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»Liebe, nicht Angst«

Zum Tod der Feministin, Dichterin, Autorin und Gesellschaftskritikerin bell hooks
Von Mumia Abu-Jamal
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Sie wurde vor 69 Jahren, am 25. September 1952, in Hopkinsville im US-Südstaat Kentucky als Gloria Jean Watkins geboren. Die Welt kannte sie jedoch unter ihrem Pseudonym »bell hooks«, und ihre Leserinnen und Leser erkennen diesen Namen sofort an der charakteristischen Verwendung von Kleinbuchstaben. Warum dieser Name und warum in Kleinbuchstaben geschrieben? Dafür gibt es zwei Hauptgründe: erstens, um der Leserschaft deutlich vor Augen zu führen, dass es nicht um sie persönlich, sondern um ihre Arbeit ging. Zweitens gedachte sie damit ihrer Urgroßmutter mütterlicherseits. Das Pseudonym war ursprünglich der Name ihrer indigenen Urgroßmutter Bell Blair Hooks.

bell hooks war eine herausragende Feministin, Dichterin, Autorin und Gesellschaftskritikerin, die mehr als vierzig Bücher – von Essays bis zu Kinderbüchern – veröffentlichte. Sie lehrte als Professorin für die Englische Sprache und als Literaturwissenschaftlerin an der Yale University in New Haven, Connecticut, am Oberlin College in Ohio und an der University of California in Santa Cruz. Im Jahr 2015 gründete sie das »bell hooks Institute« am Berea College im US-Bundesstaat Kentucky, das auch ihr Archiv beherbergt.

Ich erinnere mich noch sehr genau an ein Interview, das sie mit der bekannten Rapperin Lil’ Kim führte. Als sie die Rapperin nach der Liebe fragte, antwortete Kim schnell und leise, sie wisse nicht, was Liebe sei, da sie sich nie geliebt gefühlt habe.

bell hooks hat diese Aspekte gesellschaftlichen Daseins in ihrem Institut und mit Hilfe zahlreicher Interviews ebenso erforscht wie ihr übergeordnetes ideologisches Thema: das, was sie als »imperialistisch-kapitalistische patriarchale Machtstruktur weißer Vorherrschaft« bezeichnete. In einem Interview mit der New York Times im Jahr 2015 erklärte hooks, dass dieses Herrschaftssystem nicht aus einem einzigen, sondern aus vielen Teilen bestehe und deshalb auch so benannt werden müsse.

Sie hat viel über die Liebe nachgedacht, deshalb hier ein Einblick in ihre Gedanken. »Um die Liebe zu bekommen, die wir immer wollten, aber nie hatten, um die Liebe zu bekommen, die wir wollen, aber selbst nicht bereit sind zu geben, suchen wir romantische Beziehungen. Wir glauben, dass diese Beziehungen uns mehr als alle anderen retten und erlösen werden. Wahre Liebe hat die Macht, uns zu erlösen, aber nur, wenn wir bereit sind, uns erlösen zu lassen. Die Liebe rettet uns nur, wenn wir gerettet werden wollen«, so bell hooks.

Viele Leserinnen und Leser kennen das Buch »The Classroom and the Cell: Conversations on Black Life in America« (»Das Klassenzimmer und die Zelle: Gespräche über das Leben der Schwarzen in Amerika«), das der Pädagogikprofessor Marc Lamont-Hill und ich zusammen verfasst haben. Wir haben uns auf die Arbeit an unserem Buch vorbereitet, indem wir »Breaking Bread: Insurgent Black Intellectual Life« von bell hooks und Cornell West, zwei intellektuellen Giganten, lasen. Wir haben auch einen ähnlichen Text der Anthropologin Margaret Mead und des berühmten Schriftstellers James Baldwin gelesen.

bell hooks kehrte nun mit einer Botschaft zu ihren Müttern zurück, die sie in ihren gefeierten Werken »Ain’t I a Woman« und »All About Love« verbreitete: »Liebe, nicht Angst«, sei das Entscheidende.

Übersetzung: Jürgen Heiser

Nach dem Tod von bell hooks schrieb ihre Nichte Ebony Motley auf Twitter: »Die Familie von bell hooks ist sehr betrübt darüber, das Ableben unserer Schwester, Tante, Großtante und Urgroßtante am 15. Dezember 2021 bekanntgeben zu müssen. Die Familie hat ihrem Wunsch entsprochen, zu Hause im Kreise ihrer Familie und Freundinnen und Freunde zu sterben.« (jh)

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