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Aus: Ausgabe vom 23.03.2022, Seite 8 / Abgeschrieben

Kliniksterben hält unvermindert an

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Das Bündnis Klinikrettung demonstriert gegen Klinikschließungen (22.2.2022)

In einer Erklärung vom Dienstag protestierte »Gemeingut in BürgerInnenhand« gegen das Schweigen des Bundesgesundheitsministers zur ersten Krankenhausschließung in diesem Jahr:

Am 31. März soll das erste Krankenhaus des Jahres geschlossen werden, die Sana-Klinik Roding im Landkreis Cham. 9.986 Menschen aus der Umgebung wird damit die wohnortnahe stationäre Grundversorgung entzogen. Der Trend zum Abbau von Krankenhäusern setzt sich unter dem neuen Gesundheitsminister ungebrochen fort: Seit Karl Lauterbachs Ernennung am 8. Dezember letzten Jahres wurden bereits zwei Krankenhäuser und etliche Abteilungen geschlossen.

Die Lungenklinik Borstel in Segeberg, Schleswig-Holstein, das Main-Spessart-Klinikum Marktheidenfeld in Bayern sowie die Hauptabteilung Kinder- und Jugendmedizin in der Helios-Klinik in Leisnig schlossen zum 31. Dezember 2021. Anfang 2022 kam das Aus für den Kreißsaal im Ratzeburger DRK-Krankenhaus. Die Geburtshilfe im Krankenhaus in Eckernförde ist schon seit Mitte Dezember 2021 vorübergehend geschlossen, ihre endgültige Schließung steht an. Neben dem Krankenhaus in Roding steht ein weiteres Krankenhaus in Bayern kurz vor dem Aus, die Klinik Schongau. Die Geburtsabteilungen in Preetz in Schleswig-Holstein und im Bethanien-Klinikum im nordrhein-westfälischen Iserlohn sind ebenfalls unmittelbar bedroht.

Laura Valentukeviciute, Sprecherin des Bündnisses Klinikrettung, verurteilt die Schließungen: »Schlag auf Schlag schließen lebenswichtige Stationen und Krankenhäuser. Mit dem Aus für die Klinik in Roding verlieren nun knapp 10.000 Menschen ihr Krankenhaus im unmittelbaren Wohnumfeld. Das ist kein Einzelfall, sondern Teil des bundesweiten Klinikkahlschlags. Und trotz anderslautender Versprechungen lässt Gesundheitsminister Lauterbach genau wie sein Vorgänger die Klinikschließungen weiterhin zu.« (…)

Die GEW Bremen warnte am Dienstag vor dem Aufheben der Maskenpflicht in Schulen:

Die Kinder und Jugendlichen haben in der Pandemie die Hauptlast getragen. Mit voreiligen Öffnungsschritten werden die Lockerungen jetzt wieder auf ihrem Rücken ausgetragen und gehen insbesondere zu Lasten von Kindern und Jugendlichen mit Vorerkrankungen. Ja, es sind nur wenige Kinder und Jugendliche, die schwer an Corona erkranken oder daran sterben. Aber auch hier steigen die Zahlen. Alleine in den ersten zwei Monaten des Jahres 2022 sind in Deutschland nach den wöchentlichen Lageberichten des RKI 19 Kinder und Jugendliche an Corona gestorben, bis Ende 2021 waren es insgesamt 38.

»Seit Aufhebung der Maskenpflicht an den Grundschulen sind an einigen Standorten die Infektionszahlen wieder stark gestiegen, z. T. fehlt dadurch so viel Personal, dass für viele Schüler*innen der Unterricht nicht gewährleistet werden kann und es zu Schulschließungen kommt«, sagt die Landessprecherin der GEW, Elke Suhr. »Auch wir sehnen uns nach dem Tag, an dem sich alle wieder unbeschwert und ohne Maske bewegen und begegnen können, draußen und drinnen. Aber ist es das an dieser Stelle wirklich wert? Wir fordern die verantwortlichen Politiker*innen auf, ihre Verantwortung für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen und an den einfachen Basisschutzmaßnahmen in Form von Masken festzuhalten.«

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