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Aus: Ausgabe vom 13.01.2022, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Linkes Markenzeichen

Zu jW vom 7.1.: »›Wir wollen dieses System nicht heilen, sondern müssen es überwinden!‹«

Wichtiger als der im Auszug erwähnte Konflikt zwischen Jung und Alt und die Mitgliederpflege ist doch wohl dieser Kritikpunkt von Christa Luft an der Partei Die Linke: die »ewige Anbiederei von Spitzenpolitikerinnen und -politikern bei SPD und Grünen, das geradezu fieberhafte Streben, unbedingt auf Bundesebene mitmachen zu wollen« (...). Schade, dass dieses Zitat in der jW verlorenging. Das Anbiedern und Scharwenzeln um die Vertreter des Kapitals und der NATO ist doch inzwischen zum traurigen Markenzeichen dieser an den Parteischalthebeln sitzenden Blender geworden.

Niki Müller, Friedrichstadt

Gut organisiert

Zu jW vom 10.1.: »Kopf oben halten!«

Herzlichen Dank für die große Arbeit, die Ihr für die Rosa-Luxemburg-Konferenz (RLK) geleistet habt. Den ganzen Tag über war zu spüren, welch große Anstrengungen es gekostet hat, das alles flüssig und inhaltlich anspruchsvoll hinzukriegen. (…) Ich denke, die RLK hat für alle Interessierten einen deutlichen Gewinn gebracht. Dennoch sehe ich einen Mangel: Wir wissen viel über das organisierte Vorgehen des großen Kapitals. Aber wir wissen viel zuwenig darüber, was wir tun müssen und wie wir es tun müssen. Der ziemlich perfekten Zusammenarbeit der Monopole kann man sich doch nur entgegenstellen, wenn man den praktischen Zusammenhalt der Massen organisiert, an deren Interessen sich das Kapital vergeht. Es ist unter Linken eine weitverbreitete Illusion, dass sich dieser Zusammenhalt quasi von allein herstellen könnte. Er braucht aber gemeinsame Ziele. Die fallen nicht vom Himmel, sondern müssen hart erarbeitet werden. Er braucht Bildung, Bildung, Bildung, weil man die Welt nur verändern kann, wenn man sie richtig versteht. Und es braucht die Überwindung der Fragmentierung durch linke Rechthaberei. Die Richtigkeit theoretischer Überlegungen misst sich nicht an der Menge beschriebenen Papiers. Sie beweist sich allein an der Wirksamkeit praktischen Handelns. Unser Zusammenhalt braucht straffe Organisation. (…) Um es mit dem bestens organisierten Kapital aufnehmen zu können, muss man mindestens genausogut organisiert sein. Die Frage, wie man das macht, gab es vor über hundert Jahren schon einmal. Es gibt manches zu lernen von dem, was schon damals entdeckt wurde.

Joachim Seider, per E-Mail

Besetztes Gebiet

Zu jW vom 7.1.: »Panzerbeschuss vom Golan«

Auf den Golanhöhen gibt es weder eine israelische Grenze noch ein israelisches Gebiet. Die Annexion dieses syrischen Gebietes ist und bleibt illegal. Sie sollte also nicht durch irreführende Formulierungen faktisch akzeptiert werden! Lediglich eine Demarkationslinie gibt es dort. Über die hinweg beschießen israelische Panzer das nicht besetzte Gebiet. So einfach ist das. Aber wehe, wenn es umgekehrt wäre – da wäre das internationale Geschrei groß.

Volker Wirth, Berlin

Ehrgeiz und Verpflichtung

Zu jW vom 8./9.1.: »Vielschichtige Krise«

All die wirtschaftlich Begünstigten des Regimes in Kasachstan müssen nun folgendes sehen: 1. Russische Fallschirmjäger (und auch Soldaten aus Belarus, Verbände aus Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan und Armenien, die folgen werden) retteten ihr Eigentum (Konten, Firmen, Immobilien, Häuser, Wochenendhäuser) und ihren Allerwertesten (den eigenen und den der Familie). 2. Die Zukunft Kasach­stans heißt Shanghai Cooperation Organisation (zu der neben Russland und China auch Indien und Pakistan und die anderen mittelasiatischen Republiken gehören) und nicht USA und Europa. Russland braucht unbedingt ein noch stärkeres wirtschaftliches Engagement Chinas in Mittelasien (vorher gab es auch etwas Rivalität). 3. Kasachstan hat nicht nur Öl und Gas, sondern üppige Ressourcen. Man wird sie aber entwickeln müssen. 4. Der Westen ist weit weg. Er verlor in diesem Jahr Afghanistan und war in Kasachstan mit Sicherheit im Hintergrund sehr aktiv. Als es aber darauf ankam, war vom Westen nichts zu sehen. 5. Zum ersten Mal seit dem ruhmlosen Untergang der Sowjetunion funktionierten die kollektiven Sicherheitsabsprachen, was ein Novum ist. (...) China hat den großen Ehrgeiz und die Verpflichtung, nicht nur Xinjiang (also jene Provinz, wo die Uiguren die Mehrheit stellen) zu entwickeln, sondern noch viel stärker als zuvor die an Xinjiang angrenzenden Länder, und das sind Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Afghanistan und Pakistan – also mehrheitlich muslimische Länder. China wird in der islamischen Welt eine wachsende Rolle spielen!

Achim Lippmann, Shenzhen/China

Konsequent realistisch

Zu jW vom 10.1.: »Gespräche unter Realisten«

Die Verhandlungen zwischen Russland und den USA – als Gespräche unter »Realisten«? – Als Zwölfjährige hatte ich ein Schlüsselerlebnis, das mich zum ersten Mal über den Unterschied zwischen Realisten und Idealisten nachdenken ließ: Ein Englischlehrer zeigte uns im Rahmen eines Diavortrags über seine Reise durch die USA Bilder von San Francisco, da gab es dort noch die alten Straßenbahnen, die es nicht mehr bergauf schafften, wenn sie vollbesetzt waren. Einige Leute pflegten dann auszusteigen, um sie anzuschieben. So gelangten schließlich doch alle ans Ziel. Kommentar des Lehrers: »Die Idealisten schieben, und die Realisten bleiben sitzen.« – Seitdem frage ich mich immer öfter wie auch bei diesem Artikel: Von welcher »Realität« gehen die Gesprächsteilnehmer aus? (…) Sind nicht eher diejenigen »realistisch«, die aus einer verfahrenen Situation Konsequenzen ziehen und aufgrund der der Menschheit vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse versuchen, in ein anderes Fahrwasser zu gelangen? Sind nicht jetzt diejenigen gefragt, die noch berücksichtigen können, was zum Erhalt unseres Planeten notwendig wäre, und (…) dies in eine nachhaltig verträgliche Realität umsetzen können?

Josie Michel-Brüning, Wolfsburg

Sind nicht jetzt die gefragt, die berücksichtigen können, was zum Erhalt unseres Planeten notwendig wäre, und dies in die Realität umsetzen können?

Zeitung für Internationale Solidarität

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  • Leserbrief von hto aus Gemeinschaftseigentum (13. Januar 2022 um 16:41 Uhr)
    »Sind nicht jetzt die gefragt, die berücksichtigen können, was zum Erhalt unseres Planeten notwendig wäre, und dies in die Realität umsetzen können?« Mensch (also alle) kann das, es muss aber konsequent-kompromisslos eine globale Realität auf der Basis eines unkorrumpierbaren Menschenrechts auf kostenlose Nahrung, mietfreies Wohnen und ebenso kassen-/kostenlose Gesundheit sein – Zusammenleben ohne wettbewerbsbedingte Symptomatik mit Steuern zahlen, ohne »Freiheit« zu unternehmerisch-spekulativen Abwägungen, ohne Regierungen nach »demokratischen« Vorstellungen von parlamentarisch-schizophrenem Marionettentheater usw., denn wenn grundsätzlich alles allen gehören darf, so dass »Wer soll das bezahlen?« (...) keine Macht mehr hat, kann alles wirklich-wahrhaftig und zweifelsfrei-eindeutig nachhaltig organisiert werden, ohne Angst vor Gerichtsvollzieher, Arbeitslosigkeit, Krieg und Pandemien, die den Verlust von materialistischer »Absicherung« bedeuten.