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Aus: Ausgabe vom 07.01.2022, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Unruhen in Kasachstan

Netzshutdown und Kryptogeld

Unruhen in Kasachstan: Digitale Kommunikation stark eingeschränkt – mit Folgen auch für das Bitcoin-Netzwerk
Von Matthias Monroy
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»Verbindungen gestört«: Mann mit Handyempfang am Donnerstag beim Sitz des staatlichen Fernsehsenders in Almaty

Die Massenproteste gegen gestiegene Treibstoffpreise in Kasachstan haben Auswirkungen auf die digitale Kommunikation in der ehemaligen Sowjetrepublik. Am zweiten Tag in Folge war das Internet am Mittwoch komplett abgeschaltet, die Mobilfunktelefonie war gestört. Auch einige kasachische Fernsehsender haben ihren Betrieb zeitweise eingestellt.

Der Hintergrund der Einschränkungen ist unklar. Allerdings liegt nahe, dass die Regierung damit die Verabredung zu weiteren Protesten verhindern will. Dafür spricht der Umstand, dass die Internetdienste am Mittwoch vorübergehend wieder hochgefahren wurden, als der Präsident Kassym-Jomart Tokajew eine Ansprache hielt, in der er die Demonstrierenden als »terroristische Banden« bezeichnete und ankündigte, die von Russland geführte Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit um Hilfe zu bitten. Wenige Stunden nach der Rede sank die Konnektivität des Landes wieder auf Null.

Es wäre nicht die erste Maßnahme dieser Art in dem Land. Die kasachischen Behörden haben das Internet zuvor beispielsweise bei mehreren Wahlen und am nationalen »Tag des Sieges« limitiert. Den jetzigen Ausfall hat die Organisation Netblocks dokumentiert, die seit 2017 die Internetfreiheit weltweit beobachtet. Netblocks glaubt, dass die Maßnahme von der Regierung veranlasst wurde und die Berichterstattung über die Proteste verhindern soll.

Die kasachische Regierung hatte erst kürzlich einen Gesetzentwurf zur Kontrolle ausländischer Social-Media-Anbieter nach russischem Vorbild vorgelegt, schreibt das Internetportal netzpolitik.org. Vor zwei Jahren seien alle Internetnutzer gezwungen worden, ein Zertifikat zu installieren, mit dem die Behörden alle Webseitenbesuche protokollieren können. Laut Reporter ohne Grenzen wird kritischer Journalismus im Land immer mehr eingeschränkt, auf der Rangliste der Pressefreiheit liegt Kasachstan auf Platz 155 von 180 Ländern.

Mit welchen technischen Mitteln der Blackout umgesetzt wurde, ist offen. Es handelt sich vermutlich um Sperren bestimmter Dienste, denn einige Webseiten sind aus dem Ausland noch erreichbar, darunter etwa die Seiten des Premierministers Askar Mamin und der Nationalbank.

Beträchtliche Auswirkungen der mutmaßlichen Internetzensur zeigen sich indes für Kryptowährungen. Bereits im November hatte der kasachische Stromnetzbetreiber den Strom für staatlich registrierte Bitcoin-Miner rationiert. Ihre nun erfolgte Trennung vom Internet hat auch Auswirkungen auf die Geschwindigkeit bei der Erzeugung von neuem Kryptogeld in anderen Ländern. Kasachstan ist für 18 Prozent der sogenannten Bitcoin-Hashrate verantwortlich. Der Wert bezeichnet die Rechenleistung der an das Kryptonetzwerk angeschlossenen Computer, die sich nun weltweit verlangsamt. Berichten zufolge ist die Hashrate des Bit­coin-Netzwerks wegen des Ausfalls in Kasachstan um zwölf Prozent gesunken. Der Bitcoin-Kurs wiederum fiel in der Nacht zum Donnerstag zwar auf den tiefsten Stand seit Anfang Dezember, aber das hatte weniger mit dem Aufstand in Almaty zu tun als mit Signalen der US-Notenbank, angesichts der hartnäckigen Inflation aus der lockeren Geldpolitik auszusteigen und die Zinsen zu erhöhen. Der Bitcoin profitiert seit Jahren von extrem niedrigen Zinsen.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz S. ( 7. Januar 2022 um 16:53 Uhr)
    Ich kann meinem Vorredner Dr. Wirth nur zustimmen. »Reporter ohne Grenzen« passt eigentlich sehr gut als Bezeichnung für diese CIA-»Vorfeldorganisation«. Genau wie ihre imperialistischen Auftraggeber in ihren Raubzügen respektieren auch sie keine Grenzen. Reporter ohne Skrupel würde auch gut passen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz S. ( 7. Januar 2022 um 13:18 Uhr)
    Dieser schlimme Artikel wird bei mir unter Politik/junge Welt/Regime-Change abgespeichert. Dieser Ordner wächst leider beträchtlich.
  • Leserbrief von Dr. Volker Wirth aus Berlin ( 7. Januar 2022 um 11:20 Uhr)
    Ich traue ja meinen Augen nicht, Freunde, wie kann meine Zeitung denn die CIA-»Vorfeldorganisation« Reporter ohne Grenzen und ihre »Rangliste« zustimmend zitieren? Seid ihr noch zu retten? Mir ist völlig unklar, wohin sich das (Teil-)Profil der jW in dieser Hinsicht entwickeln soll, wenn solche Dinge passieren. RSF, HRW, AI – überall sind direkt oder indirekt US-Finanzquellen angezapft worden, zumindest um die eigene Tätigkeit finanzieren zu können, aber dafür wird dann die Realität in den USA – speziell die Allmacht der Medienkonzerne, siehe Interview dazu gerade erst – und im westlichen Block schonend dargestellt, aber die Gegenseite verteufelt – das muss doch mal bei Euch im Kopf sein! Es muss doch eine rote Lampe angehen – sonst nähert Ihr Euch wirklich dem ND – der Tag an. Das lasst lieber. Zwischen UZ und dieser »sozialistischen Tageszeitung« auf Revisionskurs ist nur Platz, wenn ihr ein eigenes Profil wahrt! Geradezu rührend ist auch die Sorge des Autors um Bitcoin-Spekulanten! Wozu denn das? Dass die Kraftstoffpreis-Freigabe wieder aufgehoben worden ist, wird einfach nicht erwähnt – aber natürlich stellen die regierungsfeindlichen Kräfte in Kasachstan deshalb ihre Aktionen nicht ein, sondern weiten sie aus, wie stets – siehe 17. Juni 1953, das Handlungsschema ist unverändert.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralf S. aus Gießen ( 7. Januar 2022 um 12:53 Uhr)
      Zur Verteidigung des Autors: Ich habe aus dem Absatz zu der Bitcoin-Thematik nicht herausgelesen, dass er sich darüber sorgen würde. Er hat lediglich die Auswirkungen auf die Bitcoin-»Industrie« beschrieben.

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