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Aus: Ausgabe vom 10.12.2021, Seite 7 / Ausland
Free Mumia!

40 lange Jahre

Opfer rassistischer Polizeigewalt und von US-Justiz: Weltweite Solidarität mit politischem Gefangenen Mumia Abu-Jamal
Von Jürgen Heiser
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Der Kampf für seine Freiheit geht weiter: Mumia Abu-Jamal auf einer undatierten Aufnahme im Gefängnis

Zum 40. Mal hat sich am Donnerstag die 1981 erfolgte Verhaftung des damals 27jährigen Journalisten und US-Bürgerrechtlers Mumia Abu-Jamal gejährt. Von Pennsylvania, Texas und anderen US-Bundesstaaten über Mexiko, Österreich, Frankreich und Deutschland beging die internationale Solidaritätsbewegung für den politischen Langzeitgefangenen den Tag als einen besonderen Gedenktag. Es war Abu-Jamal, der damals zum schwerverletzten Opfer rassistischer Polizeigewalt wurde, als er seinen jüngeren Bruder gegen den Angriff eines weißen Polizisten verteidigen wollte. Doch die US-Justiz stellte die Tatsachen auf den Kopf und verurteilte den ehemaligen Black Panther ein halbes Jahr später wegen Polizistenmordes zum Tode. Auch wenn das Urteil 2011 nach zähem Kampf in lebenslange Haft umgewandelt wurde, muss Abu-Jamal weiter um seine Berufungsrechte ringen, damit längst vorhandene Unschuldsbeweise endlich vor Gericht gehört werden.

Weltweit wurde daher der 9. Dezember von der Solidaritätsbewegung genutzt, um erneut auf seinen Fall aufmerksam zu machen und auf zahlreichen Veranstaltungen, die aktuell und noch bis zum Wochenende stattfinden, die sofortige Freilassung des mehrfach ausgezeichneten Radiojournalisten und Buchautors zu fordern.

Bereits am Mittwoch hatten ihn Vertreter des französischen Kollektivs »Libérons Mumia« im Staatsgefängnis SCI Mahanoy in Frackville, Pennsylvania, besucht. Jacky Hortaut von der Gewerkschaft CGT und sein Kollege Steve Zade repräsentierten die erste ausländische Delegation, die Abu-Jamal seit Beginn der Coronapandemie wieder besuchen konnte. Sie kamen als Gesandte des Stadtrates von Paris, um dem Gefangenen herzliche Grüße zu überbringen und ihm im Namen der amtierenden Bürgermeisterin Anne Hidalgo von der Sozialistischen Partei (PS) dafür zu danken, dass er an diesem Freitag im Rathaus von Paris online zugeschaltet sein wird. Mit einem Audiobeitrag in französischer Sprache wird er die Eröffnungsrede vor etwa 100 geladenen Gästen halten, die den Internationalen Tag der Menschenrechte begehen und vor allem den Jahrestag der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Paris an Mumia Abu-Jamal würdigen werden.

Diese war ihm am 4. Oktober 2003 in einem bewegenden Festakt durch den damaligen Bürgermeister der PS, Bertrand Delanoë, verliehen worden. Angela Davis hatte damals die Laudatio auf den Geehrten gehalten und Medaille und Urkunde aus Delanoës Händen entgegengenommen. Der Bürgermeister betonte dabei, die Anwesenden seien »in diesem Moment mit ihren von Zuneigung getragenen Gedanken« bei Abu-Jamal. »Für ihn haben wir uns heute hier versammelt und für die Werte, die die Stadt Paris vertritt.« Die französische Hauptstadt habe sich »für das Leben entschieden, als sie mit dazu beitrug, die Todesstrafe in Frankreich abzuschaffen«, so Delanoë im Rückblick darauf, dass dies erst 1981 unter Präsident François Mitterand erreicht worden war. Unter dem Beifall der zahlreichen Gäste aus dem In- und Ausland geißelte Delanoë die in den USA bis heute immer noch vollstreckte Todesstrafe als »Barbarei« und forderte »Gerechtigkeit und Freiheit« für Abu-Jamal.

Vor dessen Ehrung hatte Paris zuletzt 1971 Pablo Picasso zum Ehrenbürger ernannt. »Wir nehmen diese gute Tradition wieder auf und ehren Mumia«, so der Bürgermeister 2003. Abu-Jamals Fall und Geschichte veranlasse Paris dazu, »uns in diesem Akt der Solidarität auf unsere grundlegenden Werte zu besinnen: Leben, Recht und Würde des Menschen«.

Diese Werte werden auch am Freitag wieder in Paris für Abu-Jamal und alle, »die sich noch in Gefangenschaft befinden«, eingefordert werden. Wie »Libérons Mumia« gegenüber jW weiter mitteilte, wird seine Sprecherin Claude Guillaumaud-Pujol die Eröffnungsrede des US-Bürgerrechtlers einleiten und dabei die Notwendigkeit betonen, »die Freilassung des in der Haft erkrankten politischen Gefangenen durch eine verstärkte internationale Mobilisierung zu erreichen«.

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