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Hintergrund: Der Erfolg der Sandinistas

Am 19. Juli 1979 beendete die von dem 33jährigen Comandante Daniel Ortega geführte linke Guerillaorganisation »Frente Sandinista de Liberación Nacional« (FSLN) die Herrschaft des Somoza-Clans in Nicaragua, der eines der ärmsten Länder der Region 42 Jahre lang ausgeplündert und jegliche Opposition unterdrückt hatte. Der Diktator hinterließ 50.000 Tote, leere Staatskassen und 1,5 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden, konnte jedoch nie zur Rechenschaft gezogen werden, weil er sich vor dem Sieg der Sandinisten nach Miami abgesetzt hatte.

Die FSLN-Regierung verbesserte zunächst die Gesundheitsversorgung. Die Lebenserwartung, die 1970 bei 51,6 Jahren lag, erhöhte sich bis 1985 auf 62,3 Jahre. Im selben Zeitraum wurde die Säuglingssterblichkeit von 114,8 auf 61,7 je 1.000 Lebendgeborene gesenkt. Im Bildungsbereich konnte die Analphabetenrate, die 1970 noch knapp 43 Prozent betragen hatte, bis 1985 auf 13 Prozent gesenkt werden. Die USA fürchteten ein neues Kuba in Mittelamerika, verhängten Wirtschaftssanktionen und bildeten rechte Contras aus, die einen blutigen Bürgerkrieg begannen, der massenhaft Tote, Kriegsversehrte und Waisen hinterließ. In Folge des CIA-Contra-Krieges und einer kompletten US-Handelsblockade verloren die Sandinisten die Wahlen im Februar 1990 gegen das von 14 rechten Parteien gebildete Bündnis UNO, das von der staatlich finanzierten US-Stiftung NED mit rund elf Millionen Dollar unterstützt worden war. Die neoliberale Regierung strich Sozialprogramme aus der Revolutionszeit. Arbeitslosigkeit und Armut nahmen wieder zu. Nicaragua wurde nach Haiti zum zweitärmsten Land Amerikas.

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Nach einem Wahlsieg über den rechten Gegenkandidaten trat FSLN-Comandante Daniel Ortega am 10. Januar 2007 erneut das Amt des Präsidenten an. Seine Regierung nahm die sozialen Programme wieder auf. 2009 erklärten die Vereinten Nationen Nicaragua zu einem vom Analphabetismus befreiten Land. Als Ortega 2011 mit 62,6 Prozent und 2016 mit über 70 Prozent erneut bestätigt wurde, warf Washington die Maschinerie für einen Regime-Change wieder an. Bei »Protesten«, die im April 2018 mit Demonstrationen gegen eine Reform des Sozialsystems begannen, wurden über 200 Menschen getötet. Bewaffnete Gruppen zerstörten öffentliche Gebäude, warfen Brandsätze auf Radiostationen und verwüsteten mehr als 55 Einrichtungen des Gesundheitswesens. Während die Regierung in Managua von einem Putschversuch sprach, erklärten die USA, westliche Regierungen und Medien die Täter zu oppositionellen Freiheitskämpfern. Doch trotz verschärfter Sanktionen und einer globalen Medienkampagne wurden der mittlerweile 76jährige Ortega und die FSLN am 7. November 2021 mit knapp 76 Prozent der Stimmen abermals wiedergewählt. (vh)

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.01.2022, Seite 3, Schwerpunkt

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