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Aus: Ausgabe vom 15.01.2022, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Minestra di mais con gremolada

Von Maxi Wunder

Der Virologe Christian Drosten wurde vom deutschen Playboy 2021 zum »Mann des Jahres« gekürt. Gemüse des Jahres 2021 war der Mais aus der Familie der Süßgräser. Gekürt wurde er dazu vom »Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt«, der in der Wahrnehmung der FfF-Bewegung als Ökoretter mit ungleich mehr Sexappeal aufwarten kann als das Altherrrenmagazin. Der Mais wird seinen Titel auch im Jahr 2022 erfolgreich verteidigen, was Drosten bestimmt nicht schafft, denn die Zahlen sprechen für das Getreide: Knapp 1,19 Milliarden Tonnen Körnermais pro Jahr werden weltweit von 199,14 Millionen Hektar abgeerntet. Da kann Christian mit seinen fitzeligen PCR-Tests nicht mithalten. Weder mengenmäßig noch funktional. Die Tests sind nicht nur unzuverlässig, sie taugen auch sonst nichts: Man darf sie nicht kochen, nicht rösten, nicht grillen und schon gar nicht explodieren lassen (Popcorn), was mit Mais alles wunderbar geht. Nicht mal ein Süppchen kann man daraus kochen, wie diese hier, die Minestra di mais con gremolada aus der Lombardei:

Zwei Dosen abgetropften Mais zehn Minuten in 750 ml Gemüsebrühe kochen. Im Mixer gut pürieren und anschließend durch ein Sieb streichen. 100 g Schlagsahne mit der Suppe verrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Für die Gremolada (Würzmischung) eine rote Chilischote längs halbieren, entkernen und das Fruchtfleisch fein hacken. Eine Biozitrone heiß abspülen, abtrocknen und ganz dünn schälen. Die Zitronenschale fein hacken. Die abgezupften Blätter eines Bunds glatter Petersilie oder Kerbel fein hacken. Chili, Zitrone und Kräuter mit 50 g gehackten Mandeln und einer zerdrückten Knoblauchzehe verrühren. Die heiße Suppe auf Schälchen verteilen und mit der Gremolada bestreut servieren. Dazu ein Weißburgunder.

Der Mais ist vor etwa 4.000 Jahren v. u. Z. aus Süßgräsern entstanden und kommt ursprünglich aus Mexiko. 1492 gelangte er durch Kolumbus nach Spanien und verteilte sich von dort zunächst über Europa. Hauptexporteure sind heute die USA, China und Brasilien. Man unterscheidet den Zuckermais als Nahrungsquelle für den Menschen vom Futtermais für Tiere. An dem massenhaften Anbau von letzterem, u. a. für die Gewinnung von Agrosprit und Biogas, entzünden sich zur Zeit heftige Debatten: Die »Ver­maisung der Landschaft« durch Maismonokulturen habe negative Auswirkungen auf die Biodiversität. Auch verdränge der Maisanbau in weiten Teilen der Welt den ernährungsphysiologisch wertvolleren Hirseanbau. Außerdem gebe der umfangreiche Maisanbau Wildschweinrotten Unterschlupfmöglichkeiten und Futterquellen.

Durch die umfangreiche Ansiedlung von Schnelltestzentren kommt es in unseren Städten unterdessen zur Förderung der Schlangenpopulation. »Nicht selten entstehen aufgrund der Wartezeiten Pöbeleien und Streitigkeiten«, findet sich dazu auf der Website der Tagesschau. »Man merkt schon, dass die Kunden aggressiver werden (…) An einigen Testzentren in Deutschland wurde inzwischen Sicherheitspersonal angestellt«. So etwas haben Wildschweine nicht nötig. Das kommt von ihrer sozialen Intelligenz.

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