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Aus: Ausgabe vom 08.12.2021, Seite 2 / Ausland
ausstand in der Türkei

Gesundheitspersonal streikt

Türkei: 250.000 Beschäftigte der medizinischen Versorgung im Ausstand für bessere Arbeitsbedingungen
Von Emre Şahin
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Müde und erschöpft: Medizinisches Personal in türkischen Kliniken (Istanbul, 4.5.2020)

Unter dem Motto »Die Arbeit im Gesundheitswesen geschieht im Kollektiv« haben Gewerkschaften in der Türkei die Beschäftigten in der medizinischen Versorgung für diese Woche zum Streik aufgerufen. Anlass ist die von der Regierung geplante Gehaltserhöhung für Ärzte zwischen 2.500 und 5.000 Lira (ca. 160 bis 326 Euro), während Fachangestellte, Putzkräfte oder Technikpersonal außen vor bleiben. Am Dienstag legten in allen größeren und kleineren türkischen und kurdischen Städten etwa 250.000 Beschäftigte die Arbeit nieder, berichtete die Tageszeitung Evrensel. Es handelte sich mehrheitlich um Mitglieder der Gewerkschaft für Gesundheits- und Sozialarbeiter (SES), die 40 Prozent des Personals im Gesundheitswesen vertritt. Die nächsten Tage wird der Streik allerdings aller Voraussicht nach wachsen, weitere Gewerkschaften haben erklärt, sich ihm anzuschließen zu wollen.

Den Stein ins Rollen gebracht hatten die Mediziner, als sie am 23. November drei Tage lang von Istanbul nach Ankara marschiert sind, um gegen ihre miserablen Arbeitsbedingungen zu protestieren. Unter anderem beklagten sie die schlechte Pandemiepolitik der Regierung sowie Gewalt gegen Ärzte und – infolge der besseren Bezahlung in privaten Kliniken – Personalmangel an öffentlichen Krankenhäusern. Sie kritisierten auch die vielen Überstunden. Noch Anfang November starb die Ärztin Rümeysa Sen in Ankara bei einem Verkehrsunfall, nachdem sie 36 Stunden am Stück Dienst gehabt hatte und völlig überarbeitet gewesen war.

Vergangene Woche Mittwoch kündigte dann Gesundheitsminister Fahrettin Koca die Gehaltserhöhung für ausschließlich Ärzte an, die wiederum zu dem aktuellen Ausstand geführt hat. Die SES fordert für das übrige Personal nun ebenfalls mehr Lohn, angepasst an die reale Inflationsrate im Land. Die lag zuletzt bei mehr als 20 Prozent, weshalb einfache Grundnahrungsmittel nicht mehr erschwinglich sind. Weitere Forderungen sind unter anderem eine Begrenzung der Arbeitszeiten auf maximal zwölf Stunden pro Tag sowie ein Zuschlag auf Überstunden. Unterstützt werden die Streikenden – außer der Notaufnahme, Dialyse und Onkologie steht alles still – vom Türkischen Ärztebund. Am Donnerstag soll es einen Protest vor dem Gesundheitsministerium geben.

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