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Aus: Ausgabe vom 25.03.2022, Seite 8 / Ansichten

Schulterkraxlerin des Tages: Annalena Baerbock

Von Arnold Schölzel
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Am Mittwoch starb die frühere US-Außenministerin (1997–2001) Madeleine Albright im Alter von 84 Jahren. Noch am Abend twitterte Annalena Baerbock: »Mit Haltung, Klarheit und Mut stand Madeleine Albright als erste US-Außenministerin ein für Freiheit und die Stärke von Demokratien. Mit ihr verlieren wir eine streitbare Kämpferin, wahre Transatlantikerin und Vorreiterin. Auch ich stehe heute auf ihren Schultern.«

Einige Twitter-Kommentatoren erinnerten die deutsche Außenministerin an das, was sie von dort aus sehen kann. Sie zitierten u. a. einen Freitag-Artikel von Mohssen Massarrat aus dem Jahr 2003 über Irak-Sanktionen: »Die Äußerung von Außenministerin Madeleine Albright von 1996, dass der Tod von über einer halben Million Menschen (Opferzahl zu diesem Zeitpunkt) ein ›angemessener Preis‹ für die Aufrechterhaltung der Wirtschaftssanktionen sei, war kein Ausrutscher. Briten und Amerikaner haben dank der direkten Aufsicht über das eigens dafür geschaffene Sanktionsbüro in New York sichergestellt, dass alle Berichte über die Embargofolgen der Öffentlichkeit vorenthalten blieben. Zugleich lieferte das State Department den Medien gefälschte Reports über die vermeintliche Rolle des irakischen Regimes.« Zu sehen ist bei Twitter außerdem das Video, in dem die »Vorreiterin« Baerbocks den Tod von 500.000 irakischen Kindern durch Embargo und Bomben mit »es war den Preis wert« rechtfertigte.

Gegen Albright wurde nie wegen Billigung eines Verbrechens ermittelt, schon gar nicht wegen ihres Anteils an der Brutalität des völkerrechtswidrigen NATO-Angriffskrieges auf Jugoslawien 1999 mit der Bombardierung Belgrads und mehrerer Chemiewerke. Wäre Baerbock nicht schon selbst auf Albrights Schultern geklettert – mit dem Vorhaben ihrer feministischen Außenpolitik, Russland zu »ruinieren«, gehört sie dorthin.

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (25. März 2022 um 16:22 Uhr)
    Was den westukrainischen Neofaschisten der Verbrecher Stepan Bandera, ist unserer außenpolitischen Russland-Hasser- und -Hetzerin offenbar die Massen- und Kindesmörderin Madeleine Albright als großes »moralisches Vorbilder«. Das verschlägt einem nicht nur komplett die Sprache. Der bloße Gedanke, dass so jemand bundesdeutsche Außenpolitik betreibt und somit über Krieg und Frieden, also unser aller Zukunft und die unserer Kinder, mitbestimmen können soll, lässt einen geradezu erschaudern und vor Angst erstarren.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralf S. aus Gießen (25. März 2022 um 09:34 Uhr)
    Und wenn ich schon alte, weiße Frauen schelte, kann ich mir einen Seitenhieb auf Arnold Schölzel nicht verkneifen, der als alter, weißer Mann eines der Aufregerschlagworte für alte, weiße Männer, nämlich die sog. »feministische Außenpolitik« in den Kommentar eingebaut hat. Als wäre das »feministisch« in diesem Zusammenhang irgendwie von Bedeutung. Weil Putin ein Mann ist evtl.? Oder Russland ein besonders maskulin auftretendes Land? Wie gesagt, es erschließt sich mir nicht. Jedenfalls haben sich schon Friedrich Merz im Bundestag darüber erregt, die rechteren von der AfD sowieso noch viel mehr. Aber ist ja nichts neues, dass die Eigenheiten von alten, weißen Männern nicht nur bei Konservativen und Rechten zu finden sind. Grüße auch an Oskar Lafontaine, aus aktuellem Anlass.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralf S. aus Gießen (25. März 2022 um 09:20 Uhr)
    Und es gibt noch viel mehr, das den Charakter der Frau offenlegt. Als z.B. 2012 bei der Vorstellung ihres Buches in Prag Aktivisten die Veranstaltung stürmten und Albright mit Fotos von Opfern der NATO-Bombardierungen in Serbien konfrontierten, beschimpfte Albright diese Aktivisten sichtlich emotional und angewidert als »disgusting Serbs« (ekelhafte Serben), was von einer zutiefst rassistischen Weltanschauung zeugt. Ergibt aber natürlich Sinn, denn wenn man in der Weise denkt, dass Völker/Länder als ganzes »böse« seien, ist es natürlich halb so schlimm, wenn irakische Kinder den Sanktionen des Westens zum Opfer fallen, weil sie nun mal zum »Schurkenkollektiv« von Saddam Husseins Irak gehörten. (Wer's selber sehen will, das Video auf YouTube heißt »Madeleine Albright in Prague: «Disgusting Serbs!») Und außerdem ist sie ein Paradebeispiel für die allerdümmste Form von Feminismus, die nämlich darin besteht, die Gleichberechtigung von Frauen dadurch hergestellt zu sehen, dass alles so bleibt wie es ist, mit dem einzigen Unterschied, dass Frauen auch mal ab und zu in Positionen gelangen, in denen sie dieselben Entscheidungen treffen dürfen, die zuvor immer nur Männer getroffen haben (also Kriege anzetteln, den Fortbestand des Kapitalismus und die Dominanz der USA und des Westens sicherstellen, usw.). Der Feminismus der alten, weißen (heterosexuellen) Frauen.

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