicht stimmt, denn ansonsten würden Sie mit ihrem »Mitgefühl« und ihrer »Empathie« womöglich »Russenknechte« betrauern, die mit der »verbrecherischen« russischen Armee zusammengearbeitet haben und für die Sie, schließe ich aus ihrem Kommentar, nicht ganz so viel Empathie haben dürften, wie für die (nationalistischen) Ukrainer, die offene Neofaschisten zu »Helden der Ukraine« küren, wie Dmitri Kotsyubaylo, ein Kämpfer des rechtsextremen »Rechten Sektors«, der gerade erst im Dezember letzten Jahres von Selenskij persönlich den Orden verliehen bekommen hat. Die höchste nationale Auszeichnung der Ukraine, verliehen an einen Neonazi.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Thomas K. aus Hannover ( 5. April 2022 um 16:50 Uhr)
      Diese ganzen Artikel, die die Junge Welt seit 75 Jahren zum Antifaschismus schreibt, sind natürlich nur deshalb geschrieben worden, um uns völlig unkritische Leserschaft auf die Seite vom Russen zu ziehen. Auch die Artikel über die Hintergründe des Ukraine-Konflikts sind von Putin persönlich bezahlt, der ja bekanntlich Einzeltäter ist wie anno dunnemals Adolf. Putin hat mit seiner niederträchtigen und hinterhältigen Art und Fotos auf dem Pferdchen sein ganzes Volk geknechtet und strebt jetzt die Weltherrschaft an.
      • Leserbrief von Dirk Sch. aus Berlin ( 5. April 2022 um 18:30 Uhr)
        Ja, hat er: 18.000 Verhaftungen bei Antikriegsdemos! Anschläge auf Regimegegner! Verbot aller kritischer Medien! Wenn das keine Knechtung des eigenen Volkes ist!
      • Leserbrief von Onlineabonnent/in Marian R. ( 5. April 2022 um 17:24 Uhr)
        Sehr geehrter Herr K., nur weil das eine stimmt, muss das andere eben nicht automatisch stimmen – das meinte der Leserbriefschreiber. Fakt ist: Menschen wurden ermordet. Es ist »Asow«-Mördern zuzutrauen und ja, natürlich auch russischen Kriegsverbrechern! Auch im Zuge der Befreiung 1945 kam es hunderttausendfach zu Vergewaltigungen und Greueltaten an der deutschen Zivilbevölkerung; so wurde leider auch das Bild der Roten Armee in Deutschland geprägt und spielte den Bonner Antikommunisten und Altnazis in die Hände. Gerade weil wir die Täterschaft hier weit entfernt nicht feststellen können, dürfen wir uns als Gemeinschaft der Leser und Produzenten der jW auch nicht vorschnell auf eine Täterschaft festlegen. Denn sonst begehen wir den Fehler, den Sie und andere zu Recht den westlichen Medien usw. vorwerfen.
  • Leserbrief von Dirk Sch. aus Berlin ( 5. April 2022 um 13:05 Uhr)
    Die russische Armee war noch nie zimperlich im Umgang mit zivilen Kollateralschäden in kriegerischen Auseinandersetzungen: Tschetschenien, Syrien und jetzt die Ukraine! Es spricht vieles dafür, dass Russland und die Verantwortlichen vor Scham sehr, sehr tief in den Boden versinken sollten. Eine Verharmlosung des Geschehens in den Leserbriefen ist peinlich! Das ist nicht links, das ist reaktionär und menschenverachtend!
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralf S. aus Gießen ( 5. April 2022 um 20:01 Uhr)
      »Die russische Armee war noch nie zimperlich im Umgang mit zivilen Kollateralschäden in kriegerischen Auseinandersetzungen«? Da ist erstens anzumerken, dass, wer völlig kritiklos der westlichen Berichterstattung heute folgt, natürlich auch alles geglaubt hat, was über die russische Kriegsführung in Syrien berichtet wurde. News Flash: Krieg ist nicht schön und es gibt keinen sauberen Krieg, bei dem es nicht auch zivile Opfer gibt. Aber ich bin mir sicher, die amerikanischen »Präzisionswaffen« in deren zahlreichen militärischen Aggressionen waren viel humaner. Bzw. die zivilen Opfer westlicher Kriegsführung sind immer nur bedauerliche Versehen, während beim Russen natürlich immer alles zielgerichtete Barbarei ist. Und wieso zählen Sie eigentlich nicht auch Deutschland auf bei den Opfern ziviler Kollateralschäden der russischen Armee? Ist zwar schon etwas länger her, aber haben »wir« nicht auch schrecklich gelitten? Wer so naiv ist, den fundamentalen Grundsatz, dass nämlich die Wahrheit im Krieg zuerst stirbt, zu ignorieren, argumentiert unredlich. Aber bitte, reihen Sie sich ein in die vaterländische Front und verteidigen Sie unser Vaterland, Hand in Hand mit AfD-Rechtsradikalen gegen den Ivan, wenn das für sie »links« ist. Alle Klassen und Parteien vereint gegen einen gemeinsamen, äußeren Feind, da wird einem richtig warm ums Herz bei so viel nationaler Geschlossenheit.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Christoph V. aus 53227 Bonn ( 5. April 2022 um 17:36 Uhr)
      Welche Armee war das je. Das ist richtig. Aber die russische Armee insbesondere? Wirklich? Da empfiehlt sich bodycounting. Cui bono? Die Frage wird man ja noch stellen dürfen. Lauterbach beleuchtet diverse verschiedene Sichtweisen und Aspekte. Das ist guter Journalismus. Die »westliche« Bewertung mit ihrer höheren Moral zur Wahrheit per se zu erheben, ist halt Antiaufklärung oder PR. Die völlige Skrupellosigkeit der ukrainischen Seite, dieses Regimes und seiner Paramilitärs und Todesschwadronen ist ja nun hinlänglich belegt. Und Racak als Blaupause mit diversen zur Bilderproduktion beschossenen Märkte in Bosnien? So was gibts. Sorry.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Thomas K. aus Hannover ( 5. April 2022 um 16:30 Uhr)
      Es ist also nicht links und menschenverachtend wenn man in der allgemeinen Hysterie, die hier in den Mainstreammedien herrscht, schlecht gemachte Propagandavideos anzweifelt. Die Videos von dem Bürgermeister von Butscha und von der ukrainischen Polizei wurden natürlich vom Russen gefaked? Die Fotos, die Klitschko mit »Asow«- Anhängern zeigen, sind vom Russen gefaked? Die Holocaustrelativierung Selenskijs gegenüber der israelischen Regierung von Russen gefaked? Übrigens das Wetter ist in den letzten Tagen sehr schlecht ...
      • Leserbrief von Dirk Sch. aus Berlin ( 5. April 2022 um 18:20 Uhr)
        »[S]chlecht gemachte Propagandavideos« – das ist zynisch, menschenverachtend, reaktionär und so was von weit weg von links! Sie unterstützen ein großimperialistisches Streben eines Kriegsverbrechers! Es ist so beschämend für so ein großartiges Land und die linke Idee!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralf S. aus Gießen ( 4. April 2022 um 21:28 Uhr)
    Da ich kein Journalist bin, kann ich frei von der Leber spekulieren. Was Herr Lauterbach anführt – der Gedanke kam mir auch. Es ist ja bekannt, dass sich die Ukrainer an Kollaborateuren rächen wollen. Selenskyj selbst hat markige Worte benutzt, als er mit »hartem Vorgehen« gegen Kollaborateure gedroht hat. Natürlich muss das nicht heißen, dass die überall an Ort und Stelle erschossen werden, nur wird man sich ausmalen können, dass sich auf den unteren Ebenen hier und da der Zorn gegen die Landesverräter durchaus auch ohne Gerichtsverhandlung entladen kann. Russlandfreundliche Ukrainer wurden auch schon vor dem Krieg gerne als »Russenknechte« verunglimpft, der Hass auf sie wurde durch den Angriff Russlands nur noch verstärkt. Von daher ist der Gedanke, dass manche ukrainische »Patrioten« die Gelegenheit des Kriegszustandes nutzen, sich dieser »volksfeindlichen« Elemente zu entledigen, nicht gänzlich abwegig. Erst Recht, wenn man die Leichen hinterher den Russen in die Schuhe schieben kann und zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, denn das ganze ist ja auch ein Informations- und Propagandakrieg, in dem normalerweise alle Seiten lügen. Die Verteidiger wähnen sich freilich im moralischen Recht, es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen zu dürfen (es ist ja für den guten Zweck). Wie gesagt, ich spekuliere und arbeite nur mit Informationen aus zweiter und dritter Hand. Das Problem ist, dass man die Wahrheit wohl gar nicht mehr herausfinden können wird. Für den Westen ist klar, wer der Schuldige ist. Die Ermittlungen vor Ort, die jetzt in den Händen der Ukrainer liegen, werden garantiert nicht ergebnisoffen geführt. Die Scharfschützen vom Maidan 2014 laufen ja auch immer noch frei herum ... Die Bewertung des Vorgangs wird wieder entlang der Konfliktparteien erfolgen und in den medialen Resonanzräumen auch dem jeweiligen Publikum vermittelt. Entsprechend werden wohl die meisten Deutschen der westlichen Bewertung folgen und in Russland wird man es ganz anders sehen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralf S. aus Gießen ( 4. April 2022 um 21:16 Uhr)
    Das ganze wirkt in der Tat wie eine konzertierte Propagandaaktion, bei der die ukrainische Seite den ihr wohlgesonnenen »internationalen« (also westlichen) Medien die Bälle zuspielt, die diese bereitwillig verarbeiten. Was könnte der Ukraine und dem Westen denn besseres passieren, im Propagandakrieg, als (vermeintliche) für jedermann offensichtliche, schreckliche Kriegsgreuel der Russen, die sie der Welt präsentieren können? Weil diese ihnen den Gefallen tun, das alles auf dem Präsentierteller zurückzulassen. Was natürlich nicht zwingend bedeutet, dass es nicht tatsächlich russische Kriegsverbrechen gewesen sein können. Nur, man könnte sich eben fragen, warum die Russen ein Massaker anrichten und nicht mal versuchen, die Spuren zu verwischen. Hinzu kommen die Überbietungen von ukrainischer Seite, was das Ausmaß der Unmenschlichkeiten angeht, von der »bloßen« Erschießung von Zivilisten bis hin zur angeblichen Abtrennung von Gliedmaßen, Folterungen, Erschießung von Kindern und Alten und systematischen Vergewaltigungen samt anschließender Ermordung und dem Zurücklassen der nackten Frauenleichen im Straßengraben (das rassistische Stereotyp vom tiergleichen, russischen »Untermenschen« aus Zeiten der Nazipropaganda lässt grüßen. Auch sind die Vorwürfe von Massenvergewaltigungen ja ein altes Lieblingsthema derjenigen, die den Sieg der Russen gegen Deutschland beschmutzen wollen). Es wirkt wie ein Überbietungswettbewerb der Barbareien. Inklusive der Vergleiche mit Srebrenica und erneuten Anschuldigungen des Genozids. Das fällt in weiten Teilen der westlichen Öffentlichkeit natürlich auf fruchtbaren Boden, die verinnerlicht hat, dass die Russen böse sind und man daher keinen Grund sieht, das ganze zu hinterfragen. Und die Sau wird ja gewaltig durch die Medien getrieben und von den Scharfmachern genutzt, weitere Sanktionen zu fordern bzw. erneut den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen, ein sofortiges Rohstoffembargo in Kraft zu setzen, wogegen sich die BRD-Eliten ja noch sperren.
    • Leserbrief von R. Franz aus Berlin ( 7. April 2022 um 15:51 Uhr)
      Wohnhäuser plattmachen, 80 Prozent der zivilen Infrastruktur in Mariupol zerstören ohne Rücksicht auf zivile Opfer, reichen mir eigentlich schon, um die Verbrechen der Russen Kriegsverbrechen zu nennen. Butscha passt da nur zu gut, und es kommen ja täglich neue Gräueltaten ans Licht. Man kann jetzt natürlich an Verschwörung glauben, das ist nicht verboten, aber dann kann man auch annehmen, dass die Erde eine Scheibe und der Mond ein Eierkuchen ist.
    • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin ( 5. April 2022 um 17:28 Uhr)
      Wie zivilisiert waren dagegen doch die »alten Römer«. Bei ihnen galt wenigstens noch der Rechtsgrundsatz »audiatur et altera pars«; es soll auch die andere Partei gehört werden. Und heute?

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